Ihre neuen Kollegen riechen nach Fisch, watscheln und haben kein Interesse an Ihrer Arbeit. Trotzdem werden Sie sie jeden Tag zählen.
Auf einer winzigen Insel in der Antarktis sucht eine britische Stiftung jedes Jahr Personal für einen der seltsamsten Jobs der Welt. Bezahlt werden bis zu rund 2400 Euro im Monat. Leser in Deutschland haben allerdings ein Problem, das mit Kälte nichts zu tun hat.
Pinguine zählen in der Antarktis: So läuft der Job
Der Arbeitsplatz heißt Port Lockroy, im Englischen auch „Penguin Post Office“. Die Holzhütten auf Goudier Island vor der Antarktischen Halbinsel entstanden 1944 bei der geheimen britischen Weltkriegsmission Operation Tabarin.
Heute betreibt der UK Antarctic Heritage Trust (UKAHT) die Station. Die Insel ist laut der Stiftung so groß wie ein Fußballfeld. Rund 1000 Eselspinguine brüten dort.
Das Team notiert Nester und Eier, später die Küken. Am Saisonende wird so oft nachgezählt, bis zwei Durchgänge um weniger als zehn Prozent auseinanderliegen. Das berichtet die spanische Ausgabe von Forbes. Die Daten sollen klären, ob der Tourismus der Kolonie schadet.
Das südlichste Postamt der Welt: Bransfield House in Port Lockroy auf Goudier Island, Antarktis. Hier arbeitet das Team, das jede Saison die Pinguine zählt.
© Imago
Südlichstes Postamt der Welt: Hunderte Touristen am Tag
Wer Einsamkeit sucht, ist hier falsch. Laut Stellenausschreibung kommen fast jeden Tag der Saison Hunderte Besucher von Kreuzfahrtschiffen an Land, insgesamt bis zu 18.000.
Sie wollen ins Museum, in den Souvenirladen und vor allem an den Briefkasten. Das Team stempelt Zehntausende Postkarten von Hand. Bis eine davon in Berlin ankommt, vergehen oft Wochen.
Gehalt für Pinguinzähler: Bis zu 2400 Euro, Kost und Logis inklusive
Je nach Position zahlt die Stiftung 1449 bis 2096 Pfund im Monat, umgerechnet etwa 1650 bis 2400 Euro. Das schreibt die spanische Zeitung El Correo. Gesucht werden jährlich vier bis fünf Leute, darunter eine Stationsleitung.
Unterkunft, Essen und Polarkleidung übernimmt die Stiftung. Ein Schnäppchen ist der Lohn trotzdem nicht: Laut dem Magazin arbeiten die Teams als Selbstständige und zahlen ihre Steuern selbst.
Ohne Spülklo und ohne Arzt: Die Schattenseiten
Fließendes Wasser gibt es nicht, es kommt in Kanistern per Schiff. Geduscht wird in der Regel einmal pro Woche. Die Campingtoilette leert das Team laut der Zeitung täglich selbst.
Geschlafen wird im Stockbett, sechs Leute teilen sich einen Raum. Auf den Tisch kommt nur Vegetarisches, gekocht wird reihum. Handyempfang fehlt, ein Starlink-Anschluss liefert begrenzt Internet.
Ernst wird es bei Verletzungen. Einen Arzt gibt es auf der Insel nicht, das nächste Krankenhaus liegt im argentinischen Ushuaia. Bei schlechtem Wetter kann eine Evakuierung Tage dauern.
Warum Deutsche bei diesem Antarktis-Job kaum eine Chance haben
Jetzt zum eigentlichen Haken. Bewerber brauchen eine Arbeitserlaubnis für Großbritannien und müssen dort spätestens zur Teamauswahl wohnen. Reisekosten für Menschen außerhalb des Königreichs erstattet die Stiftung ausdrücklich nicht, wie sie auf ihrer Jobseite schreibt.
Seit dem Brexit ist der Traumjob für die meisten Deutschen damit außer Reichweite. Chancen hat nur, wer ohnehin in Großbritannien lebt und arbeiten darf.
Bewerbung für Port Lockroy: Wann die nächste Runde startet
Für diese Saison ist es zu spät. Die Frist endete am 15. März 2026. Das ausgewählte Team ist gerade auf dem Weg in den Süden und bleibt bis Ende März 2027.
Die nächste Ausschreibung kündigt der UKAHT für das Frühjahr 2027 an. Wer nicht umziehen will, kann per Patenschaft einen Eselspinguin unterstützen. Zum Dank kommt eine Postkarte aus der Antarktis, abgestempelt im südlichsten Postamt der Welt.
Pierogi und Pelmeni sind keine Kunst: Die Küche Osteuropas kann so gut wie nichts
Personalausweis läuft ab: Diese Rentner müssen künftig keinen neuen mehr beantragen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]