Gideon Lehmann ging neulich mit Mitstreitern von der Nachbarschaftsinitiative „Donaukrake“ durch seinen Kiez an der Donaustraße in Neukölln. „Uns fiel auf, dass es ziemlich ordentlich aussieht“, sagt Lehmann. Über die Gründe lässt sich spekulieren. „Ich vermute, dass der BSR im Moment mehr ein Auge auf die Sauberkeit im Kiez hat, nachdem wir Aufmerksamkeit erregt haben“, sagt er.
Auf der Internetseite der Initiative findet sich eine Rechnung an die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR). Die Ehrenamtler verlangen 2652,37 Euro für vier Putz-Aktionen im Donaukiez im August. Je 15 Personen füllten laut Angaben der Initiative in 111 Arbeitsstunden 37 120-Liter-Müllsacke mit Abfall.
Es gibt viele Kneipen, Bars und Restaurants im Donaukiez. An Wochenenden wird noch in den frühen Morgenstunden gegessen und gezecht. Leere Flaschen und andere Überbleibsel einer feuchtfröhlichen Nacht finden sich zum Unmut vieler Anwohner auf den Gehwegen oder der Straße abgestellt.
Die Ehrenamtler räumten Sperrmüll weg
Hinzu kommt der am Straßenrand deponierte Sperrmüll. Die Ehrenamtler räumten laut der bei der Senatsverwaltung eingereichten Rechnung 5,7 Kubikmeter kleinen Sperrmüll weg. Außerdem geben sie an, dem Ordnungsamt per App sieben Sperrmüllansammlungen gemeldet zu haben.
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Die Initiative sammelte 5,7 Kubikmeter Sperrmüll und 37 120-Liter-Tüten voller Abfall von den Straßen in dem Neuköllner Kiez auf.
© Gideon Lehmann
Die Initiative erwartet nicht wirklich eine Begleichung der Rechnung durch die Berliner Senatsverwaltung. Die Rechnung sei symbolisch gemeint gewesen und sollte Gespräche mit der BSR über die Sauberkeit im Donaukiez anstoßen, erklärt Lehmann. Die Putz-Aktionen seien über ein für ein Ehrenamt angemessenes Maß hinausgegangen. „Uns ist klar geworden, dass wir städtische Aufgaben übernehmen“, sagt Lehmann.
Laut Angaben der BSR gehören Teile der Donaustraße zur zweithöchsten Reinigungsklasse 1 b in Berlin. Das BSR-Personal rückt bis zu sieben Mal in der Woche an. Noch häufigere Einsätze pro Woche gibt es etwa Unter den Linden und anderen Orten in der Hauptstadt mit einer hohen repräsentativen Bedeutung. Dort arbeiten Mitarbeiter der BSR bis zu zehn Mal in der Woche.
Initiative fordert Transparenz
Für die Initiative Donaukrake ist aber unklar, was der BSR bei einem Einsatz genau macht. Leeren die Mitarbeiter Mülleimer oder reinigen den Gehweg mit einer Kehrmaschine, inspizieren sie vielleicht auch nur den Verschmutzungsgrad der Gegend, das werde nirgendwo dokumentiert, lautet die Kritik. „Wir fordern von der BSR mehr Transparenz über die Standards und einsehbare Informationen, wo, was und wann zuletzt geputzt wurde “, sagt Lehmann.
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Als Tadel am Personal der Stadtreinigung will Lehmann das Vorgehen der Initiative nicht gewertet wissen. „Wir schätzen die Arbeit der Mitarbeiter der BSR. Uns geht um die Bedingungen für ihren wichtigen Job“, sagt Lehmann.
Die Nachbarschaftsinitiative verlangt außerdem einen festen Ansprechpartner bei der Stadtreinigung für den Neuköllner Kiez. Ein Quartiersmanagement im Donaukiez soll langfristig erhalten bleiben. Auch die zwischen Wirtschafts- und Umweltsenatsverwaltung aufgeteilte Zuständigkeit für die Stadtreinigung kritisiert die Initiative.
Verantwortung soll bei einem Ressort liegen
„Solange Verantwortung auf mehrere Ressorts verteilt ist, lässt sich bei Missständen leicht auf andere Stellen verweisen“, heißt es in einem der Rechnung beigefügten Schreiben an Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD).
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Die BSR zeigt laut Lehmann nun Gesprächsbereitschaft. In den kommenden Wochen soll es einen Dialog zwischen Vertretern der Stadtreinigung und der Neuköllner Kiez-Initiative geben. Die Mitglieder werben aber auch im Kiez um die Kooperation der Gewerbetreibenden für mehr Sauberkeit.
Aufgrund der hohen Gastronomiedichte im Kiez gebe es ein Problem mit Einwegverpackungen, die auf der Straße landeten, sagt Lehmann. „Wir sprechen mit den Gewerbetreibenden unter anderem über Mülleimer vor den Geschäften und Mehrweglösungen“, sagt Lehmann.
Der Unmut wächst in Neukölln
Lehmann schildert, dass sich auch in den Neuköllner Nachbarkiezen Graswurzel-Initiativen für mehr Sauberkeit in Neukölln bilden. In vielen Kiezen wachse der Ärger über eine Verwaltung, die ihrer Hoheitsaufgabe nicht nachkomme, für einen sauberen öffentlichen Raum zu sorgen, erklärt Lehmann.
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Je 15 Personen verbrachten im August insgesamt 111 Arbeitsstunden mit der freiwilligen Reinigungsaktion in Neukölln.
© Gideon Lehmann
Verursacher der Vermüllung sind mutmaßlich aber auch Nachbarn aus dem Kiez, die etwa Sperrmüll vor die Haustür stellen, statt ihn ordnungsgemäß zu entsorgen. Die Initiative erkenne die Herausforderungen für den BSR etwa durch immer mehr Drogenelend und Obdachlosigkeit in Neukölln, betont Lehmann.
Vieles hänge auch von der Einstellung der Anwohner ab, räumt der Ehrenamtler ein. „Wir wollen auf die Menschen einwirken, in dem wir für Sauberkeit eintreten, aber ohne Else-Kling-Attitüde“, sagt Gideon Lehmann. Er spielt auf die von der 2006 verstorbenen Schauspielerin Annemarie Wendl verkörperte Hausmeisterin aus der Fernsehserie „Lindenstraße“ an. Die gefürchtete bayerische Kratzbürste hätte wohl gegen Müllsünder ganz andere Saiten aufgezogen.
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