Südkorea will bis Mitte der 2030er Jahre sein erstes im Inland gebautes, nuklear angetriebenes U-Boot zu Wasser lassen. Das kündigte Verteidigungsminister Ahn Gyu-back am Dienstag bei einer Sitzung zur Verteidigungsstrategie an, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet.
Das Vorhaben mit dem Projektnamen Jangbogo-N sieht demnach vor, die U-Boote in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre in den Dienst zu stellen. Als Brennstoff soll niedrig angereichertes Uran mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 20 Prozent verwendet werden, sagte Ahn dem Bericht zufolge.
Die nuklear angetriebenen Boote könnten länger getaucht bleiben und seien deutlich schneller als die bisherigen dieselbetriebenen U-Boote der südkoreanischen Marine, so Ahn. Sie sollen demnach eine zentrale Rolle bei der Abwehr nordkoreanischer Atom- und Raketenbedrohungen spielen.
Grünes Licht aus Washington
Die USA hatten Südkorea bei einem Gipfeltreffen im Oktober den Bau konventionell bewaffneter, atomgetriebener Angriffs-U-Boote zugestanden. Die Zusage wurde in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten, wie Yonhap berichtete. Washington sagte darin zu, mit Seoul auch über Wege zur Beschaffung des Brennstoffs zu beraten.
US-Präsident Donald Trump hatte dem Bericht zufolge nach dem Gipfel erklärt, die U-Boote würden auf einer Werft in Philadelphia gebaut, die vom südkoreanischen Konzern Hanwha Ocean betrieben wird. Ahn stellte nun jedoch klar, dass der Bau in Südkorea erfolgen solle. Wo die Boote letztlich gefertigt werden, dürfte laut Yonhap Gegenstand weiterer Verhandlungen mit Washington sein.
Verpflichtung zur Nichtverbreitung von Atomwaffen
Ahn betonte, Südkorea halte sich an seine internationalen Verpflichtungen zur Nichtverbreitung von Kernwaffen. Bei der Beschaffung und Verwaltung des niedrig angereicherten Urans werde man eng mit den USA und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zusammenarbeiten. Südkorea darf laut Yonhap nach einem bilateralen Atomabkommen mit den USA sowie nach dem Atomwaffensperrvertrag kein Nuklearmaterial für militärische Zwecke einsetzen.
Wie Bloomberg berichtete, sprach Lee bei dem Treffen auch über die geplante frühere Übernahme der operativen Befehlsgewalt im Kriegsfall von den US-Streitkräften sowie über einen Umbau der südkoreanischen Armee hin zu einer stärker auf künstliche Intelligenz, Drohnen und moderne Aufklärungssysteme ausgerichteten Struktur. Im Falle eines Krieges mit Nordkorea liegt die operative Führung über die gemeinsamen südkoreanischen und US-amerikanischen Streitkräfte bislang bei einem von den USA geführten gemeinsamen Kommando unter Leitung eines US-Generals. Seoul drängt seit Jahren darauf, diese Kontrolle künftig selbst zu übernehmen.
Bisher besitzen laut Reuters nur die USA, Russland, China, Frankreich, Indien und Großbritannien atomgetriebene U-Boote. Auch Australien plant, mit Unterstützung der USA und Großbritanniens eine Flotte aufzubauen.
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