Den Kotbeutel hat jeder Hundehalter längst in der Jackentasche. In Wien soll jetzt eine Wasserflasche dazukommen. Sie ist für das gedacht, was der Hund am Baum hinterlässt.
Der Bezirk Neubau verteilt seit dem 12. Oktober kostenlos ein „Flascherl zum Sackerl“. Hundehalter sollen damit den Urin ihres Tieres direkt nach dem Beinheben verdünnen, teilt die Stadt Wien mit.
In Wien ist das noch eine freundliche Bitte. Im italienischen Livorno kostet dieselbe Nachlässigkeit bis zu 500 Euro.
Gratis-Flasche in Wien: So funktioniert „Schönes Gassi“
Abholen können Hundebesitzer die Flasche in der Bezirksvorstehung in der Hermanngasse 24–26. Sie fasst 270 Milliliter und reicht laut Wiener Bezirksblatt für mehrere Einsätze. Ausgegeben wird, solange der Vorrat reicht.
Hinter der Aktion steckt das Projekt „Schönes Gassi“. Anwohner haben es mit dem Grätzllabor Neubau und dem Bezirk entwickelt. Strafen gibt es in Wien keine.
Im dicht bebauten 7. Bezirk leben rund 600 Hunde. Ihnen stehen junge Straßenbäume gegenüber, die der Bezirk mühsam gepflanzt hat: rund 250 in den vergangenen zehn Jahren.
Warum Hundeurin Stadtbäumen schadet
Laut Bezirk verätzt der Urin die Rinde und schwächt deren Schutzschicht. Pilze und Krankheitserreger dringen so leichter in den Stamm ein. Im schlimmsten Fall fault der Baum und verliert an Standfestigkeit.
Das Wasser senkt die Konzentration von Ammoniak und anderen Stoffen deutlich. Frischer Urin löst sich gut, ein kräftiger Schwall genügt. Nebenbei riecht die Gasse weniger nach Hundeklo.
Einen Freibrief stellt die Flasche ausdrücklich nicht aus. Baumscheiben und Grünflächen sollen weiter geschont werden. Laut Ö3 betonen die Initiatoren, dass Hunde durchaus lernen können, wo sie sich erleichtern dürfen.
Chiasso: Erst Verwarnung, dann 100 Franken
Im Schweizer Grenzort Chiasso gilt seit Mitte August eine echte Pflicht. Wer den Urin nicht wegspült, wird zunächst verwarnt. Beim zweiten Mal sind 100 Franken fällig, berichtet SRF.
Auslöser waren Beschwerden über Gestank in der Innenstadt, den Hitze und Trockenheit noch verstärkten. Auf rund 7500 Einwohner kommen dort mindestens 500 Hunde.
Livorno: Auch Autoreifen müssen gespült werden
Am strengsten ist Livorno. Seit dem 20. Mai müssen Hundehalter dort eine Flasche oder einen Sprüher mit klarem Wasser mitführen. Wer es nicht tut, zahlt laut Il Post zwischen 25 und 500 Euro.
Gespült werden muss nicht nur an Hauswänden und Gehwegen. Die Verordnung nennt ausdrücklich auch die Reifen geparkter Autos und Roller. Vor Hauseingängen und Schaufenstern ist das Beinheben ganz verboten.
Die Regel gilt allerdings nur bis zum 31. Oktober. Im Winter riecht es offenbar auch in der Toskana weniger.
In Bologna appelliert Bürgermeister Matteo Lepore bislang nur an den Bürgersinn. Die Stadt zählt rund 80.000 registrierte Hunde, die Plattform Greenme liest den Appell bereits als Vorboten einer Pflicht.
Barcelona: Bis zu 300 Euro für Hundepipi
Barcelona hat das Nachspülen im Februar mit seiner neuen Benimmverordnung zur Pflicht gemacht. Wer darauf verzichtet, begeht laut der Zeitung Ara einen schweren Verstoß. Das kann bis zu 300 Euro kosten.
Gilt die Pipi-Pflicht für Hunde auch in Berlin?
In Berlin müssen Hundehalter den Kot ihres Tieres beseitigen. Eine Pflicht zum Wegspülen von Urin gibt es nicht.
Bedarf hätte die Hauptstadt reichlich. Mehr als 130.000 Hunde sind in Berlin steuerlich gemeldet. Ihnen stehen rund 430.000 Straßenbäume gegenüber, gut drei Bäume pro Hund.
Der Senat kennt das Problem. Auf seiner Seite zur Baumbewässerung nennt er die ätzende Wirkung von Hundeurin ausdrücklich als zusätzliche Belastung für Straßenbäume. In einer Senatsantwort taucht Hundeurin sogar als Fällgrund auf, wenn auch nur in Einzelfällen.
So spülen Hundehalter richtig
Wer es freiwillig ausprobieren will, braucht nur Leitungswasser. Spülmittel oder Reiniger gehören nicht in die Flasche, sie schaden dem Boden und reizen Hundepfoten. Livorno schreibt deshalb ausdrücklich Wasser ohne Zusätze vor.
Am besten gießt man direkt nach dem Beinheben großzügig nach. Noch besser ist es, den Hund gar nicht erst an die Baumscheibe zu lassen.
Die Linde vor der eigenen Haustür wird es danken. Und der Nachbar, der im Sommer das Fenster offen hat, wahrscheinlich auch.
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