BONN, 1. Juni. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat sich erneut für seinen Amtsvorgänger Johannes Rau als Kandidat der Sozialdemokraten für das Amt des Bundespräsidenten ausgesprochen. "Es gibt aus meiner Sicht keinen deutschen Politiker seit Willy Brandt, der Menschen so wie Johannes Rau zusammenführen konnte. Ich meine, das sollte man sich in Deutschland zunutze machen", sagte Clement der "Welt am Sonntag". Die Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Kerstin Müller, sicherte Rau die volle Unterstützung ihrer Partei bei einer Kandidatur zu.Dagegen sprach sich der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) dafür aus, die Diskussion um den nächsten Bundespräsidenten umgehend zu beenden. Die derzeitige Diskussion rükke die Kandidatenfrage ín die Nähe des Bundestagswahlkampfes, sagte ein Sprecher Biedenkopfs. Dies sei mit der Würde des Präsidentenamtes nicht zu vereinbaren. Erst im Frühjahr könne man über eine Nachfolge für Roman Herzog diskutieren. Auch Biedenkopfs Kandidatur stehe nicht zur Debatte, so der Sprecher. Die sächsische Landesregierung reagierte damit auf übereinstimmende Berichte der "Berliner Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung", nach denen die Union Biedenkopf noch im Wahlkampf als Nachfolger nominieren würde, um ihr Profil in Ostdeutschland zu verbessern. Ein CDU-Sprecher in Bonn wies die Meldungen als "Spekulation" zurück.Osten unterstützt BiedenkopfDie aus Sachsen-Anhalt stammende stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper setzte sich in der "Bild am Sonntag" für Biedenkopf als Kandidaten für das Präsidentenamt ein. Dieser habe sehr viel für den Aufbau Ost getan. Der Sprecher der ostdeutschen Bundestagsabgeordneten in der CDU, Paul Krüger, nannte den Ministerpräsidenten von Thüringen, Bernhard Vogel, als weiteren möglichen CDU-Kandidaten. "Die Menschen bei uns würden sich über einen Bundespräsidenten aus unseren Reihen natürlich sehr freuen", sagte Krüger. Der sächsische CDU-Landesvorsitzende Fritz Hähle sagte, Biedenkopf "hätte es sicherlich verdient, Bundespräsident zu werden". Die Union wolle aber 1999 mit ihm als Ministerpräsident in den Landtagswahlkampf ziehen. (chs.)
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