Als ihr Name fiel, dachte Mascha Schilinski zuerst, sie habe sich verhört. Auf den 78. Internationalen Filmfestspielen von Cannes erhielt sie für „In die Sonne schauen“ den Preis der Jury. Die Berlinerin teilt sich die Auszeichnung mit Oliver Laxe, dessen Film „Sirât“ für gleichermaßen preiswürdig empfunden wurde. Den Journalisten erzählte sie später, wie sie fürchtete, ihren Ohren nicht zu trauen: „Es war ein surrealer Moment.“
Mascha Schilinski wurde 1984 in West-Berlin geboren – in dem Jahr, als Wim Wenders in Cannes die Goldene Palme für „Paris Texas“ erhielt. Die Absolventin der Filmschule Hamburg gehört zu dem sehr kleinen Kreis deutscher Filmemacherinnen und -macher, die in den Wettbewerb an die Côte d’Azur eingeladen wurden. 2016 lief dort Maren Ades „Toni Erdmann“ mit Erfolg, aber ohne Preis, 2007 erhielt Fatih Akin für „Auf der anderen Seite“ die Auszeichnung für das beste Drehbuch. Den Preis der Jury gab es zuvor nur ein einziges Mal für eine deutsche Produktion: 1959 für „Sterne“ von Konrad Wolf. Die restaurierte Fassung dieses Defa-Films eröffnete jetzt die Cannes-Classics-Reihe.
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„In die Sonne schauen“ ist der zweite Spielfilm von Mascha Schilinski nach „Die Tochter“ (2017). Er lief am Mittwoch vor knapp zwei Wochen als erste Premiere in der offiziellen Sektion des Festivals, wurde heftig beklatscht und von der Fachpresse sehr wohlwollend rezensiert: So wie sie die vier jungen Frauen zu verschiedenen Zeiten auf einem Bauernhof in der Altmark zeigt, sei noch nicht von häuslicher Gewalt, verdrängten Sehnsüchten, transgenerationalen Traumata erzählt worden.
Nach all dem Lob kam die Regisseurin doch nicht ganz unvorbereitet zur Abschlussgala am Sonnabend. Sie las eine kurze Dankesrede vom Handy ab: „Wir möchten diesen Preis all jenen widmen, die an Orten leben, an denen es nicht leicht ist oder unmöglich oder kaum möglich ist, Filme zu machen – und besonders jungen Filmschaffenden und insbesondere Frauen: Eure Stimmen sind wichtig. Gebt sie nicht auf.“ Am 11. September startet ihr Film in den deutschen Kinos.
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