Morgens in der Küche: Der Wasserkocher rauscht, gleichzeitig heizt der Kaffeevollautomat auf. Beide hängen an derselben Steckdosenleiste hinter dem Brotkasten.
Genau diese Kombination bringt viele Mehrfachsteckdosen über ihre Belastungsgrenze. Zusammen ziehen die beiden Geräte rund 3.650 Watt – mehr, als die meisten Leisten aushalten.
Mit der Heizsaison kommt in vielen Wohnungen noch ein Heizlüfter dazu. Dann wird aus einer praktischen Leiste schnell ein Brandrisiko.
Wie viel Watt verträgt eine Steckdosenleiste?
Die meisten Mehrfachsteckdosen sind für 3.000 bis 3.500 Watt ausgelegt. Diese Spanne nennt das Innenministerium Baden-Württemberg in seinen Brandschutztipps.
Bessere Modelle schaffen 3.680 Watt. Mehr hält auch die Wandsteckdose nicht aus, denn sie ist mit 16 Ampere bei 230 Volt abgesichert.
Der genaue Wert steht auf der Leiste selbst, meist auf der Rückseite. Wer dort keine Angabe findet, sollte sie aussortieren.
Wasserkocher und Kaffeevollautomat: 3.650 Watt an einer Leiste
Ein Wasserkocher zieht je nach Modell 2.000 bis 2.400 Watt. Er läuft zwar nur wenige Minuten, aber eben genau dann, wenn morgens auch die Kaffeemaschine arbeitet.
Für einen Kaffeevollautomaten nennt der Elektrotechnikverband VDE etwa 1.450 Watt, wie das Portal home&smart vorrechnet. Mit einem 2.200-Watt-Wasserkocher ergibt das 3.650 Watt.
Toaster und Heißluftfritteuse sind kaum genügsamer. Ein Toaster braucht rund 1.500 Watt, eine Heißluftfritteuse je nach Größe bis zu 2.100 Watt.
Heizlüfter an der Steckdosenleiste: Ein Gerät reicht fast
Der größte Stromfresser im Herbst ist der Heizlüfter. Das Ministerium in Stuttgart beziffert ihn auf 1.500 bis 2.000 Watt, leistungsstarke Modelle kommen auf bis zu 3.000 Watt.
Ein einziges Gerät lastet eine Leiste damit fast vollständig aus. Kocht daneben noch Wasser, ist die Grenze überschritten.
Warum die Sicherung bei Überlastung nicht auslöst
Viele verlassen sich darauf, dass im Ernstfall die Sicherung rausfliegt. Darauf ist kein Verlass.
„Eine Überlastung führt schnell zu einer Überhitzung“, sagte Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, der Nachrichtenagentur dpa, wie das Wochenblatt berichtet. Die Sicherungen im Haus lösen dabei nicht zwingend aus.
Der Grund: Der Sicherungsautomat schützt die Leitung in der Wand, nicht die Leiste auf dem Boden. Ein dünnes Kabel oder ausgeleierte Kontakte werden schon vorher heiß. Im Gehäuse kann dann unbemerkt ein Schwelbrand entstehen.
So rechnen Sie selbst nach
Die Leistung jedes Geräts steht auf dem Typenschild, meist an der Unter- oder Rückseite. Wer die Werte aller Geräte addiert, die gleichzeitig laufen, sieht sofort, ob die Leiste reicht.
Genauer geht es mit einem Strommessgerät, das man zwischen Steckdose und Leiste steckt. Es zeigt an, wie viel Watt tatsächlich fließen.
Waschmaschine und Trockner gehören an die Wandsteckdose
Großgeräte haben an der Mehrfachsteckdose nichts verloren. Das Innenministerium nennt neben Heizlüftern ausdrücklich Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler und Haushaltsgrills.
Beim Aufheizen ziehen sie mehrere Tausend Watt. Die Aktion „Das sichere Haus“ warnte im September vor Schmorstellen und Wohnungsbränden, wenn Waschmaschine und Trockner an derselben Leiste hängen, wie die Volksstimme berichtete.
Auch der Kühlschrank braucht laut VDE eine eigene Wandsteckdose. Er zieht wenig Strom, läuft dafür aber Tag und Nacht.
Steckdosenleisten hintereinanderstecken ist tabu
Reicht eine Leiste nicht, stecken viele einfach eine zweite hinein. Das bringt mehr Steckplätze, aber kein einziges Watt mehr.
Die gesamte Last trägt weiterhin die erste Leiste. Nach der Norm VDE 0620 muss deshalb jede bewegliche Steckdosenleiste den Hinweis tragen, sie nicht hintereinanderzustecken und nicht abzudecken, erklärt Techbook.
Mehrfachsteckdosen im Bad und an der Spüle vermeiden
Feuchtigkeit macht jede Leiste gefährlich. Der Feuerwehrverband rät auch davon ab, Steckdosenleisten unter Blumentöpfen oder über dem Aquarium zu betreiben.
Hinter Möbel oder Vorhänge gehören sie ebenfalls nicht. Die entstehende Wärme muss entweichen können.
Warnzeichen: Wann die Leiste sofort raus muss
Wird der Stecker warm oder riecht es verschmort, gehört die Leiste sofort aus der Wand. Auch verfärbtes Plastik und wackelige Steckplätze sind ein Grund für den Austausch.
Beim Neukauf helfen das GS- und das VDE-Zeichen. Das CE-Zeichen ist lediglich eine Erklärung des Herstellers.
Weil auch Prüfzeichen gefälscht werden, lohnt bei Billigware aus dem Netz ein zweiter Blick. Das VDE-Zeichen lässt sich in einer Datenbank des Prüfinstituts nachprüfen, wie Utopia erklärt.
Faustregel: Was heizt, gehört an die Wand
Wer sich nur eine Regel merken will: Alles, was heizt, kommt direkt in die Wandsteckdose. Das betrifft den Toaster genauso wie den Heizlüfter.
Fernseher und Ladegeräte dürfen an die Leiste, solange die Summe unter der aufgedruckten Höchstleistung bleibt.
Sauerkraut für 76 Cent schlägt den Markenklassiker: Diese Produkte holen bei Öko-Test die Bestnote
20 Zentimeter Neuschnee und 80 km/h: Heute Nacht kommt der Winter in die Alpen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]