Cyberkriminalität

Größter Kryptodiebstahl der Geschichte: Wer steckt hinter dem Binance-Hack?

Ein gehackter Mitarbeiter-Laptop könnte den Angriff mit einer Milliardenbeute ermöglicht haben. Die Spur soll zu einer nordkoreanischen Hackergruppe führen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Bei dem Hackerangriff auf Binance wurden unter anderem Bitcoin und Ether im Milliardenwert gestohlen.

Bei dem Hackerangriff auf Binance wurden unter anderem Bitcoin und Ether im Milliardenwert gestohlen.

© Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Bei einem Hackerangriff auf die weltgrößte Kryptowährungsbörse Binance sind Kryptowährungen im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar gestohlen worden. Die US-Sicherheitsfirma TRM Labs verdächtigt die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor. Es handelt sich um den größten bekannten Diebstahl von Kryptowährungen.

Der Angriff begann am Donnerstagabend. Nach Analysen von TRM Labs wurden Kryptowährungen über zehn verschiedene Blockchain-Netzwerke abgezogen, der Großteil innerhalb von etwa 20 Minuten. Binance bestätigte den Sicherheitsvorfall und setzte Ein- und Auszahlungen vorübergehend aus.

Ein Laptop als Schwachstelle

Nach ersten Ermittlungen von Binance könnte ein gehackter Laptop eines für den technischen Betrieb zuständigen Mitarbeiters den Angreifern Zugang zu den Systemen verschafft haben. Auf diesem Weg sollen die Angreifer nicht genehmigte Auszahlungen veranlasst haben. Später teilte Binance mit, weitere Einbruchspunkte festgestellt zu haben. Hinweise auf den Diebstahl privater Zugangsschlüssel zu den digitalen Geldbörsen gebe es bislang nicht.

TRM Labs geht mit hoher Sicherheit davon aus, dass TraderTraitor hinter dem Angriff steckt. Die Sicherheitsfirma verweist auf technische Übereinstimmungen mit früheren Angriffen. Auch Chainalysis hält die nordkoreanische Gruppe für den wahrscheinlichen Täter. Binance selbst hat die Verantwortlichen bislang nicht benannt und arbeitet nach eigenen Angaben mit den Ermittlungsbehörden zusammen.

Nordkoreas Hacker im Dienst des Geheimdienstes

TraderTraitor wird dem staatlich gesteuerten nordkoreanischen Hackernetzwerk Lazarus zugerechnet. Dieses untersteht nach Angaben des US-Finanzministeriums dem nordkoreanischen Militärgeheimdienst RGB. Nach Erkenntnissen des FBI nutzen die Hacker unter anderem gefälschte Stellenangebote und manipulierte Bewerbungsaufgaben, um Schadsoftware in Unternehmen einzuschleusen.

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Die Erlöse aus solchen Cyberangriffen dienen laut US-Finanzministerium auch der Finanzierung des nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketenprogramms.

Drei Milliarden Dollar gesperrt – Rückholung ungewiss

Von den insgesamt rund 6,3 Milliarden Dollar an gestohlenen Kryptowährungen konnten nach Angaben von Binance rund drei Milliarden Dollar gesperrt werden. Die Sperrung bedeutet allerdings nicht, dass das Geld bereits zurückgeholt wurde. Ob und in welchem Umfang die gesperrten Vermögenswerte wieder an Binance gelangen, ist bislang unklar.

Über Bitcoin und Ether im Wert von etwa 2,4 Milliarden Dollar verfügten die Angreifer nach Erkenntnissen von TRM Labs weiterhin. Diese Kryptowährungen lassen sich nicht zentral sperren.

Anbieter sogenannter Stablecoins, deren Wert an herkömmliche Währungen gekoppelt ist, können dagegen verdächtige Guthaben technisch blockieren.

Laut TRM Labs hielten die Angreifer zuletzt mehr als 18.270 Bitcoin und 420.000 Ether. Eine Auswertung des Fachportals CoinDesk ergab, dass die gestohlenen Bitcoin auf 19 digitale Geldbörsen verteilt wurden.

Kryptowährungen als Spekulationsobjekt

Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether lassen sich ohne Zentralbank übertragen. Die Transaktionen werden meist in einer Blockchain dokumentiert, einem dezentral auf zahlreichen Computern gespeicherten Register. Nutzer können Kryptowährungen direkt untereinander übertragen oder über Handelsplattformen wie Binance kaufen und verkaufen.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank dienen Kryptowährungen vor allem als Spekulationsobjekte. Anleger rechnen mit steigenden Kursen, müssen aber auch starke Kursschwankungen einkalkulieren. Als Zahlungsmittel, etwa bei Einkäufen oder grenzüberschreitenden Überweisungen, werden sie bislang deutlich seltener eingesetzt.

Diebstahl übertrifft bisherigen Rekord um das Vierfache

Der Angriff übertrifft den bisherigen Rekorddiebstahl von rund 1,46 Milliarden Dollar bei der Kryptobörse Bybit im Februar 2025 um mehr als das Vierfache. Maßgeblich für diesen Vergleich ist der ursprünglich gestohlene Gesamtwert, nicht der nach den Sperrungen verbleibende Betrag. Nach Einschätzung des britischen Unternehmens Elliptic, das Transaktionen mit Kryptowährungen untersucht, könnte es sich sogar um den größten bekannten Diebstahl überhaupt handeln.

Binance kündigte an, sämtliche Verluste aus eigenen Mitteln und einem Sicherungsfonds auszugleichen.

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