Burkina Faso hat nach Jahren wachsender Spannungen die diplomatischen Beziehungen zur früheren Kolonialmacht Frankreich abgebrochen. Die Entscheidung trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, erklärte die Militärregierung am Freitag im Staatsfernsehen. Die Junta wirft Frankreich einen „unablässigen Aktivismus“ gegen die Interessen des Landes sowie „neokoloniale Ambitionen“ vor. Zudem beschuldigt sie Paris, subversive Netzwerke und Terrorgruppen zu unterstützen, die Burkina Faso und die gesamte Sahelregion destabilisierten. Belege für diese Vorwürfe legte die Regierung nicht vor.
Die Militärführung betonte zugleich, der Schritt betreffe ausschließlich die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten. Die historischen und kulturellen Verbindungen zwischen den Bevölkerungen sollten davon unberührt bleiben. Ausländische Staatsangehörige würden weiterhin geschützt.
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Frankreich spricht von „feindseligem“ Schritt
Das französische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete den Abbruch der Beziehungen als „feindselige und unbegründete“ Entscheidung. Sie stehe für die „besorgniserregende Entwicklung“ der Behörden in Burkina Faso. Paris prüfe nun mögliche Gegenmaßnahmen.
Nach Angaben des Außenministeriums leben mehr als 2000 französische Staatsangehörige in Burkina Faso. Umgekehrt sind in Frankreich mehr als 6000 Menschen aus Burkina Faso registriert.
Bruch mit dem Westen seit dem Putsch
Seit Hauptmann Ibrahim Traoré im September 2022 durch einen Militärputsch die Macht übernommen hat, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen Ouagadougou und Paris kontinuierlich. Bereits 2023 musste der französische Botschafter das Land verlassen. Zudem kündigte Burkina Faso das Militärabkommen mit Frankreich und erreichte den Abzug der französischen Soldaten, die jahrelang am Kampf gegen islamistische Gruppen beteiligt gewesen waren. Mehrere französische Medien wurden zeitweise oder dauerhaft suspendiert.
Russland gewinnt in der Sahelzone an Einfluss
Der diplomatische Bruch gilt als weiterer Schritt der Militärjunta, sich vom Westen abzuwenden. Gemeinsam mit Mali und Niger gründete Burkina Faso die Allianz der Sahel-Staaten. Die drei Militärregierungen suchen zunehmend die Zusammenarbeit mit neuen Partnern wie Russland, der Türkei und dem Iran, insbesondere im Sicherheits- und Militärbereich.
Die Entwicklung verändert die geopolitischen Kräfteverhältnisse in Westafrika. Frankreich hatte über Jahrzehnte erheblichen politischen und militärischen Einfluss in seinen ehemaligen Kolonien. Dieser schwindet seit den Militärputschen in der Sahelzone zunehmend. Gleichzeitig kämpfen Burkina Faso, Mali und Niger weiterhin gegen dschihadistische Gruppen, die mit Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat in Verbindung stehen.
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