Eine Explosion zerriss am Samstagmorgen die Stille über einem Sonnenblumenfeld an der bulgarisch-rumänischen Grenze. In der Nähe liegt eine Kompressorstation der Transbalkan-Gaspipeline. Inzwischen wird vermutet, dass die Drohne, die dort explodierte, ukrainischer Herkunft war.
Nun bekommt der Vorfall ein diplomatisches Nachspiel: Bulgarien bestellt die ukrainische Botschafterin ein.
Das Verteidigungsministerium in Sofia geht von einer ukrainischen Attrappen-Drohne aus, Kiew betont, es habe nichts absichtlich in Richtung Bulgarien gelenkt. Für die Nato-Ostflanke bleibt eine Frage besonders unbequem: Warum bemerkte kein Radar das Fluggerät, bevor es einschlug?
Warum Sofia die ukrainische Botschafterin einbestellt
Außenministerin Velislava Petrova hat die ukrainische Botschafterin Olesia Ilaschtschuk ins Außenministerium zitiert. Das teilte das Ministerium laut dem bulgarischen Medium BNT mit.
Das Treffen ist für Montag angesetzt. Grund für die Verzögerung sei, dass sich die Botschafterin derzeit nicht im Land aufhalte, so das Ministerium laut BNT.
Ukrainische Drohne in Bulgarien: Was das Verteidigungsministerium sagt
Nach einer ersten Auswertung der Wrackteile nahe General Toschewo ordnete das bulgarische Verteidigungsministerium das Fluggerät als ukrainische Attrappen-Drohne vom Typ Maya ein. Dieser Typ werde vom ukrainischen Militär vielfach genutzt.
Hinweise auf eine absichtliche Handlung lägen nicht vor, teilte das Ministerium mit, wie Kyiv Post berichtete.
Wie Kiew auf den Vorfall reagiert
Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, wies eine Absicht zurück. Kiew stehe in engem Austausch mit den bulgarischen Behörden.
„Wir können mit Sicherheit sagen, dass die ukrainischen Streitkräfte keine Mittel absichtlich in Richtung Bulgarien gelenkt haben. Wir klären derzeit alle Umstände des Geschehens und alle technischen Fakten. Wir sind völlig offen für eine Zusammenarbeit mit Bulgarien, um die Einzelheiten zu klären", sagte Tychyj vor Journalisten, wie Kyiv Post berichtete.
Als eigentliche Ursache benannte er Russlands Krieg gegen die Ukraine, der die Sicherheit der gesamten Region bedrohe.
Wo die Drohne einschlug – neben der Transbalkan-Gaspipeline
Die Drohne stürzte rund 100 Meter hinter der Grenze in ein Sonnenblumenfeld – etwa 200 Meter vom früheren Grenzübergang Kardam und rund 1000 Meter von der Kompressorstation entfernt.
Die Transbalkan-Gaspipeline verbindet die Türkei mit der Ukraine. Seit dem Ende des russischen Gastransits durch die Ukraine zum 1. Januar 2025 wird die Trasse als Süd-Nord-Korridor genutzt.
Verletzte oder Schäden an der Infrastruktur gab es nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew nicht. „Es wurden Maßnahmen ergriffen, das Gebiet wurde abgesperrt, es sind keine Schäden an Personen oder Infrastruktur entstanden“, sagte Radew laut dem bulgarischen Sender bTV Novinite.
Woher kam die Drohne? Sofia und Bukarest widersprechen sich
Radew zufolge kam die Drohne aus Richtung Rumänien. Diese Angabe beschreibt nach derzeitiger Quellenlage jedoch die Flugrichtung, nicht den Startort.
Das rumänische Verteidigungsministerium widersprach der Darstellung. Die eigenen Radarsysteme hätten kein Luftfahrzeug erfasst, das den rumänischen Luftraum in Richtung Bulgarien überquert habe, hieß es in einer Erklärung, über die CGTN berichtete.
Erfasst wurde die Drohne im Anflug ohnehin von keiner Seite. „Weder im rumänischen noch in unserem Luftraum wurde eine unidentifizierte Drohne entdeckt“, sagte Radew laut bTV Novinite.
Kritik der Opposition an Bulgariens Luftraumüberwachung
Die frühere bulgarische Außenministerin Nadeschda Neinski kritisierte Lücken in der Überwachung. „Moderne nationale Sicherheit beginnt nicht damit, herauszufinden, wessen Drohne es ist, nachdem sie abgestürzt ist. Sie beginnt damit, sie zu sehen, während sie noch in der Luft ist“, sagte sie laut The Sofia Globe.
Der Abgeordnete Iwajlo Mirtschew forderte, den Fall als möglichen Angriff auf kritische Infrastruktur eines Nato-Staates zu prüfen, wie Fakti.bg berichtete.
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Was Bulgarien jetzt plant
Radew kündigte an, Grenzpolizei und Drohnenabwehr künftig entlang der gesamten Grenze zu stationieren – „von der Grenze zur Türkei bis zur Grenze zu Rumänien“, so der Regierungschef laut bTV Novinite.
Verteidigungsminister Dimitar Stojanow erklärte, der Vorfall werde Anfang der Woche im Nordatlantikrat behandelt. Bulgarien habe seine Luftraumüberwachung bereits seit dem 31. Juli mit zusätzlichen Kräften, Flugabwehr, Cougar-Hubschraubern und Su-25-Maschinen verstärkt, so Stojanow laut BTA.
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