In Großbritannien gilt seit diesem Donnerstag ein höherer staatlicher Deckel für Energiepreise. Für einen typischen Haushalt, der Strom und Gas per Lastschrift zahlt, steigen damit die Kosten um vier Prozent, wie die Regulierungsbehörde Ofgem mitteilte.
Der Preisdeckel legt für Standardtarife eine Obergrenze für den Preis pro Kilowattstunde sowie für die tägliche Grundgebühr fest und wird alle drei Monate neu berechnet. Zum gleichen Datum hat die Regierung die Mehrwertsteuer von fünf Prozent auf Strom bis Ende März 2027 ausgesetzt.
Für den kommenden Januar rechnet die Analysefirma Cornwall Insight mit einem weiteren Anstieg des Deckels um rund 16 Prozent. Die jährliche Rechnung eines Durchschnittshaushalts würde dann bei etwa 1999 Pfund (rund 2300 Euro) liegen, 276 Pfund mehr als derzeit. Es wäre der stärkste Quartalssprung seit Januar 2023 und der höchste Deckelwert seit März desselben Jahres.
Krieg im Nahen Osten treibt Gaspreise
Als Hauptgrund nennt Cornwall Insight den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten, der die Gaslieferungen nach Großbritannien und in andere Länder stört. Angriffe auf Schiffe und eingeschränkte Flüssiggas-Exporte aus Katar hätten die internationalen Gaspreise stark steigen lassen. Diese schlagen über den Großhandelsanteil des Preisdeckels auf die Rechnungen der Verbraucher durch.
Die Gasspeicher in der EU, die auch den britischen Markt mitversorgen, waren Anfang September zu etwa 65 Prozent gefüllt und damit auf dem niedrigsten Stand für diesen Monat seit 15 Jahren.
Ofgem berechnet den Großhandelsanteil des Deckels anhand eines festgelegten Beobachtungszeitraums. Dieser Zeitraum für den Januar-Wert ist nach Angaben von Cornwall Insight bereits zur Hälfte abgelaufen, die bisherigen Preissteigerungen seien damit eingepreist. Ein Anstieg sei nahezu sicher. Die endgültige Festlegung durch Ofgem ist für den 25. November angekündigt.
Warnung vor ernster Krise
Craig Lowrey, leitender Berater bei Cornwall Insight, erklärte, die Preise träfen die Haushalte hart – der Januar sei nach den Weihnachtsausgaben ohnehin ein schwieriger Monat. EDF-Energy-Chef Simone Rossi warnte laut Berichten der BBC, Großbritannien laufe in eine zweite Energiekrise – nach jener von 2022, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst worden war.
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Premierminister Andy Burnham sagte dem BBC-Radioprogramm Today, die Regierung prüfe jede mögliche Maßnahme, um Haushalte zu entlasten. Die sechsmonatige Mehrwertsteuerpause auf Strom spart einem Durchschnittshaushalt nach Angaben der Regierung etwa 45 Pfund im Jahr.
Ein Bündnis gegen Energiearmut, die End Fuel Poverty Coalition, fordert zusätzliche Unterstützung für besonders betroffene Haushalte.
Verbreitete Energiearmut
Energiearmut betrifft weiterhin Millionen Haushalte in Großbritannien. Für England rechnet das Energieministerium 2026 mit rund 2,13 Millionen betroffenen Haushalten. In Schottland werden für das laufende Quartal rund 820.000 Haushalte oder 32 Prozent erwartet, in Wales weist die jüngste Modellrechnung für Oktober 2024 340.000 Haushalte oder 25 Prozent aus.
Energiearmut bedeutet, dass Haushalte sich eine angemessene Energieversorgung ihrer Wohnung nicht leisten können. Dabei geht es nicht nur um Heizung, sondern auch um Warmwasser, Strom für Beleuchtung und Haushaltsgeräte sowie Energie zum Kochen.
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