Japans Kartellbehörde ist am Mittwoch mit einer Durchsuchungsaktion gegen die vier größten Brauereien des Landes vorgegangen. Wie am Donnerstag aus Berichten japanischer Medien hervorging, stehen Asahi, Kirin, Sapporo und Suntory im Verdacht, über Jahre hinweg Preise für Bier und bierähnliche Getränke abgekartet zu haben.
Die Behörde leitete ein Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Antimonopolgesetz ein. Der Generalsekretär der Behörde, Hiroo Iwanari, bestätigte die Ermittlungen, machte aber keine weiteren Angaben.
Mehr als 90 Prozent Marktanteil
Die vier Unternehmen kontrollieren gemeinsam mehr als 90 Prozent des japanischen Biermarktes. Nach Angaben der nationalen Steuerbehörde setzten die Hersteller 2024 allein mit Bier und sogenanntem Happoshu, einer malzarmen Variante, rund 1,61 Billionen Yen um, umgerechnet etwa 10,1 Milliarden US-Dollar.
Verkaufsleiter und weitere Führungskräfte der Brauereien sollen sich laut Berichten der Zeitung Mainichi Shimbun und des öffentlich-rechtlichen Senders NHK über längere Zeit heimlich getroffen haben, um Zeitpunkt und Höhe von Preiserhöhungen gegenüber Großhändlern abzustimmen. Die Treffen sollen jeweils im Anschluss an die monatlichen Zusammenkünfte des Brauerei-Branchenverbandes stattgefunden haben.
Straßenbau-Kartell: Bundeskartellamt verhängt Bußgeld wegen Preisabsprachen
Preisanstieg bei Lebensmitteln: So stark steigen die Kosten wirklich
Die Unternehmen hatten ihre Preise mehrfach zeitgleich angehoben, zuletzt im April 2025. Als Begründung nannten sie steigende Kosten für Rohstoffe und Logistik. Die Behörde prüft nun, ob die Absprachen zu künstlich erhöhten Preisen für Einzelhandel und Gastronomie führten, die am Ende an die Verbraucher weitergereicht wurden.
Brauereien sichern Kooperation zu
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf eine mit dem Vorgang vertraute Person beruft, zieht die Behörde eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Betracht. Die vier Brauereien bestätigten die Durchsuchungen in getrennten Stellungnahmen und kündigten volle Kooperation an.
Suntory erklärte, die Behörde prüfe das Alkoholgeschäft des Unternehmens vor Ort. Ein Sprecher von Asahi in Australien betonte, die Ermittlungen in Japan beträfen die dortige Konzerntochter und stünden in keinem Zusammenhang mit dem australischen Geschäft.
An der Börse in Tokio gaben die Aktien von Asahi, Kirin und Sapporo nach Bekanntwerden der Durchsuchungen um bis zu knapp vier Prozent nach. Erst im Juni waren sechs japanische Speiseeis-Hersteller wegen eines ähnlichen Verdachts durchsucht worden.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]