Die gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike hat in den USA eine neue Debatte über die Todesstrafe ausgelöst. Doch führende Republikaner im Bundesstaat Tennessee reagieren nicht mit Forderungen nach einem Ende der Hinrichtungen. Sie wollen vielmehr prüfen, ob künftig weitere Methoden zugelassen werden sollen. Fast zeitgleich hat US-Präsident Donald Trump die Hinrichtung des früheren Armeemajors Nidal Hasan durch ein Erschießungskommando genehmigt.
Pike sollte am 30. September im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Gefängnismitarbeiter verabreichten der 50-Jährigen nach Angaben der Associated Press (AP) zwei Dosen Pentobarbital, die jeweils tödlich sein sollten. Pike starb jedoch nicht. Ihre Anwälte erklärten zuletzt, sie sei seitdem nicht wieder zu Bewusstsein gekommen und werde künstlich beatmet.
Ihre Arme seien nach der Hinrichtung geschwollen gewesen und hätten Verbrennungen und Blasen aufgewiesen. Die Verteidiger vermuten, dass das Medikament teilweise nicht in die Blutbahn, sondern in umliegendes Gewebe gelangte. Die Gefängnisbehörde hält dagegen daran fest, alle vorgesehenen Schritte des Hinrichtungsprotokolls eingehalten zu haben. In einer offiziellen Mitteilung erklärte das Tennessee Department of Correction, das Protokoll sehe nach den durchgeführten Maßnahmen keine weiteren Schritte vor.
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Tennessee-Republikaner wollen Hinrichtungsarten ausweiten
Während Gouverneur Bill Lee die letzte für dieses Jahr geplante Hinrichtung stoppte und eine unabhängige Untersuchung anordnete, bereiten führende Republikaner bereits mögliche Gesetzesänderungen für 2027 vor. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses von Tennessee, Cameron Sexton, sagte der AP, man wolle die Möglichkeiten erweitern und „mehr Methoden“ einbeziehen. Derzeit wolle er keine Methode grundsätzlich ausschließen.
Auch der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, William Lamberth, zeigte sich offen dafür, den elektrischen Stuhl wieder zur primären Hinrichtungsmethode zu machen. Der republikanische Senator Todd Gardenhire nannte die Elektrokution gegenüber AP den „schnellsten und einfachsten Weg“.
Tennessee erlaubt den elektrischen Stuhl bereits, wenn eine Giftspritze trotz angemessener Bemühungen nicht vollzogen werden kann. Für Verbrechen aus der Zeit vor 1999 besteht außerdem teilweise ein Wahlrecht zwischen den Methoden. Zwischen den Jahren 2018 und 2020 entschieden sich fünf Todeskandidaten für die Elektrokution.
Der republikanische Gouverneur Lee verfolgt zunächst einen anderen Weg. Auf seinen Auftrag hin untersucht der frühere US-Staatsanwalt Ed Stanton nun unabhängig, ob das geltende Protokoll bei Pike eingehalten wurde und welche Änderungen notwendig sein könnten. Stanton hatte bereits 2022 eine Untersuchung geleitet, nach der Tennessee sein Hinrichtungsprotokoll grundlegend überarbeitete.
Trump genehmigt Hinrichtung durch Erschießungskommando
Parallel zur Debatte in Tennessee hat Präsident Donald Trump die erste Militärhinrichtung seit 65 Jahren auf den Weg gebracht. Der frühere Armeemajor Nidal Malik Hasan soll nach Angaben des Pentagons von einem Erschießungskommando der US-Armee getötet werden. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte diese Form der Vollstreckung empfohlen, Trump stimmte zu. Sollte das Urteil vollstreckt werden, wäre es die erste Hinrichtung durch das US-Militär seit 1961. Zeitpunkt und Ort soll der Heeresminister festlegen. Hasans Verteidigung kann die Vollstreckung allerdings noch vor Bundesgerichten anfechten.
Hasan hatte im Jahr 2009 auf dem damaligen Militärstützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Der frühere Armeepsychiater wurde 2013 wegen vorsätzlichen Mordes und versuchten Mordes zum Tode verurteilt. Während des Prozesses bestritt er nicht, der Schütze gewesen zu sein. Er erklärte seine Tat unter anderem mit den US-Militäreinsätzen in muslimischen Ländern.
Sollte die Strafe vollstreckt werden, wäre es die erste Militärhinrichtung in den USA seit 1961. Hasans Verteidigung kann allerdings noch über das zivile Bundesgerichtssystem gegen die Vollstreckung vorgehen. Schon eine 2008 von Präsident George W. Bush genehmigte Militärhinrichtung wurde später von einem Richter gestoppt.
Nidal Hasan wurde 2013 für den Angriff auf Fort Hood mit 13 Toten zum Tode verurteilt.
© Zuma Press/imago
Trump über Pike: „Sollte nicht sehr schwierig sein“
Die zeitliche Nähe der beiden Fälle ist auffällig. AP verweist in ihrem Bericht über Hasan ausdrücklich auf die wenige Tage zuvor gescheiterte Hinrichtung Pikes. Trump war bereits nach dem Vorfall in Tennessee darauf angesprochen worden. Er bezeichnete den Fall als eine „interessante Situation“ und sagte über Hinrichtungen per Giftspritze: „Das sollte eigentlich nicht besonders schwierig sein.“
Die Trump-Regierung hatte die Palette möglicher Hinrichtungsarten auf Bundesebene bereits im April erweitert. Das US-Justizministerium wies das Federal Bureau of Prisons an, neben der Giftspritze weitere Methoden wie das Erschießungskommando in das Bundesprotokoll aufzunehmen.
Für Hasan gelten allerdings die Regeln der Militärjustiz und nicht das zivile Hinrichtungsprotokoll des Bundes. Beide Entwicklungen zeigen dennoch, wie stark die Frage nach der konkreten Art der Vollstreckung derzeit wieder in den Mittelpunkt der amerikanischen Todesstrafendebatte rückt.
Pike war wegen der Folterung und Tötung der 19-jährigen Colleen Slemmer im Jahr 1995 zum Tode verurteilt worden. Sie war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Wäre die Hinrichtung gelungen, wäre sie die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen, die Tennessee hingerichtet hätte.
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