Gewaltkriminalität

Brandenburgs Innenminister: Berliner Banden verlagern kriminelle Aktivitäten ins Umland

Berliner Kriminelle sind häufiger in Brandenburg aktiv. Drogenlabore und Schutzgelderpressung nehmen zu. Zuletzt gab es Schüsse auf zwei Spätis in Potsdam.

3 Min
Die organisierte Kriminalität aus Berlin nutzt Brandenburg wohl verstärkt als Ausweichzone.

Die organisierte Kriminalität aus Berlin nutzt Brandenburg wohl verstärkt als Ausweichzone.

© Manuel Genolet/dpa

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sieht das Land zunehmend als Ausweichgebiet für organisierte Kriminalität aus Berlin. „Kriminelle Banden betrachten das Land zum Teil als Rückzugsraum“, sagte Redmann der Deutschen Presse-Agentur. Als Reaktion setzt der Minister auf eine engere Kooperation mit der Berliner Polizei.

Ein zentraler Grund für die Verlagerung sei die Struktur des Flächenlandes. „Große Drogenlabore lassen sich in einer dicht besiedelten Stadt möglicherweise schwerer verstecken“, so Redmann. Gewerbegebiete mit mehreren Betrieben, die ohnehin mit Chemikalien arbeiten, böten eine bessere Tarnung.

Belegt wird diese Einschätzung durch mehrere aktuelle Fälle: Im Juli hoben Polizei und Zollfahnder in einer Halle im Gewerbegebiet von Ludwigsfelde ein großes illegales Drogenlabor aus, in dem vor allem Crystal Meth produziert wurde. Bereits Ende Oktober 2025 war in Nauen im Havelland nordwestlich von Berlin eine noch größere Produktionsstätte für synthetische Drogen entdeckt worden.

Schüsse auf Spätis als neues Phänomen in Potsdam

Zusätzlich ermitteln die Behörden im Bereich der organisierten Kriminalität nach Schüssen auf zwei Spätkaufläden in Potsdam. In dieser Form handele es sich um ein neues Phänomen in der Landeshauptstadt, bei dem vermutlich Schutzgeld erpresst werden soll. Als Verdächtiger wurde ein 24-Jähriger in Berlin gefasst; die Ermittlungen zu den Hintermännern dauern an.

Auch die Berliner Polizei beschäftigt seit Längerem die Gewaltkriminalität mit Schusswaffen. Das Landeskriminalamt hatte im November 2025 die Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für "Eisen") gegründet.

Für Redmann haben diese Berliner Entwicklungen direkte Auswirkungen auf sein Bundesland. „Natürlich ist das, was wir hier in Brandenburg erleben, sehr oft auch ein Echo aus dem, was in Berlin stattfindet“, sagte er. „Die Landesgrenzen gibt es für die organisierte Kriminalität nicht.“ Die Landeskriminalämter beider Länder hätten sich daher vernetzt, um Geldströme nachzuverfolgen. „Gerade bei der organisierten Kriminalität lohnt sich immer der Grundsatz: Follow the money. Dort, wo die Geldströme entlanggehen, sind die Strukturen am ehesten erkennbar“, so der Minister.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Neues Polizeigesetz soll Zugriff auf digitale Daten erweitern

Um die Ermittlungsarbeit zu stärken, plant Redmann ein neues Polizeigesetz, das den Ermittlern einen erweiterten Zugriff auf digitale Daten ermöglichen soll. „Es ist uns wichtig, dass die Polizei die Befugnisse bekommt, auch Kommunikationswege aufzuklären, um dann auch die Hintermänner ermitteln zu können“, sagte er.

Konkret geht es nach Angaben des Ministers darum, verschlüsselte Kommunikation über Messenger-Dienste auswerten zu können. „Es geht darum, dann auch zugreifen zu können auf digitalisierte Daten, um die Nachrichtenwege nachvollziehen zu können.“ Diese Möglichkeit sei der Brandenburger Polizei nach den gegenwärtigen rechtlichen Voraussetzungen zu oft nicht erlaubt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner