China

Chinas Xiangshan-Forum: Wer setzt die Regeln für militärische KI?

Präsident Xi fordert internationale Regeln für KI – die USA blocken ab. Drohen neue Spannungen zwischen den Supermächten im Wettbewerb der Spitzentechnologien?

3 Min
Chinas Verteidigungsminister Dong Jun beim Xiangshan-Forum im September 2025 in Peking. Damals warnte er vor einer Welt nach dem „Gesetz des Dschungels“.

Chinas Verteidigungsminister Dong Jun beim Xiangshan-Forum im September 2025 in Peking. Damals warnte er vor einer Welt nach dem „Gesetz des Dschungels“.

© Imago

Am Dienstag beginnt in Peking die wichtigste von China ausgerichtete Sicherheits- und Verteidigungskonferenz. Drei Tage lang treffen beim 13. Xiangshan-Forum Militärs, Regierungsvertreter und Sicherheitsexperten aus aller Welt zusammen. Gesprochen wird über regionale Konflikte, das Verhältnis der Großmächte, Rüstungskontrolle sowie die militärische Nutzung neuer Technologien und die Sicherheit im Weltraum.

Das Treffen beginnt zwei Tage nach dem Brics-Gipfel in Neu-Delhi. Dort stellte Xi Jinping eine engere technologische Zusammenarbeit der Staatengruppe in Aussicht. „China wird eine Vorreiterrolle beim Aufbau einer Brics-KI-Open-Source-Community einnehmen, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Anwendung großer Sprachmodelle unterstützen, spezialisierte KI-Seminare und -Schulungen veranstalten und ein offenes Ökosystem für KI schaffen“, sagte Xi laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Gleichzeitig hat sich die Debatte über die Risiken immer leistungsfähigerer Systeme zugespitzt. Vergangene Woche gab der Anthropic-Mitarbeiter Jacob Coxon seinen Rückzug aus der Branche bekannt. Die führenden Unternehmen würden im Wettlauf um immer leistungsfähigere Systeme „mit unserem Leben spielen“, schrieb er auf X. Vier Tage später forderte Anthropic-Chef Dario Amodei, die Entwicklung neuer Modelle zu verlangsamen, damit die Sicherheitsforschung Schritt halten könne. OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk unterstützten den Vorstoß.

Globale Regeln für KI

US-Präsident Donald Trump lehnte eine Verlangsamung dagegen ab und verwies auf den Wettbewerb mit Peking. „Wir sind China im Bereich der KI voraus“, sagte er. Diesen Vorsprung wolle er verteidigen, denn „wer im Bereich der KI gewinnt, gewinnt“. Auch Chinas Außenministerium wies Amodeis Vorschläge am Montag zurück. Der Anthropic-Chef hatte nicht nur eine langsamere Entwicklung leistungsfähiger Modelle, sondern auch strengere US-Exportkontrollen für moderne Chips nach China gefordert.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Panikmache, Konfrontation und bösartiger Wettbewerb“ würden die internationale KI-Governance behindern, sagte Außenamtssprecher Guo Jiakun. Bereits am Sonntag hatte Chinas Staatssicherheitsminister Chen Yixin selbst vor KI-gestützten Cyberangriffen sowie Gefahren für sensible Daten und kritische Infrastruktur gewarnt.

Auch Xi verlangt internationale Regeln für die Technologie und eine stärkere Beteiligung des Globalen Südens. „Wir sollten den Menschen in den Mittelpunkt stellen, KI zum Wohle aller entwickeln und die Entwicklung eines konsensbasierten globalen Rahmens für KI-Governance beschleunigen, damit neue Technologien den Weg zu gemeinsamem Wohlstand ebnen können.“ China schlug außerdem den Aufbau einer gemeinsamen Brics-Cloudplattform vor und bot Unterstützung beim Aufbau intelligenter Fabriken sowie bei der Entwicklung technischer Standards an.

Was 2006 als informelle Gesprächsrunde für Sicherheitsexperten begann, findet in diesem Jahr zum 13. Mal statt. Seit 2014 nehmen auch Regierungs- und Militärvertreter teil. Die Bedeutung des Forums liegt dabei weniger in gemeinsamen Beschlüssen als im direkten Austausch. 2024 forderte Chinas Verteidigungsminister Dong Jun dort Verhandlungen über die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen. Ein Jahr später warnte er vor einer Welt nach dem „Gesetz des Dschungels“, kritisierte militärische Blockbildung und verlangte mehr Mitsprache für Entwicklungsländer. Zugleich bekräftigte er Chinas Position gegenüber Taiwan und warnte vor einer Einmischung von außen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner