Polen

Bier und Wahlkampf in Polen: Sikorski und Trzaskowski stoßen mit Rechtsextremist Mentzen an

Polen steht vor einer richtungsweisenden Stichwahl. Umfragen zeigen ein enges Rennen. Kurz vor der Entscheidung sorgt ein ungewöhnliches Treffen für Aufmerksamkeit.

Katerina Alexandridi
3 Min
Der Ultrarechte Sławomir Mentzen gilt als Königsmacher der polnischen Präsidentschaftswahl.

Der Ultrarechte Sławomir Mentzen gilt als Königsmacher der polnischen Präsidentschaftswahl.

© Attila Husejnow/Imago

Kurz vor der polnischen Stichwahl um das Präsidentenamt am 1. Juni haben sich der liberale Kandidat Rafał Trzaskowski, Außenminister Radosław Sikorski und der rechtsextreme Politiker Sławomir Mentzen zu einem gemeinsamen Bier in Mentzens Kneipe in Toruń getroffen. „Für ein Polen, das vereint, nicht spaltet“, schrieb Sikorski am Samstag auf der Plattform X, wo er ein Video des überraschenden Treffens veröffentlichte.

„Es war sehr nett und spontan. Radek hat sich großartig verhalten“, sagte dem Nachrichtenportal Onet ein Insider über Außenminister Sikorski. Trzaskowski, der 53-jährige Warschauer Bürgermeister und Parteikollege Sikorskis, tritt als Kandidat der liberalkonservativen, proeuropäischen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) von Premierminister Donald Tusk an.

Obwohl ihre politischen Ansichten kaum unterschiedlicher sein könnten, war es nicht das erste Mal, dass Sikorski die Kneipe Mentzens betrat. Bereits im April 2024 hatte er das Lokal besucht und dabei mit einem Augenzwinkern auf die Wand mit Fotos hingewiesen, auf der laut Aushang bestimmte Politiker als unerwünscht gelten. „Ich fühle mich ausgeschlossen ... vielleicht ist das auch gut so“, kommentierte Sikorski damals.

Mentzen als Königsmacher der polnischen Präsidentschaftswahl

Bei der ersten Runde der richtungsweisenden Präsidentschaftswahl hatte Mentzen mit 14,81 Prozent der Stimmen das drittbeste Ergebnis erzielt. Trzaskowski gewann knapp mit 31,36 Prozent der Stimmen, der von der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützte Historiker Karol Nawrocki landete mit 29,54 Prozent knapp dahinter. Bei der Stichwahl ist Mentzen somit zum Königsmacher geworden. Wen seine Anhänger unterstützen, könnte die Wahl entscheiden.

Mentzen hatte sowohl Nawrocki als auch Trzaskowski einzeln in seine YouTube-Sendung eingeladen, um ihnen einen Acht-Punkte-Plan vorzulegen, von dessen Unterzeichnung er seine Wahlempfehlung abhängig macht. Nawrocki unterzeichnete den Forderungskatalog bei seinem Auftritt am Donnerstag. Darin versprach er unter anderem, keine polnischen Soldaten in die Ukraine zu entsenden und kein Gesetz zur Ratifizierung eines ukrainischen Nato-Beitritts zu unterstützen.

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Trzaskowski zu Mentzens Ukraine-Forderungen: „Putin versteht nur die Sprache der Stärke“

Mit seinem Gast Trzaskowski hatte Mentzen mehr Arbeit. Der Warschauer Oberbürgermeister, der auch Erfahrung im Europäischen Parlament und als Minister gesammelt hat, zeigte seine außen- und europapolitische Kompetenz und nahm die Argumente Mentzens auseinander. Am Ende weigerte er sich, dessen Acht-Punkte-Plan zu unterschreiben.

Es komme für ihn nicht infrage, die Perspektive eines Nato-Beitritts der Ukraine abzuschreiben, sagte Trzaskowski: „Putin versteht nur die Sprache der Stärke. Wenn die Ukraine keine Sicherheitsgarantien bekommt, sind wir als nächstens dran.“ Auf die Unterstützung der Mehrheit von Mentzens Wählern wird Trzaskowski bei der Stichwahl nun wohl verzichten müssen.

Große Demos sollen Polen vor Präsidentenwahl mobilisieren

Eine Woche vor der Präsidentenstichwahl setzen nun beide Kandidaten auf ein öffentliches Kräftemessen. Wer bringt heute in Warschau die meisten Menschen auf die Straße? Trzaskowski hat zum „Marsch der Patrioten“ aufgerufen. Zeitgleich bittet sein Rivale Nawrocki zum „Marsch für Polen“.

Die Kundgebungen sollen die eigenen Anhänger motivieren und die Unentschiedenen beeindrucken. Das zumindest ist die Hoffnung der beiden Lager, denn laut Umfragen steht es Spitz auf Knopf: Sowohl Trzaskowski als auch Nawrocki können bei der Abstimmung am kommenden Sonntag mit 47 Prozent der Stimmen rechnen. (mit dpa)

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