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Drohnenabwehr

Sprengstoff-Drohne in Leipzig: Dobrindt hält Beteiligung „fremder Mächte“ für möglich

Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne ist am Flughafen Leipzig entdeckt und entschärft worden. Der Bundesinnenminister sieht darin eine neue Qualität der Bedrohung.

Peter Steiniger Stephanie Lehner
3 Min
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, rechts) spricht bei einer Pressekonferenz in einem Terminal des Flughafens Leipzig/Halle. Hinter ihm steht Armin Schuster (CDU), Innenminister von Sachsen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU, rechts) spricht bei einer Pressekonferenz in einem Terminal des Flughafens Leipzig/Halle. Hinter ihm steht Armin Schuster (CDU), Innenminister von Sachsen.

© Hendrik Schmidt/dpa

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig geht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von einem „hybriden Anschlagsszenario“ aus. Das sagte der Minister am Mittwochabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster und dem Generalstaatsanwalt. Die Drohne war in der Nacht zuvor im Bereich des Flughafengeländes gesichtet worden.

Dobrindt hatte seinen Urlaub für eine Lagebesprechung mit den Spitzen mehrerer Sicherheitsbehörden unterbrochen.

Entschärfung durch Bundespolizei

Nach der Identifizierung und dem Verdacht auf eine Sprengladung seien Landespolizei, Bundespolizei und die Entschärfergruppe der Bundespolizei in Einsatzbereitschaft versetzt worden, sagte Dobrindt. Die Entschärfung und eine anschließende kontrollierte Sprengung seien nach seinen Worten „hochprofessionell“ verlaufen. Der Minister dankte den beteiligten Einsatzkräften ausdrücklich.

Die Drohne befand sich nach den Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor, wie die dpa berichtete. Ausgelöst wurde der Einsatz nach Angaben der Polizei gegen 23.40 Uhr am Dienstagabend, als ein unbekanntes Objekt gesichtet und anschließend im Bereich der südlichen Start- und Landebahn ein Gegenstand gefunden wurde.

Der Flugverkehr wurde für rund zwei Stunden komplett eingestellt, eine Passagiermaschine aus Palma de Mallorca wurde nach Nürnberg umgeleitet, mehrere Frachtflieger wichen auf andere Flughäfen aus. Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt stieß zudem mit einem durchstartenden Frachtflugzeug zusammen, an dem nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt wurden.

Für Dobrindt handelt es sich um einen Anschlag, der auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. Dabei schließt er auch „fremde Mächte“ als Drahtzieher nicht aus.

Drohnensichtungen im hybriden Zusammenhang seien aus der Vergangenheit bekannt, sagte Dobrindt. Dass eine Drohne mit Sprengstoff auf einem Flughafengelände auftauche, sei jedoch ein „neues Bedrohungsszenario“. Der Fall werde im Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen sowie im Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum bearbeitet. Beide Stellen seien aktiv, so der Minister.

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Warnung vor weiteren Versuchen

Der Bundesinnenminister schloss ähnliche Vorfälle für die Zukunft nicht aus. Hybride Bedrohungen könnten sich nicht nur an Flughäfen abspielen, sondern auch bei Menschenansammlungen oder an Industrieanlagen. Das Netz der Sicherungsmaßnahmen werde weiter geschlossen, unter anderem durch zusätzliche Technik zur aktiven Drohnenabwehr an Flughäfen und weiteren Orten.

Als hybride Bedrohung gelten verdeckte Angriffe, die staatlichen Stellen nicht eindeutig zugeordnet werden können und militärische wie zivile Mittel verbinden.

Dobrindt lobte die Zusammenarbeit mit dem sächsischen Innenminister Schuster und den beteiligten Behörden. Alle Informationen würden im Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen gesammelt. Der Flughafen werde derzeit zusätzlich durch ein Drohneneinsatzkommando gegen mögliche weitere Bedrohungen gesichert.

Der Flughafen Leipzig/Halle zählt zur kritischen Infrastruktur und wird seit Jahrzehnten von Bundeswehr und Nato für Materialtransporte genutzt. Über das Programm Strategic Airlift International Solution (SALIS) werden dort mit Antonow-124-Maschinen Militärgroßgerät und Truppen weltweit verlegt.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist Leipzig zudem Einsatzbasis der Antonov-Flotte, eine wiederkehrende Strecke führt zum polnischen Flughafen Rzeszów-Jasionka, dem westlichen Logistikdrehkreuz für die Ukraine-Unterstützung.

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