Der frühere ungarische Außenminister Péter Szijjártó zieht sich aus dem Parlament zurück und übernimmt eine Führungsposition beim chinesischen Elektroautobauer BYD. Das gab der langjährige Weggefährte des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán am Mittwoch auf Facebook bekannt. Er habe seinen Rücktritt als Abgeordneter eingereicht, schrieb Szijjártó. Grund sei ein „äußerst ehrenvolles Angebot“ von einem der bedeutendsten Unternehmen der Weltwirtschaft. Künftig werde er bei BYD für die Außenbeziehungen des Konzerns und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder verantwortlich sein. Das ungarische Nachrichtenportal Telex und weitere Medien bestätigten den Wechsel.
Szijjártó bezeichnete BYD als eine der größten Erfolgsgeschichten der internationalen Automobilindustrie der vergangenen 20 Jahre. Der chinesische Konzern gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Elektroautos und Batterien.
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Szijjártó verhandelte selbst über BYD-Werk in Ungarn
Der Wechsel ist politisch heikel. Szijjártó hatte als Außen- und Handelsminister maßgeblich daran mitgewirkt, BYD nach Ungarn zu holen. Im Dezember 2023 kündigte der Konzern den Bau seines ersten europäischen Autowerks in Szeged im Süden des Landes an. Nach Angaben Szijjártós waren der Entscheidung 224 Verhandlungsrunden zwischen dem Unternehmen und der ungarischen Regierung vorausgegangen. Damals sprach er von einer der größten Investitionen in der ungarischen Wirtschaftsgeschichte. Auch staatliche Fördermittel für das Werk wurden zugesagt.
Im Mai 2025 unterzeichneten Szijjártó und BYD-Vizepräsidentin Stella Li zudem eine Vereinbarung über den Aufbau eines europäischen Unternehmens- und Entwicklungszentrums in Budapest. Geplant waren nach damaligen Angaben rund 2000 Arbeitsplätze, vor allem für Ingenieure und andere hochqualifizierte Beschäftigte.
Als Minister hatte Szijjártó wiederholt für enge Wirtschaftsbeziehungen zu China geworben und sich gegen EU-Zölle auf chinesische Elektroautos ausgesprochen. Die Europäische Union hatte die zusätzlichen Abgaben eingeführt, nachdem die EU-Kommission zu dem Ergebnis gekommen war, dass chinesische Hersteller von staatlichen Subventionen profitieren.
Wechsel nach Niederlage von Orbáns Fidesz
Szijjártó führte das ungarische Außenministerium seit September 2014 und blieb fast zwölf Jahre im Amt. Nach der deutlichen Niederlage von Orbáns Fidesz bei der Parlamentswahl im April verlor er seinen Ministerposten, zog aber zunächst erneut als Abgeordneter ins Parlament ein. Zuletzt war er bei vielen Abstimmungen nicht anwesend und trat nur noch selten öffentlich auf, berichtet AP. Im ungarischen Parlament saß er seit 2002. Mit dem Wechsel zu BYD endet damit vorerst seine mehr als zwei Jahrzehnte lange Laufbahn als Abgeordneter.
Ministerpräsident Péter Magyar reagierte mit scharfer Kritik. Der Zerfall der einstigen Regierungspartei Fidesz setze sich „in immer schnellerem Tempo“ fort, zitierte ihn das Nachrichtenportal HVG. Orbán hingegen sprach laut dem Bericht von der „Topverpflichtung des Sommers“. Nach Angaben seines Büros war der frühere Regierungschef über Szijjártós Pläne informiert und hatte sich in den vergangenen Wochen zweimal persönlich mit ihm getroffen.
Unklar ist bislang, wann die Gespräche zwischen Szijjártó und BYD über die neue Position begonnen haben und welche Vergütung er erhält. BYD äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den näheren Bedingungen seines Vertrages.
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