China will gemeinsam mit Pakistan die Sicherheit des Wirtschaftskorridors zwischen beiden Ländern stärken. Das sagte Liu Haixing, Leiter der internationalen Abteilung der Kommunistischen Partei Chinas, bei Gesprächen mit Pakistans Regierungs- und Militärführung am Montag.
Nach einem Bericht der South China Morning Post bot Liu an, den „sicheren und reibungslosen Betrieb“ der strategischen Verbindung zu gewährleisten. Ob etwa zusätzliche Schutzkräfte, Ausrüstung oder gemeinsame Einsätze vorgesehen sind, erläuterte er nicht. Zugleich nehmen Angriffe separatistischer Gruppen in der Region um den Hafen Gwadar zu.
Liu traf Armeechef Asim Munir sowie Premierminister Shehbaz Sharif. Gegenüber Munir warb er laut der Zeitung unter Berufung auf eine chinesische Mitteilung für den Ausbau des China-Pakistan Economic Corridor, kurz CPEC. Bei Sharif kündigte er eine vertiefte Sicherheitszusammenarbeit an. Pakistans Regierungsinformationsamt bestätigte das Treffen mit dem Premierminister und nannte Handel, Investitionen, Infrastruktur, IT und Landwirtschaft als gemeinsame Schwerpunkte.
Warum die Verbindung für China wichtig ist
Der milliardenschwere Korridor ist eines der Vorzeigeprojekte der chinesischen Initiative Neue Seidenstraße. Er soll Chinas Westen mit dem Arabischen Meer verbinden, einem Teil des Indischen Ozeans. Zu ihm gehören Verkehrswege, Energieanlagen und der von einem chinesischen Unternehmen betriebene Hafen Gwadar in der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan.
Für Peking hat die Verbindung strategische Bedeutung: Sie könnte dazu beitragen, die starke Abhängigkeit von Seewegen durch Südostasien zu verringern. Ein erheblicher Teil der chinesischen Energieimporte passiert die enge Straße von Malakka. Eine zusätzliche Verbindung über Pakistan würde China mehr Möglichkeiten für Handel und Versorgung geben.
Auch der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Aufmerksamkeit auf Gwadar gelenkt. Der Hafen liegt außerhalb der Straße von Hormus, durch die Schiffe vom Persischen Golf ins offene Meer gelangen. Laut dem Konfliktforschungsprojekt ACLED hat der Frachtverkehr in Gwadar zugenommen. Seine Lage nahe dem Iran biete Schiffen vorübergehende Anlegemöglichkeiten.
Separatisten greifen auch auf See an
Doch die Sicherheitslage gefährdet diese wirtschaftlichen Pläne. Nach ACLED-Daten lag die militante Gewalt in Belutschistan bereits bis Mitte Oktober über dem Niveau des gesamten Jahres 2025. Die Provinz habe damit Khyber Pakhtunkhwa als gewalttätigste Region Pakistans in diesem Jahr überholt.
Die separatistische Baloch Liberation Front griff im Oktober im Rahmen ihrer „Operation Almas“ koordiniert Sicherheitsposten und Konvois im Distrikt Gwadar an. Die pakistanische Armee erklärte laut der South China Morning Post, bei einer anschließenden Operation zehn Militante getötet zu haben. Bereits am 11. Oktober hatte die maritime Einheit der Baloch Liberation Army zwei Boote der pakistanischen Küstenwache angegriffen.
ACLED-Analyst Zain Shah zufolge sehen Separatisten in den CPEC-Projekten eine Ausbeutung lokaler Ressourcen. Angriffe auf Gwadar könnten ihnen zugleich internationale Aufmerksamkeit verschaffen und Pakistans wirtschaftliche sowie geopolitische Vorhaben treffen. Erfolgreiche Attacken in dem stark gesicherten Gebiet deuteten auf eine wachsende Stärke der Gruppen hin.
Ausbau über Straßen und Energie hinaus
Peking und Islamabad wollen den Korridor unter der Bezeichnung „CPEC 2.0“ erweitern. Nach Angaben der South China Morning Post sollen Industrie, Landwirtschaft, Bergbau und private Investitionen stärker einbezogen werden. Damit würde die Zusammenarbeit über den bisherigen Schwerpunkt auf Infrastruktur und Energie hinausgehen.
Bei Lius Treffen mit Munir ging es nach Angaben des staatlichen Senders Radio Pakistan auch um die regionale und internationale Sicherheitslage. Beide Seiten bekräftigten ihre strategische Partnerschaft. Munir sprach sich für engere institutionelle Beziehungen und eine breitere Zusammenarbeit aus.
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