Brandt-Witwe muß heute vor Gericht ihren KGB-Vorwurf gegen den SPD-Politiker rechtfertigen

Wienand-Anklage läßt auf sich warten

Andreas Förster
2 Min

Im Saal 129 des Bonner Landgerichts stehen sich heute der frühere SPDPolitiker Karl Wienand und Brigitte Seebacher-Brandt gegenüber. Die Brandt-Witwe. die der Verleumdung beschuldigt wird, hatte behauptet. der enge Vertraute von Herbert Wehner und Helmut Schmidt sei ein KGB-Agent gewesen.In der "Bild"-Zeitung berichtete die Brandt-Witwe von einem Treffen des ehemaligen sowjetischen Botschafters in Bonn, Valentin Falin, mit Willy Brandt im März ,92. Falin soll dabei Brandt mitgeteilt haben, daß Wienand jahrelang für den KGB gearbeitet hat. Unmittelbar nach diesem Zeitungsbericht dementierte Falin die Aussage der Brandt-Witwe.Auch wenn Wienand den heutigen Prozeß -- wie es zu erwarten ist -- gewinnen wird, ist er von den Spionagevorwürfen noch längst nicht befreit. Dafür sorgt schon die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die seit Monaten fieberhaft nach Beweisen einer Agententätigkeit Wienands für die Stasi-Spionageabteilung Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) sucht und darüber ausgewählte Medien auf dem laufenden hält.So wurden FAZ und "Bild" pünktlich zur Wienand-Vernehmung in Karlsruhe am 14. Januar mit "Erkenntnissen" der Bundesanwälte gespickt; die Burda-Illustrierte "Focus" gar durfte einen Fotografen Im Gebäude der Anwaltschaft plazieren, der Wienands Vorfahrt zur Vernehmung ablichtete.Genug Beweise, die für eine Anklage gegen Wienand ausreichen, aber hat man in Karlsruhe offenbar nicht In der Hand. So läßt die schon für Mitte Januar angekündigte Anklageerhebung weiter auf sich warten. Auch die bisher vernommenen Zeugen -- darunter die SPD-Politiker Helmut Schmidt und Hans-Jürgen Wischnewski sowie diverse Stasi-Offiziere -- können kaum Belastendes gegen Wienand vorbringen.Bleibt als einziger Anhaltspunkt die Aussage zweier Stasi-Männer die von monatlichen Bezügen Wienands in Hohe von 10 000 Mark "gehört" haben wollen. Ihre bislang befragten Ex-Kollegen aber können das nicht bestätigen -- bis hin zur "Kassenfrau" der HVA, die sich nicht an solche immerhin beträchtlichen Summen erinnern kann.So nimmt es nicht wunder, daß die Staatsanwälte in Karlsruhe langsam unter Erfolgszwang geraten. Nur so ist es zu erklären, daß man Karl Wienand über einen Freund unlängst ein recht zweifelhaftes Angebot unterbreitete: Wenn er nur einen einzigen der in Rede stehenden Vorwürfe einräume, dann wurde man das Verfahren gegen ihn wegen Geringfügigkeit einstellen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner