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Russland-Gas über die Ukraine: WSJ enthüllt US-Plan für diesen Winter – trotz EU-Verbot

Die USA wollen laut neuem Bericht noch diesen Winter Russland-Gas durch die Ukraine nach Europa bringen. Das wäre schneller als über Nord Stream. Wie geht das?

5 Min
Ein ukrainischer Arbeiter überprüft die Gasventile einer Haupterdgaspipeline in einer Gaskompressorstation im Dorf Bojarka bei Kiew am 22. April 2015. Symbolbild.

Ein ukrainischer Arbeiter überprüft die Gasventile einer Haupterdgaspipeline in einer Gaskompressorstation im Dorf Bojarka bei Kiew am 22. April 2015. Symbolbild.

© imago stock&people

Die USA drängen auf eine schnelle Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen durch die Ukraine nach Europa. Der Vorschlag soll Teil einer Energiewaffenruhe zwischen Moskau und Kiew werden und noch vor dem Winter Bewegung in die Verhandlungen bringen. Das berichtet das Wall Street Journal (WSJ) exklusiv unter Berufung auf amerikanische, europäische und ukrainische Regierungsvertreter.

Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner brachten die Idee demnach bereits im September bei Gesprächen in Moskau und Kiew vor. Nun werden Details dazu bekannt, wie Washington das Geschäft trotz des europäischen Verbots russischer Gasimporte abwickeln will.

Ein amerikanischer Vermittler soll das Gas in Russland kaufen und anschließend über die ukrainischen Pipelines nach Europa verkaufen. Nach Darstellung von Teilnehmern der Gespräche könnte das auch amerikanischen Investoren ein lukratives Geschäft eröffnen.

Russlands Gaseinnahmen sollen auf ein Treuhandkonto fließen

Washington will zugleich verhindern, dass Moskau die Einnahmen unmittelbar für den Krieg verwendet. Russland soll die Erlöse aus den Gasverkäufen auf ein Treuhandkonto in einem Drittstaat einzahlen, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter dem WSJ.

Wer den Vermittler stellen, das Konto kontrollieren und über die Freigabe des Geldes entscheiden soll, bleibt offen. Auch zu möglichen Liefermengen, Preisen und Vertragslaufzeiten nennt der Bericht keine Angaben.

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Die Ukraine soll Einnahmen aus dem Gastransit erhalten. Die Leitungen verbinden die westsibirischen Gasfelder über ukrainisches Gebiet mit der Slowakei und von dort mit Österreich und Deutschland. Nach Einschätzung der amerikanischen Seite könnten sie deutlich schneller wieder in Betrieb gehen als die beschädigten Nord-Stream-Pipelines.

Russisches Gas floss trotz des Krieges noch bis Ende 2024 durch die Ukraine. Der Transit endete, als der Vertrag zwischen Kiew und Moskau zum Jahreswechsel auslief. Für eine Wiederaufnahme wäre deshalb eine neue Vereinbarung nötig.

Angriffe auf russische Raffinerien erhöhen den Zeitdruck

Der US-Plan lag nach Angaben des WSJ zwischenzeitlich auf Eis. Die Ukraine hatte auf Druck von US-Präsident Donald Trump ihre Angriffe auf russische Raffinerien für fast zwei Wochen ausgesetzt. Russland setzte seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung in dieser Zeit jedoch fort und begann zugleich, Diesel in die USA zu liefern.

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Am Freitag nahm Kiew seine Angriffe wieder auf. Innerhalb von drei Tagen attackierte die Ukraine nach Darstellung des WSJ drei große russische Raffinerien. Dadurch habe die Suche nach einer umfassenderen Energiewaffenruhe neue Dringlichkeit erhalten.

Mitte November sollen in Abu Dhabi Dreiergespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine stattfinden. Moskau habe amerikanische Versuche, eine solche Vereinbarung zu erreichen, bislang zurückgewiesen.

Washington hofft dem Bericht zufolge, dass die Aussicht auf eine Rückkehr in den europäischen Gasmarkt Wladimir Putin zum Einlenken bewegen könnte. Im Gegenzug soll die Ukraine vor weiteren russischen Angriffen auf ihre Energieanlagen geschützt werden.

Bereits Ende Oktober hatte Le Monde berichtet, Witkoff habe der ukrainischen Delegation die Transitgebühren als Teil eines regionalen „Win-win“-Geschäfts angeboten. Der Chef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Kyrylo Budanow, lehnte den Vorschlag demnach aus Sorge vor einer neuen wirtschaftlichen Abhängigkeit von Moskau ab.

US-Vermittler hebt das EU-Verbot nicht automatisch auf

Ob sich der Vorschlag rechtlich umsetzen ließe, ist unklar. Die EU hat seit dem 18. März 2026 neue Verträge über russisches Pipelinegas und Flüssigerdgas verboten. Für ältere Verträge gelten Übergangsfristen. Langfristige Verträge über Pipelinegas dürfen grundsätzlich noch bis zum 30. September 2027 erfüllt werden.

Dass ein amerikanisches Unternehmen als Zwischenhändler auftritt, ändert nicht automatisch die Herkunft des Gases. Nach den EU-Regeln müssen Importeure nachweisen, wo es produziert wurde und auf welcher vertraglichen Grundlage es in die EU gelangt. Die Vorschriften sollen gerade verhindern, dass russisches Gas über Zwischenhändler oder Drittstaaten umetikettiert wird.

Über eine Rückkehr zu russischem Pipelinegas kann Washington nicht allein entscheiden: Die Ukraine müsste den Transit erlauben, Russland einer Energiewaffenruhe zustimmen und die EU eine rechtliche Grundlage für die Einfuhr schaffen.

Russland-Gas über US-Vermittler: So reagiert die EU-Kommission auf Anfrage der Berliner Zeitung

Die EU-Kommission hatte amerikanisch-russische Pläne zur Wiederaufnahme von Gaslieferungen zuletzt Ende Oktober grundsätzlich zurückgewiesen. Der Ausstieg gelte unabhängig davon, ob der Ukraine-Krieg beendet werde, erklärte Brüssel. Mehrere europäische Regierungsvertreter äußerten auch gegenüber dem WSJ scharfen Widerstand.

Ob die Konstruktion mit US-Vermittler und Treuhandkonto mit dem EU-Verbot vereinbar wäre, ließ die EU-Kommission gegenüber der Berliner Zeitung offen. Zum Bericht des WSJ wolle sie sich vorerst nicht äußern, teilte Energie-Sprecherin Anna-Kaisa Itkonen am Montag mit. Der politische Kurs sei eindeutig: Bis Ende 2027 solle sämtliches russisches Gas entsprechend der geltenden Rechtslage vom europäischen Markt verschwinden.

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