Megaprojekt

China baut Lateinamerikas längste Brücke über dem Meer in Brasilien

Chinesische Konzerne errichten in Brasilien eine 12,4 Kilometer lange Meeresbrücke. Für das Milliardenprojekt ist nun das größte Pfahlrammschiff der Welt unterwegs.

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Blick über die Baía de Todos-os-Santos vor Salvador. Hier soll die 12,4 Kilometer lange Brücke nach Itaparica entstehen.

Blick über die Baía de Todos-os-Santos vor Salvador. Hier soll die 12,4 Kilometer lange Brücke nach Itaparica entstehen.

© Joa Souza/imago

In Brasilien entsteht eine Brücke, die nach ihrer Fertigstellung einen Rekord in Lateinamerika aufstellen soll. Die Salvador-Itaparica-Brücke führt über die Baía de Todos-os-Santos im Bundesstaat Bahia und wird auf 12,4 Kilometern vollständig über Wasser verlaufen. Damit soll sie die längste Brücke Lateinamerikas nach Länge des Abschnitts über Wasser werden.

Gebaut wird das Projekt von chinesischen Unternehmen. Hinter der zuständigen Konzessionsgesellschaft stehen die China Railway Construction Corporation (CRCC) und die China Communications Construction Company (CCCC), zwei staatlich kontrollierte chinesische Infrastrukturkonzerne mit Projekten in zahlreichen Ländern.

Die Bauarbeiten wurden am 1. Juli offiziell gestartet. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Bahias Gouverneur Jerônimo Rodrigues nahmen an der Zeremonie auf der Insel Itaparica teil. Fertiggestellt werden soll die Verbindung im Juni 2031.

682 Meter zwischen den beiden Hauptpfeilern

Besonders anspruchsvoll ist der zentrale Schrägseilabschnitt. Nach Angaben der Konzessionsgesellschaft wurde sein Hauptfeld im Zuge der Planung von 482 auf 682 Meter vergrößert. Damit soll die Passage großer Frachtschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Tanker erleichtert werden. Die Regierung von Bahia gibt die Durchfahrtshöhe mit 85 Metern an. Sie soll auch für sehr große kommerzielle Schiffe ausreichen.

Mit der 682 Meter langen Hauptspannweite würde die Brücke zu den 25 größten Schrägseilbrücken der Welt gehören. Die gesamte Brücke ist jedoch deutlich länger als dieser zentrale Abschnitt: Von den 12,4 Kilometern entfallen große Teile auf die Zufahrtsfelder über der Bucht.

Das gesamte neue Straßensystem umfasst sogar 46,8 Kilometer. Neben der Brücke entstehen 4,4 Kilometer neue Straßen und Bauwerke in Salvador, eine 22 Kilometer lange Schnellstraße auf Itaparica sowie acht Kilometer ausgebaute Strecke der BA-001.

Größtes Pfahlrammschiff der Welt unterwegs nach Brasilien

Wie aufwendig die Konstruktion ist, zeigt ein Spezialschiff, das Ende September in der chinesischen Provinz Jiangsu Richtung Brasilien ausgelaufen ist. Die „Tiejian Daqiao Zhuang 1“ soll die Pfähle für die Fundamente der Brücke im Meeresboden verankern. Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua handelt es sich um das größte Pfahlrammschiff seiner Art weltweit.

Das Schiff besitzt demnach einen 156 Meter hohen Rammturm und kann Pfähle mit einem Gewicht von bis zu 700 Tonnen bewegen. Es ist für Arbeiten in bis zu 70 Meter tiefem Wasser ausgelegt. Im Bereich der künftigen Hauptbrücke erreicht die Baía de Todos-os-Santos eine Wassertiefe von etwa 64 Metern. Die Reise von China nach Brasilien soll rund 45 Tage dauern.

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Auch bei den Bauarbeiten selbst kommt chinesische Technik zum Einsatz. Eine fast über die gesamte Brückenstrecke reichende Arbeitsplattform soll Beschäftigte, Maschinen und Material über dem Wasser transportieren. Nach Angaben der Konzessionsgesellschaft soll dadurch der Einsatz von Unterstützungsbooten um rund 70 Prozent reduziert werden.

Rund 2,15 Milliarden Euro für das Großprojekt

Die Regierung von Bahia bezifferte das Investitionsvolumen im August auf rund zwölf Milliarden Reais. Das entspricht beim aktuellen Wechselkurs etwa 2,15 Milliarden Euro. Zum offiziellen Baustart im Juli war noch von 11,6 Milliarden Reais die Rede. Davon sollten drei Milliarden Reais vom brasilianischen Bund, 3,1 Milliarden vom Bundesstaat Bahia und 5,5 Milliarden von der Konzessionsgesellschaft kommen.

Die neue Verbindung soll weit mehr als Salvador und Itaparica miteinander verbinden. Nach Angaben der Regierung von Bahia werden rund 250 Kommunen mit etwa zehn Millionen Einwohnern von kürzeren Verkehrswegen profitieren. Zum Start rechnen die Planer mit rund 28.000 Fahrzeugen täglich.

Für Autofahrer soll sich die Fahrt von Salvador in den Süden Bahias deutlich verkürzen. Die Konzessionsgesellschaft rechnet auf einzelnen Verbindungen mit Einsparungen von bis zu zwei Stunden. Der Vertrag läuft über insgesamt 35 Jahre. Nach der Bauphase soll das chinesisch kontrollierte Unternehmen das Straßensystem betreiben und über Mautgebühren mitfinanzieren.

Das Vorhaben reicht bereits mehrere Jahre zurück. Ein chinesisches Konsortium gewann die Ausschreibung 2019, der Konzessionsvertrag wurde Ende 2020 geschlossen. Nach Verzögerungen und einer Neuordnung des Projekts begann der eigentliche Bau schließlich im Sommer 2026.

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