In Sachsen-Anhalt kommen auf 1000 junge Männer nur 856 Frauen. So groß wie dort ist der Männerüberschuss bei den 18- bis 29-Jährigen in keinem anderen Bundesland.
Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor, die die Behörde Ende August 2026 veröffentlicht hat. Die Daten zum Jahresende 2025 zeigen, wie ausgeprägt der Männerüberschuss in Ostdeutschland gerade bei jungen Menschen ist. Vor allem junge Frauen fehlen – eine Folge von Abwanderung, die bis in die frühen 1990er Jahre zurückreicht und die Bevölkerung im Osten bis heute prägt.
Der größte Männerüberschuss liegt bei den Jungen
Bundesweit kamen zum Jahresende 2025 auf 1000 Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren 912 Frauen. Das ist die Altersgruppe mit dem stärksten Männerüberschuss, wie Destatis berichtet.
In den ostdeutschen Ländern fällt das Ungleichgewicht deutlich größer aus. Am ausgeprägtesten ist es in Sachsen-Anhalt mit 856 Frauen je 1000 Männer, gefolgt von Brandenburg (862) und Thüringen (867).
Zwei Gründe nennt die Behörde für den bundesweiten Trend: Es kommen etwa 5 Prozent mehr Jungen als Mädchen zur Welt. Und es sind etwas mehr Männer als Frauen nach Deutschland eingewandert.
Warum in Ostdeutschland die jungen Frauen fehlen
Der ostdeutsche Sonderfall hat eine längere Vorgeschichte. Nach der Wiedervereinigung 1990 zogen vor allem junge Menschen in den Westen. Zwischen 1991 und 2024 verlor der Osten im Saldo mehr als 740.000 Menschen unter 25 Jahren an die westlichen Länder. Das geht aus einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervor.
Besonders stark war die Abwanderung junger Frauen: 428.000 von ihnen waren beim Wegzug jünger als 25 Jahre. Diese Lücke prägt die Bevölkerung in Ostdeutschland bis heute.
50 bis 64 Jahre: Männerüberschuss nur noch im Osten
Über alle Altersgruppen hinweg leben in Deutschland etwas mehr Frauen als Männer – 1027 Frauen auf 1000 Männer. Ab etwa 50 kippt das Verhältnis bundesweit zugunsten der Frauen.
Bei den 50- bis 64-Jährigen liegt der bundesweite Wert bei 1011 Frauen je 1000 Männer. Doch einen Männerüberschuss gibt es in dieser Altersgruppe nur noch in den fünf ostdeutschen Flächenländern. Auch das führt Destatis unter anderem auf den Wegzug vieler junger Frauen aus dem Osten nach 1991 zurück.
Ab 65 dreht sich alles: Frauenüberschuss im Osten am höchsten
Im höheren Alter kehrt sich das Bild um. Bei den mindestens 65-Jährigen kommen bundesweit 1260 Frauen auf 1000 Männer. Am größten ist der Frauenüberschuss in dieser Altersgruppe in Sachsen-Anhalt (1336), Sachsen (1328) und Hamburg (1328).
Als Hauptgrund nennt Destatis die höhere Lebenserwartung von Frauen. Hinzu komme die stärkere Abwanderung von Männern.
Immer weniger junge Menschen – den Osten trifft es besonders
Parallel schrumpft der Anteil junger Menschen insgesamt. Zum Jahresende 2025 waren 8,3 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahre alt – 10,0 Prozent der Bevölkerung und damit ein historischer Tiefstand, wie Destatis mitteilt.
1983 gehörte auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik noch jede sechste Person zu dieser Altersgruppe: 16,7 Prozent.
Am unteren Ende der aktuellen Verteilung stehen ostdeutsche Länder: Brandenburg kommt auf 8,8 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt jeweils auf 9,1 Prozent. Die jüngsten Regionen sind die Stadtstaaten Bremen (11,1 Prozent) und Hamburg (10,5 Prozent).
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Dass der Anteil nicht noch tiefer liegt, hängt an der Zuwanderung. Bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte lag der Anteil der 15- bis 24-Jährigen 2025 bei 8,5 Prozent, bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte bei 12,2 Prozent.
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