Die Hamas hat Chalil al-Haja zu ihrem neuen Anführer bestimmt. Der bisherige Chefunterhändler der Organisation folgt auf Jihia al-Sinwar, der im Oktober 2024 bei einem Gefecht mit israelischen Soldaten im Gazastreifen getötet wurde. Seitdem war die Hamas von einem fünfköpfigen Führungsrat geleitet worden, dem auch al-Haja angehörte.
Die Entscheidung gab die Hamas am Montag bekannt. Ein 50-köpfiger Rat mit Vertretern aus dem Gazastreifen, dem Westjordanland, israelischen Gefängnissen und dem Exil bestimmte nach Angaben von Reuters den neuen Gesamtführer. Ein ranghoher Hamas-Funktionär sagte der Nachrichtenagentur AFP, al-Haja sei mit einer „überwältigenden Mehrheit“ gewählt worden. Der bisherige Führungsrat soll nun aufgelöst werden.
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Chalil al-Haja setzt sich gegen Chaled Meschaal durch
Al-Haja setzte sich nach einem längeren internen Auswahlverfahren gegen Chaled Meschaal durch, der die Hamas bereits von 1996 bis 2017 geführt hatte. Al-Haja gilt innerhalb der Hamas als Vertreter eines härteren Kurses als sein Rivale. Während Meschaal stärker auf Beziehungen zu arabischen Golfstaaten setzt, gilt al-Haja als enger Partner des Iran.
Damit entschied sich die Hamas nicht allein für einen neuen Funktionär an ihrer Spitze. Die Wahl zeigt auch, welcher Flügel sich innerhalb der geschwächten Organisation durchgesetzt hat. Al-Haja steht für die Fortsetzung der Beziehungen zu Teheran und zu den mit dem Iran verbündeten Gruppen in der Region.
Die palästinensische Analystin Reham Owda wertete seine Wahl gegenüber Reuters als Signal, dass die Hamas am bewaffneten Kampf festhalten, ihre militärischen Fähigkeiten wiederaufbauen und eine Entwaffnung ablehnen wolle. Gespräche über die Abgabe der Waffen dürften dadurch noch schwieriger werden, sagte Owda.
Vom Gazastreifen nach Katar
Al-Haja wurde 1960 in Gaza-Stadt geboren und wuchs dort auf. Innerhalb der Hamas stieg er über Jahre in die politische Führung auf und wurde schließlich Stellvertreter Sinwars im Gazastreifen. Wenige Tage vor dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 verließ er nach Angaben der israelischen Zeitung Times of Israel gemeinsam mit weiteren Funktionären das Gebiet und zog nach Katar. Seitdem lebt er in Doha.
Während des Gaza-Kriegs wurde al-Haja zu einem der bekanntesten Gesichter der Hamas. Er leitete die indirekten Gespräche über Waffenruhen und die Freilassung israelischer Geiseln. Trotz seiner Rolle als Unterhändler lehnte er eine Niederlegung der Waffen ab. Im April 2025 erklärte ein Hamas-Funktionär unter seiner Führung, die Organisation sei zu einer langfristigen Waffenruhe bereit, nicht aber zur Entwaffnung.
Israelischer Angriff auf Hamas-Führung in Doha
Im September 2025 gehörte al-Haja zu den Hamas-Funktionären, die Israel bei einem Angriff in Doha töten wollte. Die Mitglieder der Verhandlungsdelegation überlebten nach Angaben von Hamas-Quellen. Bei dem Angriff wurden jedoch unter anderem ein Sohn al-Hajas und sein Büroleiter getötet.
Ein weiterer Sohn starb im Mai 2026 infolge eines israelischen Angriffs im Gazastreifen. Nach Angaben von Reuters war er der vierte Sohn des neuen Hamas-Chefs, der bei israelischen Angriffen getötet wurde.
Entwaffnung bleibt Kernfrage der Gaza-Gespräche
Al-Haja übernimmt die Führung in einer für die Hamas existenziellen Lage. Der Gazastreifen ist nach mehr als zwei Jahren Krieg zu großen Teilen zerstört. Israel hält nach Angaben von Reuters weiterhin mehr als 60 Prozent des Küstengebiets besetzt. Trotz der seit Oktober geltenden Waffenruhe kommt es weiter zu israelischen Angriffen und bewaffneten Zusammenstößen.
Der von US-Präsident Donald Trump vorgelegte Plan sieht eine Entwaffnung der Hamas und einen schrittweisen Rückzug der israelischen Armee vor. Gespräche mit den Vermittlern Ägypten, Katar und der Türkei haben bislang keine Einigung über diese Punkte gebracht. Die Hamas hat zwar ihre formale Regierungsgewalt an ein technokratisches palästinensisches Komitee abgegeben, weigert sich aber weiterhin, ihre Waffen abzugeben.
Mit al-Haja an der Spitze dürfte sich daran zunächst wenig ändern. Sein Wahlsieg über Meschaal zeigt, dass sich in der Hamas jener Flügel behauptet hat, der auf die Verbindung zum Iran und den Erhalt der bewaffneten Strukturen setzt.
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