Das Verteidigungsministerium in Taipeh erfasste binnen 24 Stunden 16 chinesische Militärflugzeuge und acht Marineschiffe rund um Taiwan – von Freitag 6 Uhr bis Samstag 6 Uhr Ortszeit. Nach taiwanischen Angaben überquerten 13 der 16 Maschinen die Mittellinie der Taiwanstraße und drangen in die nördliche, zentrale, südwestliche und östliche Luftverteidigungszone (ADIZ) Taiwans ein. Als Reaktion habe man eigene Kampfflugzeuge, Marineschiffe sowie küstengestützte Raketensysteme in Bereitschaft versetzt.
Allein im laufenden Monat verzeichnete das Ministerium 186 Sichtungen chinesischer Militärflugzeuge und 174 Schiffsbewegungen. Seit September 2020 setzt China nach Angaben taiwanischer Behörden verstärkt auf sogenannte Grauzonen-Taktiken. Dabei handelt es sich um Maßnahmen unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Konflikts, mit denen Staaten nach Einschätzung der Washingtoner Denkfabrik CSIS sicherheitspolitische Ziele ohne offenen Waffeneinsatz durchsetzen wollen.
Taiwans Sicherheitschef Joseph Wu schrieb am Samstag auf X, China habe in regionalen Gewässern mehr als 100 Schiffe eingesetzt, darunter Einheiten der Marine und der Küstenwache. Der Einsatzraum reiche vom Gelben Meer vor der koreanischen Halbinsel bis ins Südchinesische Meer. China sei in der Region „das einzige Problem, das den Status Quo zerstört und den regionalen Frieden und die Stabilität bedroht“, so Wu.
Auch Forschungsschiffe gesichtet
Der Anlass des Manövers blieb zunächst offen. Aus taiwanischen Sicherheitskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass chinesische Schiffe bereits vor der Reise von US-Präsident Donald Trump nach Peking gesichtet worden seien. Ihre Zahl sei jedoch erst in den vergangenen Tagen auf über hundert gestiegen. Unter den Schiffen befänden sich auch Forschungsschiffe.
Trump hatte sich nach seinem China-Besuch am Mittwoch zu Unklarheiten über US-Waffenlieferungen an Taipeh geäußert und dabei von „dem Taiwan-Problem“ gesprochen. Diese Wortwahl nährte in Taiwan Befürchtungen, Washington könne seine Unterstützung zurückfahren.
Peking betrachtet das demokratisch regierte und selbstverwaltete Taiwan als abtrünnige Provinz, die mit dem Festland vereinigt werden soll – notfalls mit militärischer Gewalt. In den vergangenen Jahren hat China rund um die Insel mehrfach großangelegte Militärmanöver abgehalten.
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