Raumfahrt

China schießt neue Internetsatelliten ins All – während Europa Unabhängigkeit von Starlink sucht

China baut sein Satellitennetz aus. Zugleich treiben die Ukraine und europäische Unternehmen eigene Projekte voran – auch wegen der Abhängigkeit von SpaceX.

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Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 8A startet am 25. Oktober 2026 im chinesischen Wenchang.

Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 8A startet am 25. Oktober 2026 im chinesischen Wenchang.

© China News Service/imago

China hat eine Gruppe von Internetsatelliten in die Erdumlaufbahn gebracht. Eine Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 8A startete am Sonntag um 10.03 Uhr Pekinger Zeit vom kommerziellen Weltraumbahnhof auf Hainan, wie die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA mitteilte. Die Satelliten erreichten demnach inzwischen ihre vorgesehene Umlaufbahn.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua handelt es sich um die 28. Gruppe des Programms für niedrig fliegende Internetsatelliten. Entwickelt wurden sie von der China Academy of Space Technology. Die Bezeichnung steht für die Nummer der Gruppe, nicht für die Zahl der transportierten Satelliten. Diese wurde nicht genannt. Der Start war laut Xinhua die 674. Mission der Langer-Marsch-Raketenfamilie.

Streit um Starlink zeigt Risiken der Abhängigkeit

Satellitennetze können Internetverbindungen auch dort bereitstellen, wo Mobilfunk und Festnetz fehlen oder zerstört sind. Ihre militärische Bedeutung zeigt sich in der Ukraine: Einschränkungen der SpaceX-Dienste Starlink und Starshield beeinträchtigten zuletzt nach ukrainischen Angaben Drohneneinsätze und die Abwehr russischer Angriffe.

Am Samstag meldete das ukrainische Verteidigungsministerium schließlich wieder stabile Verbindungen bei Bewegungsgeschwindigkeiten von mehr als 400 Kilometern pro Stunde. Gemeint ist die Geschwindigkeit der Fluggeräte mit Satellitenterminals, nicht die Datenübertragungsrate.

SpaceX-Chef Elon Musk begründete Eingriffe beim kommerziellen Starlink-Dienst mit angeblich unerlaubten offensiven Drohneneinsätzen. Ukrainische Vertreter widersprachen. Davon zu unterscheiden ist die Frage, wer die Einschränkungen des militärischen Dienstes Starshield veranlasste. Dazu liegen widersprüchliche Darstellungen vor. Eine eindeutige Verantwortung ist öffentlich nicht geklärt.

Ukraine prüft eigenes Netz mit finnischen Partnern

Kiew sucht deshalb nun nach Möglichkeiten, wichtige Kommunikationsverbindungen selbst zu kontrollieren. Das Verteidigungsministerium unterzeichnete am 22. Oktober dazu eine Absichtserklärung mit den finnischen Unternehmen Nokia und ICEYE. Nach Angaben von ICEYE soll die Zusammenarbeit den Aufbau eigenständig kontrollierter Satellitenkommunikation prüfen.

Das Konzept sieht vor, dass Staaten Satelliten, Bodenstationen und Endgeräte selbst besitzen und steuern können. Für das ukrainische Vorhaben wurden bislang weder Kosten noch eine Satellitenzahl oder ein verbindlicher Starttermin veröffentlicht. Die Erklärung ist damit zunächst ein Schritt zur Prüfung der Zusammenarbeit.

EU plant sichere Verbindungen mit Iris²

Auch die EU arbeitet an einem eigenen System. Nach einer Mitteilung der Europäischen Kommission umfasst die überarbeitete Planung für Iris² insgesamt 348 Satelliten in niedrigen und mittleren Erdumlaufbahnen. Erste Starts sind für das Jahr 2029 vorgesehen.

Das Netz soll sichere Kommunikation für Behörden, Verteidigung und Rettungsdienste ermöglichen sowie kommerzielle Anwendungen unterstützen. Ziel ist es, Europas Kontrolle über kritische Kommunikationsinfrastruktur zu stärken und Verbindungen auch in Krisen aufrechtzuerhalten.

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Mobilfunkanbieter wollen Satelliten direkt ans Handy bringen

Einen anderen Ansatz verfolgen Deutsche Telekom, Orange, Telefónica und Vodafone. Laut der Deutschen Telekom prüfen sie eine gemeinsame Bewerbung um europäische Frequenzen für mobile Satellitendienste. Geeignete Mobilgeräte sollen sich direkt mit Satelliten verbinden können, um Versorgungslücken zu überbrücken.

Die Konzerne wollen zentrale Bodeninfrastruktur und Steuerungsfunktionen in Europa aufbauen. Eine eigene Satellitenkonstellation planen sie innerhalb dieser Initiative nicht. Diese soll ein noch auszuwählender Partner bereitstellen. Bestehende Satellitenpartnerschaften bleiben bestehen. Wann daraus ein Angebot für Kunden wird und was es kosten soll, ist noch offen.

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