Führende deutsche Industrieunternehmen bereiten einen gemeinsamen Aufruf zur Rohstoffsicherung vor. Nach Informationen der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung und der Berliner Zeitung soll er Ende November beim ersten Resilienzkongress des BDI im Berliner Café Moskau vorgestellt werden.
Die Initiative soll „Zukunftsmodell Rohstoffe“ (ZMR) heißen. Der Autobauer BMW spielt nach Angaben aus beteiligten Kreisen eine führende Rolle und hat intern einen Beauftragten für Rohstofffragen ernannt. Erstmals seit der gescheiterten Rohstoffallianz von 2012 will die Industrie damit wieder branchenübergreifend eigene Strukturen zur Rohstoffsicherung aufbauen.
Warum die Industrie Berlin nicht mehr vertraut
Aus beteiligten Kreisen ist von tiefem Misstrauen gegenüber der Bundesregierung und dem Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche die Rede. Die Sorge: Der Staat könnte die Versorgung mit kritischen Rohstoffen nicht rechtzeitig sichern.
Als Risiken gelten Chinas Exportkontrollen, die Abkopplung von Russland und die Folgen des seit Februar 2026 laufenden Iran-Kriegs. Kritisiert wird auch der politische Umgang damit: Der Rohstofffonds kam erst nach langem Streit in der Ampelregierung zustande. Der Regierung Merz werfen die Kreise vor, bislang keine überzeugende Antwort auf die Folgen des Iran-Kriegs für Energie- und Rohstoffmärkte gefunden zu haben.
Dokumente und Zahlen zeigen den Druck
Die Kritik findet sich auch in Stellungnahmen der Verbände und Unternehmen. BMW sprach im Oktober 2025 von einer „mangelnden Handlungsfähigkeit Deutschlands im globalen Rohstoffwettbewerb“. Der VDA erklärte dem Ministerium im Februar 2026, die bestehenden Instrumente reichten langfristig nicht aus. BDI-Präsident Peter Leibinger sagte, entscheidend sei, was für Unternehmen spürbar werde – nicht, was die Regierung ankündige.
Hinzu kommt wirtschaftlicher Druck: Von Februar 2022 bis März 2026 sank die deutsche Industrieproduktion um 9,5 Prozent, in energieintensiven Branchen um 15,2 Prozent. China hält bei der Weiterverarbeitung Seltener Erden einen Marktanteil von 93 Prozent. Mehr als 40 Prozent der von der Deutschen Rohstoffagentur untersuchten Rohstoffprodukte gelten als hochriskant. Seit der Sperrung der Straße von Hormus belasten höhere Öl- und Gaspreise die Betriebe zusätzlich.
Kommt es Ende November zum Showdown?
Das Bundeswirtschaftsministerium hat Gegenmaßnahmen eingeleitet: einen Roundtable zu Seltenen Erden im Dezember 2025, die Ankündigung einer Bergrechtsreform im Juli 2026 und eine Rohstoffpartnerschaft mit Japan vom 28. Oktober. Die von der Industrie geforderte Agentur und ein Handelshaus gehören bislang nicht dazu.
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Beim BDI-Kongress am 25. November 2026 werden Wirtschaftsministerin Reiche, EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer und Takako Onitsuka von der japanischen Rohstoffbehörde JOGMEC erwartet. Dabei wird deutlich werden, in welchem Maße die deutsche Industrie mit ihren eigenen Plänen gehen will und sich von der Bundesregierung abkoppelt.
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