Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Das teilte die Behörde am Donnerstag mit.
Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Zuvor hatten die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen ermittelt, nun ist das Bundeskriminalamt mit den polizeilichen Ermittlungen betraut.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft gibt es zureichende tatsächliche Anhaltspunkte, dass am Dienstagabend auf dem Flughafengelände mittels einer Drohne eine Explosion herbeigeführt werden sollte. „Hierzu waren an der Drohne professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht worden", hieß es in der Mitteilung der Karlsruher Behörde.
Zudem sei im erweiterten Bereich des Flughafens eine Frachtmaschine in der Luft mutmaßlich mit einer weiteren Drohne kollidiert.
Angriff auf Logistikinfrastruktur
Die Bundesanwaltschaft stufte den Vorgang als „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland" ein. Die Tat sei geeignet, die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen.
Der Flughafen Leipzig/Halle hatte in der Nacht zum Mittwoch den Flugbetrieb eingestellt, nachdem an der Südpiste ein unbekanntes Flugobjekt und ein verdächtiger Gegenstand gesichtet worden waren. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet.
Frachtflugzeuge der ukrainischen Antonov Airlines am Flughafen Leipzig/Halle
© Jochen Eckel/imago
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurde die Drohne in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs entdeckt. Mit Unterstützung der Bundespolizei und eines Sprengstoffroboters sei der Zünder entfernt worden, teilte das LKA Sachsen mit. Eine Frachtmaschine, die den Landeanflug abbrechen musste, kollidierte demnach in der Nacht mit einem zweiten Flugobjekt. Nach der Landung in Hannover wurden leichte Beschädigungen festgestellt.
Innenminister vermutet hybriden Anschlag
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete den Vorfall am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz am Flughafen als Anschlag hochprofessioneller Täter. Er schloss auch „fremde Mächte" als Drahtzieher nicht aus und sprach von einem „hybriden Anschlagsszenario". Solche Bedrohungslagen müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden, sagte Dobrindt.
Bereits 2024 hatte sich in einem DHL-Logistikzentrum in Leipzig ein Luftfrachtpaket entzündet. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass die Sendung im Auftrag Russlands platziert wurde. Der frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, erklärte damals, Deutschland sei nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Auch in jenem Fall übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen.
Die Ermittlungen wurden in einer von Eurojust, der EU-Agentur für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, koordinierten gemeinsamen Ermittlungsgruppe mit Behörden aus fünf Ländern fortgeführt. Sie identifizierte 22 Verdächtige, die nach Einschätzung der Ermittler für den russischen Militärgeheimdienst GRU gehandelt haben sollen. Fünf Beschuldigte stehen seit April in Litauen wegen Terrorismusvorwürfen vor Gericht. Ein Urteil liegt noch nicht vor.
Drohnen-Vorfall in Leipzig: Ermittler prüfen mehrere Spuren
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