BERLIN. Kurt Beck lässt auf sich warten. Die Hochrechnungen deuten für Hessen einen knappen Wahlausgang an, weshalb das erste Statement am Abend wohl überlegt sein will. Zudem will Beck Andrea Ypsilanti den Vortritt lassen. Erst um 19 Uhr, kurz nachdem in Wiesbaden die SPD-Kandidatin vor die Kameras getreten ist, kommt in Berlin auch der Parteichef auf die Bühne.Das Foyer im Willy-Brandt-Haus ist so voll wie schon lange nicht mehr. Viele SPD-Mitglieder sind gekommen, weil sie endlich mal wieder einen Wahlsieg feiern wollen. Dicht gedrängt stehen sie vor den Fernsehbildschirmen und freuen sich über den Absturz ihres Erzrivalen Roland Koch. Als sie mit einiger Verzögerung registrieren, wie Beck hinter dem Rednerpult auf seinen Einsatz wartet, erschallen Bravo-Rufe. Der Applaus ist laut und dauert mehrere Minuten.Andrea Ypsilanti, ruft Beck in den Jubel, habe die Wahl hervorragend und großartig gewonnen. Das zeige, dass die SPD in der Lage sei, in den Ländern wieder Wahlen zu gewinnen. Sie habe mit "Gerechtigkeit und Bildung für alle" auf die richtigen Themen gesetzt. Auch die Niederlage von Wolfgang Jüttner in Niedersachsen werde die SPD nicht von diesem Kurs abbringen. In Hessen hätten die Wähler der SPD den "klaren Auftrag" zur Regierungsbildung gegeben, sagt Beck. Wüsste er, dass just in diesem Moment die Linke in den Hochrechnungen auf fünf Prozent klettert und damit die Regierungsbildung in Wiesbaden kompliziert werden könnte, hätte der Parteichef diese Aussage vielleicht nicht gemacht.Aus Hessen meldet sich Hermann Scheer, Ypsilantis Wirtschaftsfachmann. Hessen sei ein Modell für den Bundestagswahlkampf, sagt Scheer. "Das wird Auswirkungen auf die Position der Bundes-SPD haben", fügt er hinzu und nennt vor allem die Energiepolitik seiner Partei.Als sich der Erfolg der Linken in Berlin herumspricht, wird die Stimmung angespannter. Mitglieder der Parteispitze, die im Foyer kurze Interviews geben, sind verhältnismäßig wortkarg. Weder die stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Frank-Walter Steinmeier und Andrea Nahles, noch Generalsekretär Hubertus Heil oder Fraktionschef Peter Struck wollen die drängenden Fragen nach möglichen Koalitionen in Hessen beantworten. Das Ergebnis müsse abgewartet werden. Auch den möglichen Einzug der Linken in die Landtage von Hessen und Niedersachsen will die SPD zunächst nicht kommentieren. Lieber loben sie den "schwungvollen" und "klar profilierten" Wahlkampf von Ypsilanti sowie die "erfreuliche" Geschlossenheit der gesamten Partei. Im Gegensatz zu früheren Wahlkämpfen, sagt Nahles, habe es zwischen der SPD im Bund und in den Ländern keine Meinungsverschiedenheiten gegeben. Dass diese Geschlossenheit in Niedersachsen nicht geholfen hat, will die SPD-Vize nur bedingt gelten lassen. CDU-Ministerpräsident Christian Wulff könne zwar weiter regieren, aber er habe erhebliche Verluste hinnehmen müssen, sagt Nahles. Auch müsse analysiert werden, warum so wenig Wähler in Niedersachsen zur Wahl gegangen seien.Besonders gute Laune verbreitet in Berlin Michael Naumann. Der SPD-Spitzenkandidat für die Wahl in Hamburg am 24. Februar nennt den Erfolg seiner Parteifreundin in Hessen "sehr ermutigend". Als Ypsilanti angetreten sei, habe sie in den Umfragen bei 29 Prozent gelegen. Mit diesen Zahlen sei auch er gestartet, sagt Naumann, inzwischen spüre auch die SPD in Hamburg einen Stimmungsumschwung. Kurt Beck, der Naumann zu sich auf die Bühne holt, nutzt den Wahlsieg der hessischen SPD deshalb auch für einen Blick nach vorn: "Wir wollen und werden Hamburg zurückerobern", sagt er. (mit gbü.)------------------------------Foto: "Ich glaube, dass Links gewinnen kann." Andrea Nahles, SPD
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