„Ich werde sie bis Ende dieses Monats töten“, schrieb Darren Z. laut Gerichtsunterlagen an ChatGPT. In einer weiteren Nachricht hieß es demnach: „Wenn ich sie nicht haben kann, kann sie niemand haben.“
Der damals 25-Jährige beließ es nicht bei einzelnen Drohungen. Über mehrere Wochen soll er der Künstlichen Intelligenz immer konkretere Pläne geschildert haben. OpenAI meldete die Gespräche schließlich dem FBI.
Sechs Tage vor der Festnahme von Z. übergab die Bundespolizei den Ermittlern im Palm Beach County rund zwei Monate seines Chatverlaufs. Ein Gespräch, das Z. möglicherweise für persönlich hielt, wurde damit zu einem zentralen Bestandteil der Ermittlungen - und verhinderte so vermutlich ein Verbrechen.
Bankraub mit ChatGPT: Dummer Handy-Fehler verrät Plan des Täters
Blumen, eine Waffe und ein Parkplatz
Nach der Trennung soll Z. ChatGPT einen genauen Ablauf beschrieben haben: Er wollte mit Blumen auf seine ehemalige Freundin auf dem Parkplatz ihres Fitnessstudios warten und sie um eine Versöhnung bitten.
Falls sie ihn zurückweisen sollte, wollte er nach Angaben in der eidesstattlichen Erklärung der Ermittler eine Waffe ziehen, die Frau erschießen und anschließend sich selbst töten. Später soll er auch über Entführung, sexuelle Gewalt und Angriffe auf Angehörige der Frau geschrieben haben.
Über die Details des Chatverlaufs berichteten zuerst der Palm Beach Post und lokale Medien unter Berufung auf die Ermittlungsakten. Auch NDTV und Cybernews werteten die Gerichtsunterlagen aus.
Z. arbeitete den Berichten zufolge zu dieser Zeit als Finanzanalyst bei Goldman Sachs in West Palm Beach. Die sechsmonatige Beziehung war im März 2026 zerbrochen. Die damals 21-jährige Frau erklärte den Ermittlern, sie habe die Beziehung telefonisch beendet, weil sie Angst vor seiner Reaktion gehabt habe. Sie beschrieb Z. als unberechenbar, eifersüchtig und kontrollierend.
Ermittler vergleichen Chats mit Nachrichten an die Frau
Nach der Trennung soll Z. die Frau über Anrufe, Textnachrichten und soziale Netzwerke bedrängt haben. Als sie seine Nummer und sein Instagram-Konto blockierte, habe er über verschiedene Apps neue Telefonnummern erzeugt.
Die Frau übergab den Ermittlern später Screenshots von Nachrichten, die Z. ihr geschickt haben soll. Die Beamten verglichen sie mit den von OpenAI übermittelten ChatGPT-Gesprächen. Ein Ermittler kam zu dem Schluss, dass die Äußerungen über allgemeine Wut nach einer Trennung hinausgingen und ein Muster aus konkreten Drohungen und wiederholter Planung zeigten.
Am 29. Mai wurde Z. festgenommen. Er verbrachte zwei Tage im Gefängnis des Palm Beach County und kam anschließend gegen eine Kaution von 100.000 US-Dollar frei. Goldman Sachs beendete sein Arbeitsverhältnis im Juni.
Wann OpenAI Gespräche an die Polizei weitergibt
OpenAI setzt automatische Systeme ein, um Hinweise auf Gewalt, Drohungen und andere Verstöße gegen die Nutzungsregeln zu erkennen. Markierte Gespräche werden nach Angaben des Unternehmens von geschulten Mitarbeitern im Zusammenhang geprüft.
Die meisten Fälle führen demnach höchstens zu einer Sperrung des Nutzerkontos. Erkennt OpenAI jedoch ein „unmittelbares und glaubwürdiges Risiko“ für andere Menschen, können die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden. Das Unternehmen beschreibt dieses Verfahren in seinen Regeln zum Umgang mit Gewaltandrohungen.
OpenAI erklärt dort ausdrücklich, dass automatische Systeme nicht allein über eine Meldung entscheiden. Mitarbeiter prüfen auch den Gesprächsverlauf und mögliche Verhaltensmuster. Nur ein begrenzter Teil der markierten Fälle werde zur genaueren Untersuchung weitergeleitet.
Schuldbekenntnis, aber keine Haftstrafe
Die Staatsanwaltschaft warf Z. schwere Nachstellung, schriftliche oder elektronische Tötungsdrohungen sowie die Nutzung eines Kommunikationsgeräts bei der Begehung einer Straftat vor.
Am 13. August bekannte er sich in allen drei Punkten schuldig. Richter Scott Suskauer verhängte acht Jahre Bewährung. In den ersten beiden Jahren muss Zhou elektronisch überwacht werden. Zudem darf er keinen Kontakt zu seiner ehemaligen Freundin aufnehmen und keine Waffen besitzen.
Der Richter nahm das Schuldbekenntnis an, verzichtete jedoch auf eine formelle Verurteilung. In Florida wird dieses Vorgehen als „withheld adjudication“ (Aussetzung des Schuldspruchs) bezeichnet. Die ehemalige Freundin hatte der Vereinbarung nach Angaben aus dem Verfahren zugestimmt.
Ausgebrochene OpenAI-Modelle waren tagelang im Internet unterwegs – wohl Tausende KI-Angriffe
ChatGPT, Elon Musk, Sam Altman: Wie es zum Machtkampf hinter der KI-Revolution kam
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]