Die Gewerkschaft Verdi hat in den laufenden Tarifverhandlungen im Handel erneut zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Betroffen seien am Donnerstag und Freitag Betriebe und Unternehmen im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel in allen Bundesländern, wie die Gewerkschaft mitteilte. Größere Kundgebungen seien am Donnerstag in Kiel sowie am Freitag in Erfurt, Berlin, Bochum und Saarbrücken geplant.
Verdi-Vorständin Silke Zimmer wies die zuletzt in einigen Bundesländern vorgelegten Tarifangebote der Arbeitgeber zurück. Die Offerten seien „schlicht unverschämt“, sagte Zimmer. Die Handelskonzerne stünden wirtschaftlich hervorragend da, dennoch sollten die Beschäftigten mit Lohnverlusten abgespeist werden. „Das ist eine bodenlose Frechheit“, sagte sie. Mit den Streiks wolle die Gewerkschaft die Arbeitgeber zu einem verhandlungsfähigen Angebot bewegen.
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Mehr als 200 Betriebe bereits bestreikt
Bereits Mitte Mai hatte Verdi in der laufenden Tarifrunde zu ersten bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich mehr als 5000 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen. Bestreikt wurden mehr als 200 Standorte, darunter Filialen von Edeka, Kaufland, Douglas, H&M und Ikea.
Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben in einzelnen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg im Einzelhandel ab November eine Erhöhung um zwei Prozent angeboten und ab August 2027 eine weitere um 1,5 Prozent – bei einer Laufzeit von zwei Jahren.
HDE verweist auf schwierige Lage
Die Verhandlungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel waren im April in den ersten Landesbezirken gestartet. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte im Vorfeld erklärt, angesichts schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gebe es „dieses Mal kaum Spielraum“ für Lohnerhöhungen.
Im Handel arbeiten nach Verdi-Angaben in Deutschland rund 5,2 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorigen Tarifverhandlungen zogen sich über mehr als ein Jahr hin. Am Ende stand für die Beschäftigten im Einzelhandel ein Einkommensplus von insgesamt etwa 14 Prozent für die Jahre 2023 bis 2025. Die Tarifbindung in der Branche ist seit Jahren rückläufig und vergleichsweise gering. (mit dpa)
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