POTSDAM. In der brandenburgischen CDU geht es so friedlich zu, wie lange nicht. Trotz der mit knapp 20 Prozent verlorenen Landtagswahl im September und dem Verlust der Regierungsbeteiligung bestätigte die Basis die Parteispitze um die Vorsitzende Johanna Wanka am Wochenende klar im Amt. Die lange von Machtkämpfen geschwächte Union eint ein neues Feindbild: Matthias Platzecks stasibelastete, rot-rote Koalition. Die will die CDU spätestens 2014 zu Fall bringen.Die jüngsten Enttarnungen in der Linksfraktion waren das zentrale Thema des CDU-Parteitages. "Brandenburg wird seit der Regierungsbildung von Rot-Rot auf das Thema Stasi reduziert. Das schadet dem Land", sagte CDU-Chefin Wanka. "Und die Verantwortung für diese Situation trägt Ministerpräsident Platzeck." Die vergangene Woche bekannt gewordene IM-Vergangenheit der Linken-Landtagsvizepräsidentin Gerlinde Stobrawa zeige, dass der im Koalitionsvertrag von SPD und Linken postulierte offene Umgang mit der SED-Diktatur nur "ein Placebo für die Bevölkerung" sei. Wenn Platzeck und die SPD vor Stobrawas Wahl nichts von deren Stasi-Kontakten gewusst habe, stelle sich die Frage, auf welcher Basis diese "Chaos-Koalition" zusammen arbeite, sagte Wanka.Während die Stasi-Verstrickung von Linken-Fraktionschefin Kerstin Kaiser, Parteichef Thomas Nord und zwei weiteren Landtagsabgeordneten lange vor den Wahlen bekannt waren, kamen mit Stobrawa und dem Lausitzer Abgeordneten Gerd-Rüdiger Hoffmann zwei neue Fälle hinzu. Stobrawa lässt ihr Amt als Vizepräsidentin ruhen und will morgen auch das Gespräch mit der Opposition suchen. Wanka signalisierte am Rande des Parteitages, dass sie daran kein Interesse habe.Für die CDU erhob die 58-jährige Parteichefin den Anspruch, eine bürgerliche Alternative zu entwickeln zur seit 20 Jahren regierenden SPD. Bei deren Mitgliedern und Wählern herrsche nach dem Links-Schwenk Platzecks große Enttäuschung. "Es gibt einen erkennbaren Riss, der wird sich vertiefen", sagte Wanka und verwies auf das Beispiel Sachsen-Anhalt: Vor der ersten PDS-geduldeten SPD-Minderheitenregierung lag die SPD dort bei 36 und die CDU bei 22 Prozent. Vier Jahre später hatten sich die Verhältnisse umgekehrt. Seit 2002 ist die Union unter Ministerpräsident Wolfgang Böhmer in Magdeburg die stärkste Kraft. "Wenn man zusammenhält und kämpft, ist vieles möglich", sagte Wanka.Mit 82 Prozent bestätigten die Delegierten sie im Amt. Wanka hatte den Vorsitz nach dem Rücktritt des früheren Wirtschaftsministers Ulrich Junghanns erst im Januar übernommen. Ähnliche Ergebnisse erzielten ihre Stellvertreter Saskia Ludwig (bisher Funck), Barbara Richstein und Michael Schierack. Nur Parteivize Sven Petke, lange Symbolfigur der CDU-Lagerkämpfe, erhielt mit 65 Prozent einen Denkzettel.Auf Distanz ging die CDU auch zu ihrem Ehrenvorsitzenden Jörg Schönbohm. Der hatte jüngst für Empörung gesorgt, als er in Ostdeutschland "eine verbreitete Stillosigkeit "im Umgang wie bei der Kleidung" ausmachte. Das sei nicht die Auffassung der CDU Brandenburg, heißt es in einem Beschluss.------------------------------Foto: Im Amt bestätigt: Johanna Wanka.
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