Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich am Abend zu dem Telefonat zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und Russlands Präsident Wladimir Putin geäußert. In seiner Abendansprache bestätigte Selenskyj, dass Scholz ihn im Vorfeld über das geplante Gespräch informiert hatte.
Dann sagte er: „Olafs Anruf ist meiner Meinung nach eine Büchse der Pandora. Jetzt kann es weitere Gespräche, weitere Anrufe geben. Nur viele Worte. Und genau das ist es, was Putin schon lange will: Es ist äußerst wichtig für ihn, seine Isolation, die Isolation Russlands, aufzuweichen und normale Verhandlungen zu führen, die zu nichts führen.“
Dies ermögliche es Russland, nichts an seiner Politik zu ändern, so Selenskyj. Er fügte hinzu: „Wir möchten Sie warnen: Es wird kein ‚Minsk 3‘ geben – wir brauchen echten Frieden.“
Polens Ministerpräsident Donald Tusk zeigte sich dagegen sehr zufrieden mit der Annäherung. „Ich habe gerade einen Anruf von Bundeskanzler Scholz erhalten, der mir einen Bericht über sein Gespräch mit W. Putin gab. Ich war zufrieden zu hören, dass er nicht nur die russische Aggression verurteilte, sondern auch die polnische Position bekräftigte: ‚Nichts über die Ukraine ohne die Ukraine‘“, schrieb Tusk auf der Onlineplattform X.
Was haben Scholz und Putin besprochen?
Olaf Scholz hatte Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Telefonat am Freitag „zu Verhandlungen mit der Ukraine“ aufgefordert. Diese müssten das Ziel „eines gerechten und dauerhaften Friedens“ haben, erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Kanzler Scholz verurteilte dabei erneut „den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“ und forderte Präsident Putin auf, diesen „zu beenden und Truppen zurückzuziehen“.
Frostiges Klima: Was hat Putin Scholz wirklich gesagt?
Telefonat mit Scholz: Unter diesen Bedingungen wäre Putin zu einem Ukraine-Abkommen bereit
Der Süddeutschen Zeitung sagte Scholz, er habe in dem Telefonat keine Hinweise darauf erhalten, dass der künftige US-Präsident Donald Trump gemeinsam mit Putin versuchen könnte, ein Friedensabkommen über den Kopf der Ukraine hinweg zu schließen. Scholz und Putin vereinbarten nach den Angaben aus Regierungskreisen, „in Kontakt zu bleiben“.
Der Kreml teilte daraufhin mit, das Gespräch habe auf deutsche Initiative hin stattgefunden. Putin habe Scholz gesagt, dass ein mögliches Abkommen über die Ukraine „auf neuen territorialen Realitäten basieren“ und die Ursachen des Konflikts beseitigen könnte. „Mögliche Vereinbarungen sollten die Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation berücksichtigen, von den neuen territorialen Realitäten ausgehen und vor allem die eigentlichen Ursachen des Konflikts angehen“, erklärte der Kreml in Moskau. Weiter hieß es, Putin habe den Kanzler daran erinnert, dass die gegenwärtige Krise eine direkte Folge der langjährigen aggressiven Politik der Nato sei.
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