Schwarzes Meer

Frachter gesunken: Bulgarien meldet neue Drohnenangriffe auf Handelsschiffe

Ein Frachter sank östlich von Krapez, ein weiterer treibt beschädigt vor Kap Sweti Atanas. Bulgariens Regierung will die russische Botschafterin einbestellen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew verurteilte die erneuten Drohnenangriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer.

Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew verurteilte die erneuten Drohnenangriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer.

© Marcus Brandt/dpa

Vor der bulgarischen Schwarzmeerküste sind in der Nacht zum Dienstag erneut zwei Handelsschiffe von Drohnen getroffen worden. Ein Frachter sank, von Bord wurde nach ersten Informationen ein Besatzungsmitglied gerettet. Zum Verbleib der übrigen Crew machte Ministerpräsident Rumen Radew zunächst keine Angaben. Das meldete der bulgarische Rundfunk BNR. Die 15 Seeleute an Bord des zweiten Frachters seien wohlbehalten an Land gebracht worden.

Gegen 1.30 Uhr Ortszeit sei ein Notruf des unter maltesischer Flagge fahrenden Frachters „Chelsea 3“ eingegangen, so Radew. Das Schiff wurde demnach rund 15 bis 18 Seemeilen östlich der Küstenstadt Bjala von drei Luftdrohnen getroffen. An Bord befanden sich den Angaben zufolge sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner. Fünf von ihnen seien mit leichten Verletzungen in den Hafen von Warna gebracht worden.

Das 136 Meter lange Schiff gehöre einem ukrainischen Reeder und sei von der türkischen Hafenstadt Giresun in Richtung des moldauischen Hafens Giurgiulești unterwegs gewesen. Nach Darstellung des Fachdiensts Maritime.bg trieb der beschädigte Frachter später ohne Besatzung vor dem Kap Sweti Atanas an der bulgarischen Schwarzmeerküste.

Noch während einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Regierungskrisenstabs sei dann die Meldung über einen weiteren getroffenen Frachter rund 17 Seemeilen östlich der Ortschaft Krapez eingegangen, sagte Radew dem BNR. Dieses Schiff sei gesunken, ein Besatzungsmitglied habe gerettet werden können. Zur Größe der Besatzung und zu einer möglichen weiteren Suche äußerte sich der Ministerpräsident zunächst nicht.

Zweiter Vorfall binnen einer Woche

Bereits am 6. Oktober waren in derselben Seeregion zwei Handelsschiffe angegriffen worden. Dabei kamen nach Angaben Radews sowohl See- als auch Luftdrohnen zum Einsatz. Der unter der Flagge Togos fahrende Frachter „Alfa Watan“ sank nach Darstellung der bulgarischen Behörden, die zwölfköpfige syrische Besatzung gilt seitdem als vermisst. An der Suche beteiligten sich Einheiten der Luftwaffe und der Marine.

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Auf dem zweiten Schiff, der unter der Flagge Palaus fahrenden „Able“, brach ein Feuer aus. Die 18 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Der Frachter hatte Weizen geladen und war vom rumänischen Hafen Galați in Richtung Istanbul unterwegs. Galați ist ein wichtiger Ausweichhafen für ukrainische Exporte über die Donau. Branchenvertreter sprachen vom ersten derartigen Angriff in bulgarischen Gewässern.

Sofia schaltet Nato und EU ein

Radew spricht laut AFP von einem „eklatanten Verstoß gegen das Seerecht“. Die ständigen Vertreter Bulgariens bei der Nato und bei der Europäischen Union seien unterrichtet. Geplant ist demnach ein Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte.

Belastbare Beweise für die Urheberschaft lägen nicht vor, sagte Radew dem BNR. Die Lage spreche aber dafür, dass die Angriffe Russland dienten – er werde deshalb die russische Botschafterin in Sofia, Eleonora Mitrofanowa, einbestellen. Moskau äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen.

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