Willy Brandt, Ludwig Erhard, Heinrich von Gagern: Nach diesen Persönlichkeiten sollen Straßen am künftigen Bundeskanzleramt benannt werden. Das sieht ein Entwurf des Bezirksamtes Tiergarten vor.Knapp fünf Jahre nach dem Tod von Willy Brandt ist nach dem Berliner Straßengesetz der Weg frei, um nach dem ehemaligen Bundeskanzler und Regierenden Bürgermeister eine Straße zu benennen. Nach Vorstellungen des Bezirksamtes Tiergarten soll die Straße südlich der Moltkebrücke, die am künftigen Kanzleramt entlangführt, seinen Namen tragen. Jetzt wurde bekannt, daß auch der "Vater des Wirtschaftswunders", Ludwig Erhard, eine Straße im Spreebogen bekommen soll. Ebenso der 1848 zum ersten Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung gewählte Heinrich von Gagern.Tiergartens Baustadtrat Horst Porath (SPD): "Bereits bestehende Straßenbezeichnungen werden übernommen." So plant Tiergarten, die bislang als "Nordallee" bezeichnete Straße oberhalb des Kanzleramtes als Fürst-Bismarck-Straße zu benennen. Ein kleines Straßenstück trägt bereits diesen Namen. Der Fußgängersteg über die Spree soll nach Joachim Karnatz (Bezirksbürgermeister 1960 bis 1975) benannt werden. Die Paul-Löbe-Straße ("Südallee") wird nach Westen verlängert. Hier soll ein Steg zum Moabiter Werder nach einem Beschluß des Bezirks von 1991 den Namen des Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld tragen. Der Platz der Republik vor dem Reichstag behält seine Bezeichnung.Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen bezeichnete die Ehrung von Brandt durch die "Benennung eines Platzes oder einer Straße im engeren künftigen Parlamentsviertel" in einem Schreiben an Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth als "angemessen". Das gelte auch für Erhard. In diesem Fall muß Bausenator Jürgen Klemann auf seinen Wunsch nach einer Erhardstraße am Messegelände am Funkturm verzichten. "Kein Problem", sagte dazu gestern Klemanns Sprecherin Petra Reetz.Für den Spreebogen seien mehr Namen im Gespräch, als Straßen vorhanden sind. Im Kanzleramt werden die Vorschläge aus Tiergarten als erste Ideen aufgefaßt, die diskutiert werden müssen. Vordringlicher sei es, daß die Bauten bis Ende 1999 fertig werden. In Tiergarten sollen die Vorschläge bis zum September für das Areal auch jenseits des Spreebogens vervollständigt und vom Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung beschlossen werden. Nur wenn es während der Abstimmungsrunden zwischen Berlin und Bonn Streit gibt, will die Bau-Verwaltung schlichtend eingreifen. Zum Jahresende, so Petra Reetz, werden die Namen feststehen.Uwe Aulich
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