Berlins Jugendsenator nennt CDU-Kritik an DDR-Kontakten verlogen

Krüger fordert Offenheit

Brigitte Fehrle
3 Min

Berlin.Der Berliner SPD-Bundestagskandidat und iugendsenator Thomas Krüger hat seine Partei zu .mehr Gelassenheit und Offenheir in der Diskussion um die kürzlich veröffentlichten SED-Akten zur Ostpolitik der Parteien aufgefordert. Die Kritik der CDU wies Krüger zurück. In demn Regierungszeit habe es keine Wende in der Ostpolitik gegeben.In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung sagte Krüger, bei der Beurteilung der DDR-Staatsdokumente gehe es nicht nur um die historische Wahrheit, sondern auch darum "was es für die Leute gebracht hat". Daß die Entspannungspolitik, die von Willy Brandt und Egon Bahr begonnen worden war, im Osten positiv erlebt wurde, sei unumstritten. Krüger: "Diese Erfahrung kann uns niemand wegnehmen." Er als "Ost-Sozl", so Krüger, könne deshalb nicht verstehen, warum seine Partei in der Debatte um die Kontakte zur SED nicht offensiver sei. Krüger: "Die Partei muß den Eindruck vermelden, als habe sie etwas zu verbergen".Die Sorge der SPD, die CDU könne aus der Veröffentlichung politisches Kapital schlagen, hält Krüger für unbegründet. Die Leute seien "nicht so doof", so der Jugendsenator. Sie beurteilten die Parteien danach, welche Lösungen sie für die Probleme der Gegenwart und Zukunft anzubieten hätten und nicht nach den "Sünden der Vergangenheit".Daß man der SPD nun vorwerfe, Honecker hoffähig gemacht zu haben, sei "typisches West-Denken" und der Ausdruck eines "schlechten Gewissens" konstatiert der Mitbegründer der Ost-Sozialdemokraten. In der DDR habe man das ganz anders empfunden, und gesehen, "daß da was überkommt".In Richtung CDU sagte der SPDPolitiker, die heutige Kritik an der Politik der Sozialdemokraten sei verlogen. Nach dem Regierungswechsel in Bonn von der sozialliberalen Koalition zur CDU/FDP-Regierung habe es keine Wende in der Ostpolitik gegeben. Möglicherweise habe die CDU und Franz-Josef-Strauß mit seinem Milliardenkredit die DDR "viel mehr abgestützt", als die SPD mit Ideologie.Einer der Verfasser der Studie über die Kontakte der West-Parteien zur SED, Jochen Staadt, sieht den Unterschied zwischen SPD und CDU hauptsächlich In der Häufigkeit der Kontakte. Seit Bestehen der DDR, so Staadt, habe die SED die Sozialdemokraten als bevorzugte Ansprechpartner gesehen. Die CDU sei nach dem Regierungswechsel im Jahr 1982 bemüht gewesen, der DDR zu signalisieren, daß die Vertragspolitlk der Bundesrepublik fortgesetzt werde. Für den Historiker ist die entscheidende Frage, ob die SED den Westparteien Wahlkampfhilfe angeboten hat und diese auch angenommen wurde. Seiner Meinung nach sei das der Fall, faßt Staadt die Ergebnisse der von der Enquete-Komlssion des Bundestages in Auftrag gegebenen Studie zusammen.

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