Hackerangriff

Binance-Milliardenraub: Nordkorea weist FBI-Vorwürfe zurück

Kim Jong-uns Schwester wirft Washington eine politische Provokation vor und deutet Konsequenzen an. Die Kryptobörse Binance kämpft unterdessen mit Milliardenabflüssen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Kim Jong-un mit seiner Schwester Kim Yo-jong, die den US-Vorwurf eines milliardenschweren Kryptodiebstahls zurückgewiesen hat

Kim Jong-un mit seiner Schwester Kim Yo-jong, die den US-Vorwurf eines milliardenschweren Kryptodiebstahls zurückgewiesen hat

© Kyodo/dpa

Nordkorea hat den Vorwurf der US-Bundespolizei FBI zurückgewiesen, hinter einem milliardenschweren Diebstahl bei der Kryptobörse Binance zu stecken. Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un, bezeichnete die Anschuldigungen als politische Provokation. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA verbreitete die Erklärung am Dienstag.

Das FBI macht die Hackergruppe TraderTraitor für den Diebstahl von Kryptowährungen im Wert von rund 6,3 Milliarden US-Dollar verantwortlich. Der Angriff auf die weltweit größte Kryptobörse erfolgte Ende Oktober. Die Gruppe soll Verbindungen zum nordkoreanischen Geheimdienst haben.

Kim Yo-jong wirft USA feindselige Haltung vor

Kim Yo-jong, Abteilungsleiterin im Zentralkomitee der Arbeiterpartei, wies diese Darstellung zurück. Die Vorwürfe seien absurd und nicht neu, erklärte sie laut KCNA. Washington versuche, Nordkorea für Cyberverbrechen in aller Welt verantwortlich zu machen und damit dessen internationales Ansehen zu beschädigen.

Die Anschuldigungen zeigten erneut, wie feindselig die USA Nordkorea gegenüberstünden, erklärte Kim weiter. Nordkorea müsse angesichts dieser Haltung bestimmte Fragen neu prüfen. Welche Konsequenzen das haben könnte, ließ Kim offen.

Vorwürfe wegen Finanzierung von Waffenprogrammen

Nordkorea wird seit Jahren verdächtigt, mit Hackerangriffen auf Kryptowährungsbörsen Geld für seine Atom- und Raketenprogramme zu beschaffen. Nach Schätzungen der Analysefirma Elliptic wurden dem Land allein in diesem Jahr Kryptowährungsdiebstähle im Wert von 7,6 Milliarden Dollar zugerechnet.

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Der südkoreanische Wissenschaftler Lim Eul-chul von der Kyungnam-Universität führt die ungewöhnlich schnelle Zurückweisung der FBI-Vorwürfe auf die Bedeutung dieser Einnahmen für Nordkorea zurück. Weitere US-Maßnahmen gegen digitale Geldbörsen, Geldwäschenetzwerke und Kryptobörsen könnten es Nordkorea erschweren, an diese Einnahmen zu gelangen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP wird TraderTraitor auch für den Diebstahl von rund 1,5 Milliarden Dollar bei der Kryptobörse Bybit im Februar 2025 verantwortlich gemacht. Nordkorea bestreitet seit Langem eine Beteiligung an solchen Cyberangriffen.

Milliardenabflüsse bei Binance

Nach Angaben von Binance überwogen die Abhebungen der Kunden bis Montag die Einzahlungen um 4,72 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hatte Auszahlungen nach dem Angriff mehr als zwei Tage lang ausgesetzt und am Sonntag schrittweise wieder zugelassen. Am Dienstag ließ Binance Auszahlungen weiterer Kryptowährungen wieder zu.

Binance bietet zudem bis zum 21. November Gebührenerstattungen und weitere Vergünstigungen an, um bestehende Kunden zu halten und neue zu gewinnen.

Trumps Gesprächsangebot bleibt unbeantwortet

Nordkorea hat bislang nicht öffentlich auf Angebote von US-Präsident Donald Trump reagiert, erneut Gipfeltreffen mit Kim Jong-un abzuhalten.

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