Brexit

Boris Johnsons Vater will französischer Staatsbürger werden

Großbritannien tritt aus dem EU-Binnenmarkt aus, aber Stanley Johnson möchte unbedingt Europäer bleiben.

Christian Schlüter
Christian Schlüter
2 Min
Stanley Johnsons späte Einsicht: „Ich werde immer Europäer sein.“

Stanley Johnsons späte Einsicht: „Ich werde immer Europäer sein.“

© AP/Alastair Grant

Zur näheren Begründung kann er eine Reihe von Punkten geltend machen. Sie haben auch mit der Familiengeschichte zu tun. „Es geht nicht darum, dass ich Franzose werde. Wenn ich es richtig verstehe, bin ich Franzose“, erläuterte der 80-Jährige in dem Radiointerview, das er wie zum Zeichen seiner europäischen Gesinnung auf Französisch führte. „Meine Mutter wurde in Frankreich geboren, ihre Mutter wiederum war völlig französisch und ihr Großvater auch.“ Zudem kennt Stanley den Brüsseler Politikbetrieb, er arbeitete dort als einer der ersten britischen Beamten und war Mitglied des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission.

Im Jahre 2016 gehörte Stanley Johnson noch zu den Remainern – den Brexit-Gegnern.

Im Jahre 2016 gehörte Stanley Johnson noch zu den Remainern – den Brexit-Gegnern.

© imago images /Mark Thomas

Allerdings neigt Stanley Johnson auch zu einer gewissen Unstetheit, ein Talent, das Boris Johnson gewiss von ihm geerbt hat. So war der Vater bis 2016 ein strikter Brexit-Gegner, schwenkte dann aber um und schloss sich dem Sohn an, trat für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ein und erklärte, dass „die Zeit gekommen ist, sich zu retten“. Offenbar eine bewegte Lebensphase, etwas später tauchte Stanley in der britischen Variante des Dschungelcamps auf und ließ sich auch sonst gern im Fernsehen blicken. Und noch bei den Britischen Unterhauswahlen 2019 unterstützte er tatkräftig seinen Sohn Boris.

Und jetzt die Kehrwende: „Man kann den Briten doch nicht sagen: Sie sind keine Europäer.“ Die Einsicht kommt zu spät, der Brexit ist beschlossene Sache: Mit dem Beginn des neuen Jahres, Punkt Mitternacht, endet die für 500 Millionen Menschen geltende Freizügigkeit zwischen Großbritannien und den übrigen 27 EU-Staaten. „Wir halten unsere Freiheit in unseren Händen und es liegt an uns“, triumphierte Premier Boris Johnson in seiner Neujahrsansprache. Der Grenzverkehr zwischen Großbritannien und der EU verlief am Neujahrstag immerhin problemlos – rund 200 Lastwagen durchquerten den Tunnel unter dem Ärmelkanal.

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