GUBEN/KLEINMACHNOW. Die Bürgermeisterwahlen vom vorigen Wochenende haben in manchen Kommunen für unerwartete Veränderungen der politischen Landschaft gesorgt. So hat etwa in Guben (Spree-Neiße), in der strukturschwachen Grenzregion im Südosten Brandenburgs, der FDP-Kandidat Klaus-Dieter Hübner den scheinbar allseits akzeptierten Bürgermeister Gottfried Hain (SPD) gleich im ersten Wahlgang aus dem Amt gedrängt. Hübner bekam 50,6 Prozent der Stimmen, Hain nur gut 31 Prozent. "Das ist eine absolute Überraschung. Ich hatte damit gerechnet, spätestens in einer Stichwahl zu scheitern", sagte Klaus-Dieter Hübner am Dienstag.Seinen Erfolg führt der 50-jährige Prokurist des Wohnungs- privatisierers Bau-Boden-Treuhand (BBT) vor allem auf das "Vertrauen in meine Wirtschaftskompetenz" zurück. Doch spiegelt die Entscheidung offenbar auch eine wachsende Distanz vieler Gubener zur Idee einer "Europa-Stadt Guben-Gubin", die Bürgermeister Hain offensiv vertrat. Hübner jedenfalls glaubt eine "zu große Orientierung in Richtung Polen" erkannt zu haben, die zu einer "Vernachlässigung der hiesigen Probleme" geführt habe. So sei etwa das gemeinsame Klärwerk der beiden Städte an der Neiße - ein hoch gelobtes Projekt grenzüberschreitender Zusammenarbeit vor der EU-Osterweiterung - vor allem vorteilhaft für die polnische Seite gewesen. "Dort entstanden Arbeitsplätze, bei uns stiegen die Wasserpreise", sagte Hübner.Der abgewählte Hain dagegen hält diese Argumentation für unseriös. "Man kann Erfolgsstories auch zerreden", sagte er. "Ich muss mir in zehn Jahren jedenfalls nicht vorwerfen lassen, für die Osterweiterung nichts getan zu haben. " Gegen die aktuellen Defizite der Stadt mit ihrer starken Abwanderung bei rund 20 Prozent Arbeitslosigkeit konnte das aber wenig ausrichten. Auch zu seinem offenen Umgang mit der rechtsradikalen Szene in der Stadt steht Hain nach wie vor. "Es ist doch kein Zufall, dass sich Gubens schlechtes Image inzwischen gewandelt hat", sagte er und verwies auf die Unterstützung vieler Gubener für Asylbewerber, die von Abschiebung bedroht sind.Zuzug statt Abwanderung Statt Abwanderung wie in den Grenzregionen gab es etwa in Kleinmachnow, einer Villensiedlung am Berliner Stadtrand, jahrelang nur Zuwachs: 60 Prozent der heutigen Einwohner kamen nach der Wende. "Hierhin sind junge, gut verdienende Familien gezogen, die sich um ihre Umwelt kümmern", sagt die bündnisgrüne Bürgermeisterkandidatin Cornelia Behm. Sie gewann bei den Wahlen 20,4 Prozent der Stimmen - ein enormer Erfolg für die Kandidatin einer Partei, die bei den Landtagswahlen 1999 nicht einmal zwei Prozent bekam.In Kleinmachnow haben damit offenbar die Zuzügler das Wählerverhalten geprägt. "Sie haben meist entweder den SPD-Kandidaten oder die grüne Kandidatin gewählt", sagt SPD-Bürgermeister Wolfgang Blasig, der mit 59 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde. Allein die PDS erhalte von den Neu-Kleinmachnowern, die meist aus dem Westen Berlins oder aus West-Deutschland stammen, keinen Zuspruch. Daher verzichtete die PDS darauf, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, und rief sogar zur Wahl des SPD-Kandidaten auf. So kam es, dass Blasig sowohl von jungen Familien aus Westdeutschland gewählt wurde als auch von einstigen SED-Altkadern - die in der Initiative "Kleinmachnower Bürger gegen Vertreibung" dafür kämpfen, ihre zu Mauerzeiten erworbenen Grundstücke behalten zu dürfen.Aber auch die bündnisgrüne Kandidatin Cornelia Behm stützt sich auf eine Bürgerinitiative, die "Bürger gegen maßloses Bauen". Dies zeuge von neuem Bürgersinn in Kleinmachnow, sagt Cornelia Behm. Genau dies scheint dem CDU-Spitzenkandidaten Thomas Conrad Barth zum Verhängnis geworden zu sein. "Wir waren mutterseelenallein", sagt Barth, der mit 20 Prozent der Stimmen noch hinter der grünen Kandidatin landete. Er habe vergeblich versucht, mit Bürgerinitiativen zusammenarbeiten, sagt Barth. So kam die CDU am Wohnort ihres Parteichefs Jörg Schönbohm auf ein mageres Ergebnis, konnte kaum auf die Stimmen der eher wohlhabenden Zuzügler zählen. Auch Roland Vogt, Landeschef von Bündnis90/Die Grünen, sieht seine Partei durch den Zuzug aus Berlin und Westdeutschland gestärkt. "Wenn die Brandenburger nicht zu Bündis90/Die Grünen kommen, gehen die Grünen eben zu den Brandenburgern. "Unerwartet gewählt // Bürgermeister-Wahlen: In 36 Kommunen wurde am vergangenen Sonntag gewählt. In weiteren sieben Kommunen finden die Wahlen am kom- menden Sonntag statt. Etliche Stichwahlen sind für den 2. Dezember vorgesehen. Die drei kreisfreien Städte Cottbus, Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) wählen im Februar ihre Oberbürgermeister.Guben: In der 25 000-Einwohner-Stadt löst FDP-Kandidat Klaus-Dieter Hübner den SPD-Bürgermeister Gottfried Hain ab. Hübner errang überraschend im ersten Wahlgang 50,6 Prozent der Stimmen.Kleinmachnow: In dem 16 400-Einwohner-Ort erhielt die Grünen-Kandidatin Cornelia Behm überraschend hohe 20,4 Prozent. Wahlsieger wurde Wolfgang Blasig (SPD).
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