Außenhandel

Chipboom in Südkorea: Exporte doppelt so hoch wie vor einem Jahr

Das Land exportierte binnen 20 Tagen Waren für 61,6 Milliarden US-Dollar. Fast 45 Prozent davon entfielen auf Chips. Besonders stark legten die Lieferungen nach China und in die USA zu.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Vor der Samsung-Zentrale in Seoul: Der südkoreanische Elektronikkonzern gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Speicherchips.

Vor der Samsung-Zentrale in Seoul: Der südkoreanische Elektronikkonzern gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Speicherchips.

© Kim Jae-Hwan/imago

Südkoreas Exporte haben sich in den ersten 20 Tagen des Oktobers gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Nach vorläufigen Zahlen der südkoreanischen Zollbehörde vom Mittwoch stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 105,4 Prozent auf 61,6 Milliarden US-Dollar. Es ist der höchste Wert, der jemals für die ersten 20 Oktobertage gemessen wurde.

Die Importe legten um 42,8 Prozent auf 47,1 Milliarden Dollar zu. Der Handelsüberschuss belief sich auf 14,5 Milliarden Dollar. Der kumulierte Überschuss seit Jahresbeginn liegt laut Zollbehörde bei 266,9 Milliarden Dollar.

Chipausfuhren mehr als verdreifacht

Haupttreiber dieser Entwicklung waren Halbleiter. Deren Ausfuhren legten um 222,5 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar zu – ebenfalls ein Rekord für diesen Zeitraum. Der Anteil der Chips an den Gesamtexporten stieg um 16,2 Prozentpunkte auf 44,7 Prozent. Die Exporte von Computerzubehör stiegen demnach um 424 Prozent auf 2,43 Milliarden Dollar, getragen von starker Nachfrage nach SSD-Speichern.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua führt den Anstieg auf die weltweit wachsenden Investitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz zurück.

Wie stark der Halbleiterboom die südkoreanische Industrie prägt, zeigt sich beim Branchenprimus Samsung Electronics. Der Konzern rechnet für das dritte Quartal 2026 mit einem operativen Gewinn von rund 107,4 Billionen Won (etwa 80 Milliarden US-Dollar) – fast neunmal so viel wie im Vorjahresquartal und laut der Nachrichtenagentur Reuters das vierte Rekordquartal in Folge.

Hintergrund sind die gestiegenen Preise für DRAM- und NAND-Speicher sowie für High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM), die in KI-Systemen zur Verarbeitung großer Datenmengen eingesetzt werden.

Samsung und der US-Konkurrent Micron gehen laut Reuters davon aus, dass die Knappheit bei Speicherchips bis 2028 anhält. Als Risiken nennen die Hersteller die chinesische Konkurrenz und eine mögliche Abschwächung der KI-Investitionen.

Auch andere Branchen legten zu: Erdölprodukte stiegen um 68,3 Prozent auf 3,94 Milliarden Dollar, Autos um 40,9 Prozent auf 3,35 Milliarden Dollar, Stahlprodukte um 42,6 Prozent auf 2,58 Milliarden Dollar.

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Lieferungen nach China und in die USA

Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap verzeichneten die Lieferungen in die wichtigsten Absatzmärkte zweistellige Zuwächse. Die Ausfuhren nach China stiegen um 154,4 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar, jene in die USA um 154,9 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar. Nach Vietnam legten die Exporte um 74,6 Prozent zu, in die Europäische Union um 78,2 Prozent.

Die Zollbehörde wies darauf hin, dass der Vergleich durch unterschiedliche Arbeitstage beeinflusst ist: Im Oktoberzeitraum 2026 standen 13 Arbeitstage zur Verfügung, im Vorjahr nur 10,5. Arbeitstäglich bereinigt lag das Plus bei 65,9 Prozent. Auch der durchschnittliche Exportwert pro Arbeitstag erreichte mit 4,74 Milliarden Dollar einen Höchststand.

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