Auf dem seit Dienstag laufenden G20-Ministertreffen in Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina sprechen sich die USA gegen neue Aufsichtsbehörden für Künstliche Intelligenz aus. Das geht aus dem vorbereiteten Redetext des Direktors des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus, Michael Kratsios, hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.
Kratsios ist gemeinsam mit US-Handelsminister Howard Lutnick Gastgeber des zweitägigen Treffens im Carolina Inn. Die USA haben in diesem Jahr den rotierenden Vorsitz der G20 inne.
Die Gruppe der 20 ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und umfasst neben den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Saudi-Arabien, Australien und China auch weitere große Volkswirtschaften.
Vorstoß unter dem Namen „Carolina Principles"
Die US-Regierung schlägt den G20-Staaten eine unverbindliche Erklärung unter dem Titel „Carolina Principles“ vor. Unterzeichnerstaaten sollen sich darauf verständigen, neue Regeln für KI nur bei tatsächlich neuartigen Fragen zu erlassen, in Grundlagenforschung zu investieren und die wirtschaftliche Nutzung der Technologie zu stärken.
Die Politik müsse nicht jede neue Technologie als eigenständiges Regulierungsproblem behandeln, heißt es in dem Manuskript laut Reuters. Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte der Nachrichtenagentur, Washington werde die Mitgliedstaaten drängen, keine neuen Behörden für die Aufsicht über die KI-Entwicklung einzurichten.
Kanada und EU pochen auf Vertrauen und Sicherheit
Kanada will bei dem Treffen für einen Ausgleich zwischen Innovation und „öffentlichem Vertrauen und Sicherheit“ werben, wie ein Sprecher der Regierung Reuters mitteilte. Die EU-Kommission wird durch ihre Vizepräsidentin und Kommissarin für Digitale und Grenztechnologien, Henna Virkkunen, sowie Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis vertreten.
Warnung an G20: KI wird zur ernsten Bedrohung für Banken
Neuer EU-Kurs: Wann unsere Daten bald nicht mehr als geschützt gelten
Virkkunen will nach Angaben der Kommission den Anspruch der EU auf eine führende Rolle bei KI unterstreichen, unter anderem mit 200 Milliarden Euro, die über die Initiative InvestAI mobilisiert werden sollen. Vertrauen und Innovation müssten Hand in Hand gehen, mehr internationale Zusammenarbeit sei nötig, um einen Flickenteppich bei den Regeln zu vermeiden.
Australien bringt eigene KI-Standards ein
Australien betont nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Wissenschaft, Innovation und Sicherheit müssten gemeinsam vorangebracht werden. Der zuständige Staatssekretär Andrew Charlton wolle bei dem Treffen die nationalen KI-Standards seines Landes vorstellen und sich mit Vertretern der USA, Großbritanniens, Kanadas und der EU austauschen.
Konzernchefs per Video zugeschaltet
An den Beratungen des G20-Innovationsforums nehmen laut Reuters auch führende Vertreter der KI-Branche teil. OpenAI-Chef Sam Altman und Nvidia-Chef Jensen Huang treten am Mittwoch jeweils mit US-Handelsminister Howard Lutnick vor die Delegierten.
Meta-Chef Mark Zuckerberg, SpaceX-Chef Elon Musk, der frühere KI-Berater des Weißen Hauses David Sacks sowie Google-DeepMind-Mitgründer Demis Hassabis sollen per Video zugeschaltet werden.
Das Treffen ist Teil einer Reihe von Vorbereitungstreffen für den G20-Gipfel im Dezember, der in einem Golfclub des US-Präsidenten in Miami im Bundesstaat Florida stattfinden soll.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]