Enthüllung

„Ich habe gerade all das geheime Zeug unten gefunden“: Brisante Biden-Tonbänder veröffentlicht

In Gesprächen mit seinem Ghostwriter sprach Joe Biden über geheime Unterlagen und verlor mehrfach den Faden. Die Aufnahmen stammen aus einer Untersuchung, die 2024 ohne Anklage endete.

6 Min
Der frühere US-Präsident Joe Biden

Der frühere US-Präsident Joe Biden

© Susan Walsh/AP

Nach jahrelangem Rechtsstreit sind Tonaufnahmen aus privaten Gesprächen des früheren US-Präsidenten Joe Biden mit seinem Ghostwriter veröffentlicht worden. Darin spricht Biden mehrfach über mutmaßlich geheime Unterlagen aus seiner Zeit als Vizepräsident. Andere Passagen zeigen, wie er nach Daten und Gedanken sucht oder seine eigenen Aufzeichnungen nicht entziffern kann.

Auszüge aus den Gesprächen wurden am Montag vom konservativen Oversight Project veröffentlicht, das aus dem Umfeld der Heritage Foundation stammt. Die Organisation hatte das US-Justizministerium auf Herausgabe der Aufnahmen verklagt. CNN und der US-Sender CBS berichteten anschließend über den Inhalt der Tonbänder.

Die Gespräche führte Biden in den Jahren 2016 und 2017 mit dem Autor Mark Zwonitzer. Dieser arbeitete damals an Bidens Erinnerungsbuch „Promise Me, Dad“, das sich vor allem mit dem Tod seines Sohnes Beau Biden und seiner Entscheidung gegen eine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016 beschäftigt.

Biden: „Ich habe all das geheime Zeug unten gefunden“

Besonders heikel ist eine Aufnahme vom 16. Februar 2017, knapp einen Monat nach Bidens Ausscheiden aus dem Amt des Vizepräsidenten. Darin sagt Biden zu Zwonitzer:

„Ich habe gerade all das geheime Zeug unten gefunden.“

Joe Biden

Anschließend spricht er über ein rund 40 Seiten langes, handschriftliches Memorandum, mit dem er sich 2009 gegen die Entsendung weiterer US-Soldaten nach Afghanistan ausgesprochen hatte. Biden verspricht sich dabei zunächst und sagt Irak, bevor er sich zu Afghanistan korrigiert.

Welche Dokumente Biden mit dem „geheimen Zeug“ genau meinte, geht aus der veröffentlichten Passage nicht eindeutig hervor. Teile der Aufnahme wurden geschwärzt beziehungsweise akustisch unkenntlich gemacht. Sonderermittler Robert Hur sah in der Äußerung allerdings ein Indiz dafür, dass Biden nach dem Ende seiner Amtszeit noch als geheim eingestufte Afghanistan-Unterlagen in einem von ihm gemieteten Haus in Virginia besaß. Später wurden entsprechende Dokumente in der Garage seines Hauses in Delaware gefunden.

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An einer anderen Stelle geht Biden gemeinsam mit Zwonitzer seine handschriftlichen Notizen durch und sagt: „Das Nächste, was ich hier habe, ist – das ist geheim.“

In einer weiteren Aufnahme warnt Biden den Autor, einige der Aufzeichnungen könnten unter die Geheimhaltung fallen. Sie seien zwar nicht entsprechend gekennzeichnet, er sei sich jedoch nicht sicher. Biden spricht außerdem über Notizen aus seiner Zeit im Weißen Haus und sagt: „Sie wussten nicht einmal, dass ich das habe.“

CBS zufolge enthalten die Aufnahmen Hinweise auf Sitzungen mit der CIA, Besprechungen im Lagezentrum des Weißen Hauses und Unterrichtungen durch das Verteidigungsministerium. Es gibt allerdings keinen Vorwurf, dass geheime Informationen in Bidens später veröffentlichtem Buch erschienen seien.

Tonaufnahmen zeigen Biden auf der Suche nach Worten

Mehrere Passagen dürften auch die Debatte über Bidens geistige Verfassung neu anfachen. Der frühere Präsident spricht teilweise stockend, sucht nach Daten und verliert während eines Gesprächs offenbar den Faden.

„Also gut, was wollte ich Sie noch fragen? Da war noch etwas“, sagt Biden in einer Aufnahme. Nach mehreren Pausen fügt er hinzu: „Oh Gott. Mir fällt nichts mehr ein.“

Beim Vorlesen seiner Notizen sagt er an einer anderen Stelle: „Ich kann meine eigene Schrift nicht lesen.“

Die Aufnahmen bestätigen damit zumindest teilweise die Beschreibung Hurs, wonach Biden in den Gesprächen Mühe gehabt habe, sich an Ereignisse zu erinnern und seine eigenen Einträge wiederzugeben. CBS bewertet die Anzeichen in den jetzt veröffentlichten Ausschnitten allerdings zurückhaltender: Biden spreche stellenweise stockend, mögliche Gedächtnisprobleme seien in den Aufnahmen subtil zu erkennen. Eine medizinische Beurteilung erlauben einzelne Gesprächsauszüge ohnehin nicht.

Hur hatte Biden in seinem Abschlussbericht als „wohlmeinenden älteren Mann mit schlechtem Gedächtnis“ beschrieben. Diese Formulierung löste 2024 heftige Kritik aus Bidens Lager aus und verschärfte die damalige Debatte über sein Alter und seine Eignung für eine zweite Amtszeit.

Warum Sonderermittler Hur keine Anklage erhob

Die Untersuchung begann, nachdem als geheim gekennzeichnete Dokumente aus Bidens Zeit als Senator und Vizepräsident in seinem Privathaus und einem früheren Büro gefunden worden waren. Hur kam 2024 zu dem Ergebnis, dass es Hinweise auf eine unrechtmäßige Aufbewahrung und Weitergabe geheimer Informationen gab.

Für eine Anklage reichte das Beweismaterial nach Einschätzung des Sonderermittlers jedoch nicht aus. Die Staatsanwaltschaft hätte beweisen müssen, dass Biden die Unterlagen wissentlich und mit der Absicht aufbewahrte, gegen das Gesetz zu verstoßen.

Hur verwies auf mögliche harmlose Erklärungen, Bidens Erinnerungslücken und dessen Zusammenarbeit mit den Ermittlern. Eine Jury könnte zu dem Schluss kommen, dass Biden die Dokumente vergessen oder versehentlich behalten habe. Der Sonderermittler empfahl deshalb keine Strafverfolgung.

Biden wies 2024 zurück, seinem Ghostwriter geheime Informationen mitgeteilt zu haben. „Ich habe keine geheimen Informationen weitergegeben“, sagte er damals. Er wisse zudem nicht, wie die betreffenden Kartons in seine Garage gelangt seien.

Biden spricht über Spannungen mit Barack Obama

Die Tonaufnahmen enthalten auch ungewohnt offene Äußerungen über Bidens Verhältnis zum damaligen Präsidenten Barack Obama. Biden erzählt, Obama sei wegen seiner Forderungen nach einem härteren Vorgehen gegen Banken nach der Finanzkrise „wirklich sauer“ auf ihn geworden.

Biden kritisierte demnach, die Regierung habe zu wenig für die Mittelschicht und gegen Verantwortliche der Bankenkrise getan. Obama und dessen Mitarbeiter seien zumindest unbewusst dem Silicon Valley verpflichtet gewesen, sagte er.

In einem weiteren Gespräch schildert Biden ein Mittagessen mit Obama, bei dem es um eine mögliche Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2016 ging. Nach Bidens Darstellung hielt Obama einen Sieg gegen Hillary Clinton für schwer erreichbar. „Er glaubte damals nicht, dass es machbar war“, sagte Biden über seinen damaligen Präsidenten.

Biden zog Klage gegen Veröffentlichung zurück

Die Heritage Foundation hatte 2024 auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes die Herausgabe der Unterlagen beantragt. Das Justizministerium unter Biden lehnte dies zunächst ab und verwies auf dessen Privatsphäre. Unter der Regierung von Donald Trump änderte das Ministerium seine Position.

Biden versuchte daraufhin selbst, die Veröffentlichung gerichtlich zu verhindern. Ein Berufungsgericht entschied jedoch mit zwei zu einer Stimme, dass das öffentliche Interesse an den Aufnahmen seine persönlichen Interessen überwiege. Ende vergangener Woche zog Biden seine Klage zurück und verzichtete damit auf eine mögliche weitere Anrufung des Obersten Gerichtshofs.

Bidens Sprecher TJ Ducklo bezeichnete die Veröffentlichung gegenüber CBS als politisch motiviert. Die Gespräche über Bidens verstorbenen Sohn seien privat gewesen und dem Justizministerium unter der ausdrücklichen Bedingung überlassen worden, dass sie nicht öffentlich würden. Die Regierung Trump instrumentalisiere das Justizministerium „für politische Vergeltung“, erklärte Ducklo. Biden widerspreche der Entscheidung, respektiere aber die Gerichte und die Bedeutung einer unabhängigen Justiz.

Das Oversight Project feierte die Veröffentlichung dagegen als Erfolg nach einem zweijährigen Rechtsstreit. Die Tonbänder hätten bereits vor langer Zeit öffentlich gemacht werden müssen, erklärte die Organisation. Die nun verbreiteten Auszüge umfassen jedoch nur einen Teil des umfangreichen Materials. Nach Angaben von CBS spielten insgesamt rund 70 Stunden an Gesprächen eine Rolle in Hurs Untersuchung. Dem Sender lagen zum Zeitpunkt seines Berichts mehr als zwei Stunden an Aufnahmen vor.

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