Bildungssenator Jürgen Zöllner beginnt seine Tour durch die Bezirke - Linke wirbt für Gemeinschaftsschulen

Rot-Rot erklärt die Schulreform unterschiedlich

Martin Klesmann
2 Min

Von einer "Charme-Offensive" war im Charlottenburger "Oberstufenzentrum Körperpflege" gar die Rede. Bildungssenator Jürgen Zöllner begann dort am Montagabend gemeinsam mit Staatssekretärin Claudia Zinke (bei SPD)seine Tour durch die Bezirke, um für die Schulreform zu werben. Zöllner lobte zunächst den Bildungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), der die nötigen Entscheidungen zügig getroffen habe. Im Bezirk soll es künftig nach der Grundschule 11 Gymnasien und 9 Sekundarschulen geben. Die Schulstandorte Elisabeth-Realschule und Rudolf-Diesel-Hauptschule werden im Zuge der Schulreform in etwa fünf Jahren aufgegeben. Lehrer der Marienburg-Realschule in Schmargendorf machten klar, dass sie lieber eigenständig geblieben wären als Ableger einer Sekundarschule zu werden. Stadtrat Naumann verteidigte diesen Schritt, da sonst "die Schülerzusammensetzung der anderen Sekundarschulstandorte unvorteilhaft belastet" würde. Zöllner widersprach Forderungen von anwesenden Lehrern nach Freizeitausgleich für die nötige konzeptionelle Arbeit etwa an neuen Schulprogrammen. Der Senator betonte, dass er das wöchentliche Unterrichtspensum von bisherigen Haupt- und Realschullehrern schon um eine Stunde abgesenkt habe. Zöllner betonte auch, dass er die Gymnasien weiterentwickeln wolle.Wenige Stunden zuvor hatte der Koalitionspartner, nämlich die Linke, mit einer eigenen Infotour begonnen. Eingeladen waren nur Vertreter der Gemeinschaftsschulen, an der Schüler in einer Pilotphase von der ersten bis mindestens zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. Diese eine Schule für alle spielt zwar bei Zöllners Schulreform derzeit nur eine Nebenrolle, doch für die Linke ist sie "Vorbild und Motor für die Entwicklung der Berliner Schule", wie Bildungspolitiker Steffen Zillich betonte. Nicht hinnehmbar sei, dass nach der Grundschule entschieden werde, welchen Berufsweg ein Kind nehme.Robert Giese, Leiter der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule, mahnte Veränderungen im neuen Schulgesetz an. "Auch künftige Gemeinschaftsschulen sollten rechtlich abgesichert sein", sagte Giese. Bisher ist nur den 16 Gemeinschaftsschulen, die bereits existieren, zugesichert, dass alle Schüler, die bis 2013/14 aufgenommen werden, auch an dieser Schule verbleiben dürfen. Generell forderte Giese, dass Gemeinschaftsschulen Regelschulen werden sollen. Bisher gilt dies nur für Gymnasium und Sekundarschulen. Die Gemeinschaftsschulen sollen bis 2014 begutachtet werden. Mathias Thimm, Leiter der Reformschule Charlottenburg, kritisierte "die klassische Grundschule als gymnasial ausgerichtete Schule". Kinder, die den Weg dorthin nicht schaffen, hätten ein Misserfolgserlebnis. Dort wie an der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Prenzlauer Berg ist der Anteil gymnasialempfohlener Kinder aus bildungsbürgerlichen Familien relativ hoch. "Dabei hieß es doch, dass diese Bevölkerungsgruppe Vorbehalte gegen die Gemeinschaftsschule hat", so Linke-Politiker Zillich. (mak.)

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