Chinas Außenminister Wang Yi hat vor einem Handelskrieg mit der EU gewarnt. Das sagte er nach Angaben des chinesischen Außenministeriums am Montag in einem Telefonat mit Bundesaußenminister Johann Wadephul. Wang forderte Deutschland auf, innerhalb der EU für freien Handel und eine Lösung der Streitfragen durch Gespräche einzutreten.
„Ich hoffe, dass Deutschland eine rationale und pragmatische Haltung bewahrt, innerhalb der EU eine positive Rolle spielt und die EU dazu bewegt, am Freihandel festzuhalten, Protektionismus aufzugeben und den Weg offener Zusammenarbeit und des Dialogs einzuschlagen“, sagte Wang demnach.
Das Auswärtige Amt setzte laut Reuters in dem Gespräch einen anderen Akzent: Handelsbeziehungen müssten auf fairen Regeln und gleichen Wettbewerbsbedingungen beruhen. Beide Minister seien sich einig gewesen, dass eine stabile Weltwirtschaft im Interesse Chinas, Deutschlands und Europas liege.
EU fordert Fortschritte bis Oktober
Der Streit hat einen erheblichen wirtschaftlichen Hintergrund. Im Jahr 2025 importierte die EU nach Eurostat-Zahlen Waren im Wert von 559,4 Milliarden Euro aus China, exportierte dorthin aber nur Waren im Wert von 199,6 Milliarden Euro. Das Defizit betrug damit 359,8 Milliarden Euro. Die EU-Kommission sieht unter anderem ungleiche Wettbewerbsbedingungen und einen erschwerten Zugang zum chinesischen Markt als Probleme.
Zuletzt berieten EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao über chinesische Exporte nach Europa, den Marktzugang für europäische Unternehmen und Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden.
Bei einem Treffen am 8. und 9. Oktober in China erwartet die EU-Kommission erste konkrete Ergebnisse. Ob die bisherigen Gespräche die Positionen angenähert haben, ließ sie offen.
Weitere Streitfragen im Telefonat
Nach einem Bericht von Bloomberg wollen sich EU-Spitzen Mitte Oktober auch mit dem Handelsdefizit und möglichen Instrumenten gegen chinesische Handelspraktiken befassen.
Peking wirbt dagegen für Verhandlungen: Wang sagte laut der chinesischen Mitteilung, Deutschland und China hätten sich darauf verständigt, Handelsprobleme zwischen der EU und China im Dialog zu lösen. Das Telefonat betraf außerdem Taiwan sowie die Kriege in der Ukraine und im Iran.
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