CDU-Politikerin Dietlind Tiemann nimmt der SPD den Oberbürgermeisterstuhl in Brandenburg ab

Schwarz regiert an der Havel

Martin Klesmann
4 Min

BRANDENBURG/HAVEL. 13 Jahre lang regierte die SPD in Brandenburg/Havel, der drittgrößten Stadt des Landes. Am Sonntag nun haben die Brandenburger in einer Stichwahl erwartungsgemäß mit Dietlind Tiemann die CDU-Kandidatin zur neuen Oberbürgermeisterin gewählt. Sie erhielt 56,18 Prozent der abgebenenen Stimmen, ihr SPD-Kontrahent Norbert Langerwisch kam auf 43,82 Prozent. 44,07 Prozent betrug die Wahlbeteiligung.Der Jubel bei der CDU-Wahlparty in einer frisch sanierten Mühle mitten in der Stadt war groß. Nicht zuletzt auch, weil nunmehr im einst so roten Land Brandenburg nur noch eine kreisfreie Stadt - Potsdam - in SPD-Hand verblieben ist. "Das Wunder von Brandenburg ist vollbracht, heute purzeln die Sozialdemokraten", rief CDU-Landeschef Jörg Schönbohm seinen Parteifreunden zu. "Das ist der Anfang für eine Veränderung im Land", fügte er mit Blick auf die Landtagswahlen im Herbst 2004 hinzu. Die Bauunternehmerin Dietlind Tiemann, die erst vor gut zwei Jahren der CDU beigetreten war, wurde von Gratulanten schier erdrückt. "Ich werde nun acht Jahre lang hart arbeiten", sagte die 46-Jährige. Acht Jahre, so lange dauert die Amtszeit. Schönbohm überreichte Blumen, sprach dann sogar von "einer Wende im Land Brandenburg".Trübsal hingegen bei der SPD, deren Parteigänger unweit im Ristorante "Di Mano" zusammengekommen waren. Um 19 Uhr stritt draußen vor der Tür Vize-Landesgeschäftsführer Lars Krumrey mit Parteifreunden darüber, wer drinnen das vorläufige Endergebnis verkünden soll. Denn das wollte eigentlich keiner tun. Ministerpräsident Matthias Platzeck und Landesgeschäftsführer Klaus Ness weilten weit weg auf dem Bundesparteitag in Bochum. "Und die Bundestagsabgeordnete Margit Spielmann ist gerade gegangen", schimpfte er. "Die SPD vor Ort hat Probleme gehabt, und das ist den Menschen nicht verborgen geblieben", sagte Langerwisch am Abend der Berliner Zeitung. "Das kann man nicht alles auf den Bundestrend schieben." Parteifreunde sagen, die Landespolitik habe sich erst eingeschaltet, als es zu spät war.Dietlind Tiemann hatte sich im Wahlkampf als pragmatische, sogar überparteiliche Kandidatin präsentiert. Sie werde als Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrates von Berlin und Brandenburg für Arbeitsplätze sorgen, versprach sie. Die Plakate mit ihrem Konterfei trugen die Aufschrift "Besser für Brandenburg". Das Parteilogo der CDU fehlte.Ihren eindrucksvollsten Wahlkampfauftritt hatte Tiemann am 15. Juli, als freiwillige Helfer die riesige Baugrube auf dem Neustädtischen Markt in der Stadt zuschütteten - auf ihre Initiative. Das "Brandenburger Loch", eine Baugrube für ein nie realisiertes Einkaufs- und Verwaltungszentrum, hatte zehn Jahre lang geklafft. Es galt als Beleg für eine ineffiziente Stadtverwaltung. Langerwisch, der damals als Oberbürgermeister amtierte, hatte sich erst Stunden vorher der Aktion angeschlossen, was dem Ansehen des langjährigen Polizeibeamten nicht unbedingt zuträglich war. Noch heute zürnt er seinen Parteifreunden, dass er bei der OB-Wahl vor anderthalb Jahren nicht erste Wahl war, sondern Helmut Schmidt, dem langjährigen Direktor der Fachhochschule, den Vortritt lassen musste. Schmidts krankheitsbedingtes Ausscheiden nach nur einem halben Jahr führte dazu, dass der korpulente Ex-Polizist schließlich als OB-Kandidatur antrat. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden im ersten Wahlgang hat die SPD noch einmal richtig Wahlkampf gemacht. Selbst Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und Ministerpräsident Matthias Platzeck kamen in die Stadt. "Nicht schwarz sehen, Norbert wählen" - so warb die SPD auf neuen Plakaten für ihren Mann.331 330 Wähler stimmberechtigt // Wahlorte: In 53 Gemeinden konnten am Sonntag 331 330 Stimmberechtigte entscheiden, wer neuer Bürgermeister in ihrem Ort wird. Dort hatte bei den Kommunalwahlen am 26. Oktober keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten.Kandidaten: Die SPD schickte insgesamt 22 Kandidaten in die Stichwahlen. Für die CDU kämpften 23 Bewerber um Bürgermeisterämter. Die PDS hatte noch drei Kandidaten im Rennen und die FDP fünf. Zudem standen 31 Einzelbewerber zur Wahl.Spannend: Die Oberbürgermeisterwahl in Brandenburg/Havel wurde mit Spannung erwartet. Vor drei Wochen verfehlte Dietlind Tiemann (CDU) mit rund 48 Prozent die absolute Mehrheit nur knapp. Norbert Langerwisch (SPD) erhielt rund 32 Prozent.DPA/NESTOR BACHMANN Strahlend: Dietlind Tiemann wird Brandenburger Oberbürgermeisterin.

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