Hauptstadtregion

Berliner Igel-Auffangstation ist überfüllt: So können Sie jetzt helfen

Der westeuropäische Igel steht erstmals auf der Roten Liste. Ausgerechnet im Winter, wo die Tiere am meisten Hilfe benötigen, gibt es in einer Auffangstation in Berlin keine freien Plätze mehr.

Team News dpa/BLZ
3 Min
Igel finden vielerorts keinen passenden Lebensraum.

Igel finden vielerorts keinen passenden Lebensraum.

© Julian Stratenschulte/dpa

Die Lage des Igels in Berlin ist nach Einschätzung von Helfern und der Landesbeauftragten für Tierschutz besorgniserregend. Besonders alarmierend ist die Überlastung der Igelauffangstation in Berlin-Hermsdorf, die ihre Kapazitätsgrenzen längst überschritten hat.

Die Station bietet offiziell Platz für 55 Tiere, beherbergt jedoch derzeit 80 Igel – einige müssen sogar in Plastikkisten untergebracht werden. „Mehr Platz haben wir nicht“, erklärte Gabriele Gaede vom Verein Arbeitskreis Igelschutz Berlin. Zusätzlich versorgt das Team 20 bis 30 weitere Tiere bei sich zu Hause. Bereits zum wiederholten Mal sind alle Kapazitäten ausgeschöpft.

Neben Platzproblemen mangelt es auch an Helfern. „Es wird immer schwieriger, zuverlässige Ehrenamtliche zu finden, die in der Station mitarbeiten“, so Gaede. Auch die Bereitschaft, Igel vorübergehend privat aufzunehmen, nehme ab. Viele Menschen würden die Tiere einfach abgeben und sich nicht weiter kümmern.

Hauptstadtregion: Mehr Igel, weniger Lebensraum

Die Zahl der abgegebenen Tiere wächst stetig. In diesem Jahr wurden in Hermsdorf bereits 830 Igel aufgenommen – mehr als im Vorjahr. Dies liegt laut Gaede auch daran, dass es in diesem Jahr viele Jungtiere gab.

Nach Angaben der Berliner Landesbeauftragten für Tierschutz, Kathrin Herrmann, ist die Situation der Igel besonders vor dem Winter kritisch. Viele Tiere, die in der Station ankommen, sind krank, verletzt oder untergewichtig. Für den Winterschlaf benötigen Igel mindestens 600 Gramm, um genügend Fettreserven zu haben, doch viele erreichen dieses Gewicht nicht.

Ein Hauptgrund für die Pflegebedürftigkeit der Tiere ist der Verlust ihres natürlichen Lebensraums. Straßenbau, Bodenversiegelung, das Sterben von Insekten und die zunehmend „aufgeräumten“ Gärten machen es den Tieren schwer, Nahrung und Unterschlupf zu finden. „Manche Gärten sehen aus wie Wohnzimmer“, kritisiert Gaede.

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Igel als Tier des Jahres 2024

Um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Wildtier Stiftung den Igel zum Tier des Jahres 2024 gewählt. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat den westeuropäischen Igel erstmals als „potenziell gefährdet“ auf die Rote Liste gesetzt.

Auch der Klimawandel wirkt sich negativ auf die Tiere aus. Milde Winter und plötzliche Temperaturwechsel stören ihren Winterschlaf. Der Rückgang von Insekten zwingt viele Igel zudem, in menschliche Nähe auszuweichen, wo sie Gefahren wie Verkehr oder Gartengeräten ausgesetzt sind.

Helfer und Gartenbesitzer gefragt: Wie Sie Igeln Gutes tun

Eine genaue Zahl der Berliner Igel ist nicht bekannt, doch Beobachtungen zeigen einen starken Rückgang der Population. Um die Tiere zu schützen, fordert Herrmann wildtierfreundliche Gärten und Grünflächen. Laub- und Reisighaufen sollten als Winterquartiere erhalten bleiben, Mähroboter nur tagsüber und unter Aufsicht eingesetzt werden.

Auch die Auffangstation in Hermsdorf benötigt dringend Unterstützung – sei es durch Futter- und Medikamentenspenden, helfende Hände oder neue Räumlichkeiten, um mehr Platz für die Tiere zu schaffen. Gaede appelliert an Gartenbesitzer, einen Beitrag zum Schutz der Tiere zu leisten: „Jeder kann etwas tun, damit die Igel gut durch den Winter kommen.“

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