Chinas Industrieunternehmen haben im September deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Die Gewinne größerer Industriebetriebe stiegen um 14,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie das Nationale Statistikamt am Dienstag (27. Oktober) mitteilte. Im August hatte das Plus lediglich 4,2 Prozent betragen. Besonders stark profitiert die chinesische Wirtschaft derzeit vom weltweiten Boom bei Künstlicher Intelligenz.
Allerdings zeichnen die neuen Zahlen des chinesischen Statistikamtes ein sehr unterschiedliches Bild. Während Hersteller von Computern, Halbleitern und elektronischen Bauteilen enorme Gewinnsteigerungen erzielen, kämpfen andere Industriezweige mit sinkenden Erträgen. Besonders deutlich zeigt sich das in der Automobilindustrie.
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Chinas Elektronikindustrie verdoppelt ihre Gewinne
In den ersten neun Monaten des Jahres erwirtschafteten Chinas größere Industrieunternehmen insgesamt rund 6,03 Billionen Yuan Gewinn (umgerechnet etwa 812 Milliarden Euro). Das entspricht einem Anstieg von 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Von Januar bis August hatte die Wachstumsrate noch bei 15,7 Prozent gelegen.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist die Elektronikindustrie. Die Gewinne der Hersteller von Computern, Kommunikationsgeräten und anderer elektronischer Ausrüstung stiegen von Januar bis September um 103,8 Prozent.
Laut einer Analyse des chinesischen Statistikamtes steuerte diese Branche allein 9,6 Prozentpunkte zum gesamten Gewinnwachstum bei. Besonders stark gefragt sind Bauteile für KI-Rechenzentren, moderne Speichertechnologien und leistungsfähige Computer.
Auch die Gewinne der gesamten Hightech-Industrie legten kräftig zu. Sie stiegen in den ersten neun Monaten um 52 Prozent. Hersteller von Glasfasern, die für den Ausbau von Datennetzen und Rechenzentren benötigt werden, konnten ihre Gewinne sogar vervielfachen.
Der Chefökonom für China bei CITIC Bank International, Ding Meng, sieht darin einen wichtigen Wachstumsmotor. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er, die Nachfrage aus dem In- und Ausland nach Produkten für Künstliche Intelligenz sei inzwischen eine wesentliche Stütze der Industriegewinne. Solange der weltweite Investitionsboom in diesem Bereich nicht deutlich nachlasse, sei mit weiterem Gewinnwachstum zu rechnen.
Chinas Autobauer verlieren fast ein Viertel ihrer Gewinne
Abseits der Technologiebranche sieht die Entwicklung allerdings deutlich schlechter aus. Die Gewinne der chinesischen Automobilhersteller sanken in den ersten neun Monaten um 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei stiegen ihre Umsätze sogar um 2,6 Prozent.
Die Zahlen verdeutlichen den enormen Preisdruck auf dem chinesischen Automarkt. Hersteller liefern weiterhin große Mengen Fahrzeuge aus, verdienen daran aber teilweise deutlich weniger. Besonders der intensive Wettbewerb bei Elektroautos belastet die Gewinnmargen.
Ein Güterzug fährt im chinesischen Hafen Yantai an exportbereiten Neuwagen vorbei. Chinas Autobauer leiden unter sinkenden Gewinnen.
© Chinatopix/dpa
Auch die Möbelindustrie verzeichnete mit einem Minus von 51,3 Prozent massive Einbußen. Bei den Herstellern von Baustoffen wie Zement und Glas brachen die Gewinne um 46,9 Prozent ein. In der Eisen- und Stahlindustrie betrug der Rückgang sogar 73,3 Prozent.
Andere Branchen profitieren dagegen von der starken Nachfrage nach Rohstoffen. Die Gewinne der Buntmetallindustrie, zu der unter anderem die Verarbeitung von Kupfer und Aluminium gehört, stiegen um 79,7 Prozent. In der Chemieindustrie betrug das Plus 49,2 Prozent.
Chinas Wirtschaft wächst – doch der Binnenkonsum schwächelt
Die Zahlen verdeutlichen eine zentrale Herausforderung für Chinas Wirtschaft: Technologisch führende Branchen expandieren, während viele Unternehmen, die auf die Nachfrage chinesischer Verbraucher angewiesen sind, unter schwachem Konsum leiden.
Nach Angaben des Statistikamtes stiegen die Einzelhandelsumsätze im September lediglich um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich war der Rückgang beim Verkauf von Autos, der wertmäßig um 21,2 Prozent einbrach.
Die gesamte chinesische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt das Land weiterhin in Reichweite seines offiziellen Wachstumsziels von 4,5 bis 5 Prozent für 2026.
Zugleich nehmen die Risiken für exportorientierte Unternehmen zu. Wie Reuters berichtet, verschärfen Chinas hohe Handelsüberschüsse die wirtschaftspolitischen Spannungen mit wichtigen Handelspartnern, insbesondere in Europa. Neue Handelsbeschränkungen könnten zusätzliche Belastungen bringen.
Die chinesische Regierung will deshalb die Binnennachfrage stärken und neue Wachstumsmotoren fördern. Nach Einschätzung des Statistikamtes sollen vor allem moderne Technologien und eine effizientere Industrieproduktion dazu beitragen.
Die jüngsten Zahlen zeigen jedoch, wie unterschiedlich sich die Branchen entwickeln: Während die Elektronikindustrie ihre Gewinne mehr als verdoppelt hat, verlieren Autohersteller und andere traditionelle Industriezweige erhebliche Teile ihrer Erträge.
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