Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Großstadt Charkiw sind in der Nacht zum Dienstag nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 62 Menschen verletzt worden. Getroffen wurde eine medizinische Einrichtung im Stadtbezirk Nemyshljanskyj. Insgesamt 226 Patienten müssen in andere Krankenhäuser verlegt werden.
Das teilte der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleh Synjehubow, am Dienstagmorgen mit. Bis 6.15 Uhr Ortszeit war die Zahl der Verletzten auf 62 gestiegen. Alle Verletzten würden medizinisch versorgt. Nach Angaben der Behörden wurde ein Verbindungsgang zwischen zwei Krankenhausgebäuden getroffen. Auch eine Krankenhausabteilung wurde beschädigt.
Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow erklärte, die russischen Streitkräfte hätten die Stadt mit ballistischen Raketen und gelenkten Fliegerbomben angegriffen. Die Druckwelle habe mehr als 1000 Fensterscheiben im Krankenhaus und in dessen Umgebung zerstört.
Auch Wohnhäuser beschädigt
Nach Angaben der regionalen Militärverwaltung wurden mindestens vier Wohnhäuser beschädigt. Am Dienstagmorgen waren noch Rettungskräfte vor Ort.
Charkiw liegt rund 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Seit Kriegsbeginn wird die Stadt immer wieder mit Raketen, Drohnen und Fliegerbomben angegriffen.
Selenskyj warnt vor Großangriff
Bei russischen Luftangriffen auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja waren am Montag mindestens 26 Menschen getötet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte zudem vor einem weiteren schweren russischen Angriff während der Kongresswahlen an diesem Dienstag in den USA. Nach ukrainischen Geheimdiensterkenntnissen plane Moskau unter anderem Attacken auf die Energieversorgung des Landes, berichtete die dpa.
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Selenskyj befürchtet demnach, dass die Lage in der Ukraine während der US-Wahlen international weniger Beachtung findet. US-Präsident Donald Trump hatte Russland und die Ukraine aufgefordert, ihre gegenseitigen Angriffe auf die Energieinfrastruktur einzustellen.
Russland meldet fast 500 Drohnen in Richtung Moskau
Gleichzeitig griff die Ukraine Ziele in Russland an. In der Nacht zum Dienstag seien 493 ukrainische Drohnen in Richtung Moskau geflogen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin auf Telegram mit. Die meisten seien weit vor Moskau abgeschossen worden. 187 Drohnen habe die Luftabwehr nach Angaben Sobjanins erst beim Anflug auf die Hauptstadt abgefangen, berichtete AFP.
Hackerangriffe lösen falsche Atomwarnungen aus
Zuvor waren die offiziellen Warn-Apps beider Länder bei Cyberangriffen manipuliert worden. Selenskyj bezeichnete das Hacken der russischen Warn-App für Luftangriffe als ukrainischen Gegenangriff. Die gefälschten Meldungen behaupteten, sämtliche Regionen Russlands würden mit Atomwaffen angegriffen. Laut der Zeitung Kommersant erschienen sie auch in regionalen Behördenkanälen des Messengers Max und im Telegram-Kanal des Krisenstabs der Region Belgorod.
In der Ukraine verbreitete die betroffene App am Sonntagabend falsche Warnungen vor angeblichen Atomangriffen, radioaktiver Strahlung, chemischen Gefahren und Straßenkämpfen.
Neue Gespräche über Kriegsende angekündigt
Unterdessen haben die USA weitere Verhandlungen mit Vertretern Russlands und der Ukraine angekündigt. Die Delegationen sollen am 10. und 11. November in Abu Dhabi zusammenkommen, wie der US-Sondergesandte Steve Witkoff mitteilte.
Bei den Gesprächen soll es unter anderem um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, eine Verringerung der Kampfhandlungen und humanitäre Maßnahmen gehen. Die USA wollen bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine vermitteln.
Witkoff kündigte für diese Woche außerdem Gespräche US-amerikanischer Unterhändler mit Vertretern europäischer Staaten und der Nato in Brüssel an. Dabei sollen Sicherheitsgarantien für die Ukraine und Fragen der europäischen Sicherheitsordnung nach dem Krieg erörtert werden.
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