Die EU-Kommission geht wegen gefälschter Hotelanzeigen und möglicher Phishing-Risiken gegen die Buchungsplattform Booking.com vor. Die Brüsseler Behörde will in den kommenden Monaten untersuchen, ob das Unternehmen ausreichend gegen betrügerische Angebote vorgeht und persönliche Daten seiner Kunden schützt. Das teilte die Kommission am Mittwoch mit. Sollten sich Verstöße gegen europäische Digitalgesetze bestätigen, drohen dem Reiseportal hohe Geldstrafen.
Nach Angaben einer EU-Beamtin sind Tausende gefälschte Unterkunftsangebote in der Europäischen Union im Umlauf. Booking.com selbst habe einen rasanten Anstieg solcher Anzeigen festgestellt. Vorläufige Prüfungen deuteten darauf hin, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen des Unternehmens nicht ausreichten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.
„Europäerinnen und Europäer sollten ihren Urlaub buchen können, ohne Angst vor Betrügern haben zu müssen“, erklärte EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen.
Booking.com-Betrug: Wie Kriminelle mit echten Buchungsdaten Urlauber abzocken
EU prüft Tausende gefälschte Hotelangebote auf Booking.com
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Hotels und Ferienwohnungen, die auf Booking.com angeboten werden, obwohl sie entweder gar nicht existieren oder nicht dem vermeintlichen Vermieter gehören. Kriminelle können auf diese Weise Zahlungen für Unterkünfte erschleichen, die Reisenden tatsächlich nicht zur Verfügung stehen.
Das europäische Gesetz über digitale Dienste, der Digital Services Act (DSA), verpflichtet große Onlineplattformen zu Maßnahmen gegen illegale Angebote. Die Kommission will deshalb herausfinden, ob Booking.com betrügerische Anzeigen zuverlässig erkennt und nach entsprechenden Hinweisen entfernt.
Bereits im September 2025 hatte die EU-Kommission von Booking.com Auskünfte über gefälschte Unterkünfte und Maßnahmen gegen Finanzbetrug verlangt. Damals ging es auch darum, wie das Unternehmen die Identität gewerblicher Anbieter überprüft.
Phishing: Betrüger nutzen echte Buchungsdaten
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung ist der Umgang mit persönlichen Kundendaten. Die EU-Kommission prüft, welche Informationen Booking.com an Hotelbetreiber weitergibt und ob diese ausreichend gegen Missbrauch geschützt sind.
Geraten Buchungsdaten in die Hände von Kriminellen, können diese Reisende gezielt mit gefälschten Nachrichten kontaktieren. Häufig geben sich die Täter als Mitarbeiter der gebuchten Unterkunft aus und fordern eine erneute Bestätigung der Kreditkartendaten oder eine zusätzliche Zahlung.
Dass solche Betrugsversuche erhebliche finanzielle Folgen haben können, zeigen Berichte deutscher Verbraucherzentralen. Die Verbraucherzentrale Hamburg dokumentiert den Fall eines Reisenden, der nach einer Hotelbuchung eine täuschend echte WhatsApp-Nachricht erhielt. Darin standen sein Name, die korrekte Buchungsnummer und weitere Reservierungsdetails. Nachdem er einem Link gefolgt war, verlor er rund 500 Euro.
Im April 2026 hatte Booking.com nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen selbst Kunden über verdächtige Aktivitäten und den möglichen Abfluss personenbezogener Buchungsdaten informiert. Passwörter und Zahlungsinformationen seien nach Darstellung des Unternehmens nicht betroffen gewesen.
Familie landet in Rom vor einem gefälschten Hotel
Wie solche Betrugsfälle ablaufen, zeigte auch eine Recherche des MDR. Eine deutsche Familie hatte über Booking.com ein Hotel in Rom gebucht. Als sie dort ankam, existierte die angebotene Unterkunft unter der angegebenen Adresse nicht.
Kriminelle hatten nach den Recherchen des Senders zuvor Zugriff auf ein Hotelkonto erlangt und dessen Inserat manipuliert. Das Angebot wirkte für die Reisenden zunächst seriös, auch weil die Bewertungen unauffällig waren. Die Familie musste sich vor Ort eine neue Unterkunft suchen.
Der Fall veranschaulicht eines der Risiken, die die EU-Kommission nun genauer untersuchen will: Selbst vermeintlich vertrauenswürdige Angebote können von Betrügern manipuliert werden.
EU untersucht auch bezahlte Platzierungen bei Booking.com
Neben gefälschten Unterkünften und dem Schutz persönlicher Daten nimmt die Kommission die Darstellung bezahlter Anzeigen unter die Lupe.
Unterkunftsanbieter können auf Booking.com gegen zusätzliche Zahlungen bessere Platzierungen in den Suchergebnissen erhalten. Nach Auffassung der EU-Kommission müssen Nutzer klar erkennen können, wenn ihnen solche Einträge als Werbung angezeigt werden. Brüssel prüft, ob das Unternehmen diese Transparenzanforderungen ausreichend erfüllt.
Booking.com erklärte gegenüber AFP, man werde „konstruktiv“ mit der EU-Kommission zusammenarbeiten. Das Unternehmen mit Sitz in Amsterdam könnte im Verlauf der Untersuchung zusätzliche Schutzmaßnahmen zusagen. EU-Beamte nannten als mögliche Maßnahme häufigere Kontrollen der Berechtigungen und Identität von Unterkunftsanbietern.
Sollte die Kommission Verstöße gegen den Digital Services Act feststellen, könnte sie ein Bußgeld von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Die Höhe einer möglichen Strafe hängt unter anderem von der Schwere und Dauer der festgestellten Verstöße ab.
Eine Entscheidung über einen Rechtsverstoß ist mit der angekündigten Untersuchung noch nicht verbunden.
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