PRENZLAUER BERG. Eigentlich hat niemand mehr daran geglaubt, dass auf dem Gelände der brachliegenden Bötzow-Brauerei an der Prenzlauer Allee 242 noch einmal etwas passieren wird. Seit 17 Jahren steht der Gebäudekomplex leer und verfällt. Doch jetzt bietet die Eigentümerfirma Divaco, die einst zur Metro-Gruppe gehörte, das 110 000 Quadratmeter große Areal zum Verkauf an. Der Käufer kann die Hälfte aller Gebäude abreißen, denn dafür gibt es eine noch immer gültige Genehmigung von 2001. Von einer "Katastrophe für den Kiez" spricht SPD-Fraktionschef Klaus Mindrup.Die Brauerei aber steht als Gesamtanlage auf der Denkmalliste des Landes Berlin. Nach den derzeitigen Bauplänen der Divaco soll ein Einkaufszentrum mit sechs Etagen entstehen: mit einer überdachten Passage, Supermärkten, zwei Tiefgaragen sowie Restaurants, Lofts und Geschäften. Allein für den Einzelhandel sind Flächen von 40 000 Quadratmeter vorgesehen, das ist größer als die Galeria Kaufhof am Alex und etwa so groß wie die Schönhauser Allee Arcaden. "Die Planungen widersprechen eindeutig dem Zentrenkonzept", sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Michail Nelken (Linkspartei). "Großflächigen Einzelhandel brauchen wir an dieser Stelle nicht." Der Bezirk hatte dazu bisher jedoch eine andere Auffassung: Erstmals 1995 hatte das damalige Bezirksamt in Prenzlauer Berg den Abriss- und Umbauplänen stattgegeben. Zur Begründung hieß es, man freue sich über jeden Investor, der leere Gebäude übernehme. Im Jahr 2001 erneuerte der Bezirk die Baugenehmigung, ein großflächiger Abriss der Brauerei ist weiterhin möglich. Seitdem tat sich auf dem Gelände allerdings nichts. Normalerweise wäre die Baugenehmigung nach drei Jahren ungültig geworden. Doch die Divaco hatte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Widerspruch gegen Teile der Baugenehmigung eingelegt, weil sie mit Auflagen zum Brandschutz nicht einverstanden war. Sechs Jahre lang schleppte sich das Verfahren hin. "Wir haben uns Zeit gelassen", sagt Divaco-Geschäftsführer Bernhard Scholtes. Denn Investoren für das Grundstück in bester Citylage, zwischen Alex und Kollwitzplatz, gab es in den Jahren nicht.Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dem Widerspruch stattgegeben. Der Bezirk sei damals "zu streng" gewesen, heißt es zur Begründung. Die Baugenehmigung ist noch gültig und für den neuen Besitzer viel wert. Denn heute würde der Bezirk so ein Bauvorhaben nicht mehr genehmigen, sagt Stadtrat Nelken.------------------------------Biergarten XXLDie Brauerei auf dem Mühlenberg begann 1885 Bier herzustellen. Der Besitzer war Julius Bötzow. Im Biergarten auf dem Gelände war Platz für 6 000 Gäste. 350 Beschäftigte arbeiteten dort.Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei stark zerstört. Sie musste schließen. In der DDR wurde das Gelände als Lager für Fisch, Spirituosen und Tabak genutzt.Umbaupläne gibt es seit 1990. Die Treuhandanstalt verkaufte das Gelände 1993 für 48 Millionen Mark. Ein Investor wollte für 240 Millionen Mark ein Dienstleistungszentrum mit Warenhaus und Gastronomie errichten. Darüber wurde im Bezirk lange gestritten. Später plante die Großhandelskette Metro einen Großmarkt, daraus wurde nichts.------------------------------Foto: Die Bötzow-Brauerei steht leer und verfällt.
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